Spanier stoppen umstrittene Öl-Bohrungen vor den Kanaren

Urlaubsidylle sieht anders aus.
Urlaubsidylle sieht anders aus.
Foto: Javier Fuentes
Was wir bereits wissen
Naturschützer waren gegen die Probebohrungen vor den Urlaubsinseln auf die Barrikaden gegangen. Jetzt feiern sie „den Sieg des Volkes“.

Madrid.. Der Öltraum der konservativen spanischen Zentralregierung ist geplatzt. Die umstrittene Suche nach Rohstofflagern vor der Küste der Kanarischen Inseln wurde überraschend beendet.

Spaniens Energieriese Repsol, der vor den Urlaubsinseln Lanzarote und Fuerteventura wochenlang nach Öl sowie Gas suchte und mit einer Probebohrung den Meeresboden durchlöcherte, brach die Operation ab. Weil sich, so Repsol, die weitere Suche nicht lohne. Aber wohl auch, weil der Widerstand auf den beliebten Ferieninseln immer größer und der Rohölpreis am Weltmarkt immer geringer wurde.

Inselpolitiker und Naturschützer, die sich gemeinsam gegen die Ölsuche gewehrt hatten, weil sie Schäden für die Umwelt und den Tourismus fürchteten, feiern jetzt „den Sieg des Volkes“. Monatelang waren die regionale Regierung der Kanaren, die Tourismusindustrie und Naturschutzverbände gegen die Bohrungen auf die Barrikaden gegangen. Hatten mit Demonstrationen, Unterschriftenliste und Gerichtsklagen gegen die „Bedrohung durch das Öl“ und für eine Zukunft mit sauberen Energien gekämpft.

Behandelte Madrid seine Inseln wie eine "Kolonie"?

Nun können die Kanarischen Inseln aufatmen: Der Energiekonzern Repsol, der mit Unterstützung der Zentralregierung in Madrid den Meeresboden durchwühlte, zog sein Bohrschiff ab. Man habe zwar in der Tiefe Öl- und Gasvorkommen gefunden. Die Rohstoffblasen seien aber „mit Wasser gesättigt“ und bestehen aus „nicht nutzbaren dünnen Schichten“, teilte der Konzern offiziell mit. Auf weitere Bohrungen werde man daher verzichten. „Das ist ein Triumph der gesamten Gesellschaft und der Kanarischen Inseln“, jubelte Paulino Rivero, Ministerpräsident der Inselregierung, die von der regional verwurzelten „Kanarischen Koalition“ gestellt wird.

Ölpreise 75 Prozent der Inselbevölkerung hatten sich gegen die Öl- und Gassuche in kanarischen Gewässern ausgesprochen, in denen sich unter anderem Wale und Delfine tummeln. Spaniens konservative Zentralregierung hingegen hatte die Bohrungen gegen den entschiedenen Widerstand der Inseln genehmigt, was ihr den Vorwurf einbrachte, sie behandele die vor Westafrika liegende Kanaren-Region „wie eine Kolonie“.

Auf den Kanaren mit den bekannten Inseln Teneriffa und Gran Canaria wohnen etwa 2,1 Millionen Menschen. Die paradiesische Vulkan-Inselgruppe lebt vor allem vom Tourismus.