Spiele-Show mit Kerner oder Die große Unterhaltungskrise

Die zwölfjährige Tochter des Schauspielers Til Schweiger, Emma, wird Co-Moderatorin von Johannes B. Kerner in einer neuen Gesellschaftsspiel-Show im ZDF. An einem Spieleabend gehe es in der Sendung «Das Spiel beginnt!» (7. März, 20.15 Uhr) um beliebte Spiele-Klassiker und neue Trends, teilte der Sender am 01.02.2015 mit.
Die zwölfjährige Tochter des Schauspielers Til Schweiger, Emma, wird Co-Moderatorin von Johannes B. Kerner in einer neuen Gesellschaftsspiel-Show im ZDF. An einem Spieleabend gehe es in der Sendung «Das Spiel beginnt!» (7. März, 20.15 Uhr) um beliebte Spiele-Klassiker und neue Trends, teilte der Sender am 01.02.2015 mit.
Foto: Frank Hempel/ZDF
Beim ZDF folgt auf „Wetten, dass..?“ eine Brettspiel-Show. Und das neue Show-Gesicht ist ein alter Bekannter: Johannes B. Kerner. Wo, bitte, bleibt das aufregend Neue?

Mainz.. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Beim ZDF folgt auf „Wetten, dass..?“ eine Brettspiel-Show. Bei einer derart biederen Idee wundert es wenig, dass der neue Moderator ein alter Bekannter ist: Johannes B. Kerner. Es macht die Sache nicht besser, dass die Mutlosigkeit in der TV-Unterhaltung kein exklusives ZDF-Problem ist.

„Das Spiel beginnt!“ heißt „die große Show von 3 bis 99“. Es wird ein Drei-Stunden-Marathon. Natürlich hat sich die Produktionsfirma Ufa Show Mühe gegeben, einen bunten Mix an Aufgaben zu stellen. Mal geht es um Spiele-Klassiker, mal um Neuentwicklungen. Doch im Grunde genommen steht das Übliche an: Geschick und Reaktionsschnelligkeit, clevere Taktik und gutes Gedächtnis.

Sat.1-Rückkehrer Kerner startete beim ZDF glücklos

Überraschungen sind noch am ehesten bei den Teilnehmern zu erwarten. Promis treten, wie bei Kai Pflaumes ARD-Show „Klein gegen Groß“, gegen Kinder an. Beim Gastgeber hingegen dräut Routine. Johannes B. Kerner steht für eine unverbindlich nette Moderation, die zwar niemandem wehtut, aber zuweilen beim Publikum zu meditativer Erschlaffung führt.

Es zeugt von Verzagtheit, dass das ZDF ausgerechnet aufs Show-Gesicht Kerner setzt. Der 50-Jährige war von Sat.1 ausgemustert worden, weil er weder als Magazin-Moderator noch als Show-Gastgeber mit überzeugenden Quoten aufwartete. Sein Neustart beim ZDF war ebenfalls glücklos – auch wenn der Rückkehrer nicht persönlich für den Ranking-Schmu bei „Deutschlands Beste“ verantwortlich zeichnete. Dennoch blieb kaum mehr belanglose Beliebigkeit im Gedächtnis.

Shows müssen wieder werden, was sie früher einmal waren

Doch bei der Konkurrenz der Mainzelmänner läuft’s kaum besser. Die ARD hat das Motto ausgegeben: Vorwärts, Zuschauer, wir müssen zurück. Dass ein Show-Klassiker wie „Dalli Dalli“ in kaum veränderter From mit Rosenthal-Nachfolger Kai Pflaume fröhliche Auferstehung feierte, ist bezeichnend für den Zustand der öffentlich-rechtlichen TV-Unterhaltung. Die Verantwortlichen gehen auf Nummer sicher. Sie setzen auf Gesichter, dem das Publikum seit Jahrzehnten vertraut, anstatt behutsam neue Talente aufzubauen.

Und die Privaten? RTL lebt seit einem Jahrzehnt von drei Shows. Neben der TV-Fegefeuer „Dschungelcamp“ oder, wie das Format offiziell heißt, „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ lebt der Marktführer des Privatfernsehens von zwei Castingsshows – „Deutschland sucht den Superstar“ und „Das Supertalent“.

Warum dürfen sich Talente wie Böhmermann nur in der Nische tummeln?

Selbst bei der Münchner ProSiebenSat.1-Gruppe läuft’s kaum besser. Tausendsassa Stefan Raab (48) gehen allmählich die Ideen aus. Während der Entertainer einst schneller TV-Hits entwickelte, als ein Hase Haken schlug, ist es in letzten Zeit ruhig um ihn geworden. Sein letztes großes Ding war sein Moderationsbeitrag zum TV-Duell der Kanzler-Kandidaten Merkel und Steinbrück 2013.

Das deutsche Fernsehen befindet sich mitten in einer Show-Krise. Dennoch gibt es Lichtblicke, wie ein Blick auf die Grimme-Preisträger in der Kategorie Unterhaltung offenbart. Doch Talente wie Jan Böhmermann („Neo Magazin“, „Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von...“) dürfen sich nur in der Nische beweisen, ohne Chance auf ein großes Publikum. Die großen Sender haben es in der Hand, das zu ändern. Mut tut dem Fernsehen gut. Wenn Shows mehr sein wollen als eine Einschlafhilfe, müssen sie wieder werden, was sie früher waren: Tagesgespräch.

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