Spaniens König Felipe entzieht Schwester den Adelstitel

Infantin Christina von Spanien neben ihrem Bruder Felipe, damals noch Kronprinz, heute König.
Infantin Christina von Spanien neben ihrem Bruder Felipe, damals noch Kronprinz, heute König.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Spaniens König Felipe VI. geht weiter auf Distanz zu seiner Schwester Cristina. Der Monarch erkennt der - wegen Steuerbetrugs angeklagten - Infantin einen hohen Adelstitel ab.

Madrid.. Es ist ein Schlag mit der Faust auf den Tisch und zugleich eine noch nie dagewesene Strafaktion im spanischen Königshaus: Spaniens König Felipe entzog mit einer Aufsehen erregenden Entscheidung seiner Schwester Cristina den Adelstitel der „Herzogin von Palma de Mallorca“.

Finanzskandal Mit diesem Schritt setzt sich Felipe weiter von seiner Schwester ab, die in eine schwere Betrugs- und Korruptionsaffäre verwickelt ist. Cristina, die an diesem Samstag 50 wird, muss sich wegen des Skandals demnächst – zusammen mit Ehemann Iñaki Urdangarin – vor einem Gericht auf Mallorca verantworten.

Monatelang hatte König Felipe seine Schwester bekniet, angesichts der ungeheuren Vorwürfe endlich ein öffentliches Zeichen zu setzen und sich reuig zu zeigen: Felipe wollte, so enthüllten Vertraute des Königshauses, dass Cristina freiwillig ihren Adelstitel abgebe. Auch sollte die Infanta, wie die Prinzessin in Spanien offiziell genannt wird, auf ihren Rang in der Thronfolge verzichten, wo sie an sechster Stelle steht. Und Felipe wünschte offenbar, dass sie sich öffentlich entschuldigt und das mutmaßlich veruntreute Geld zurückgibt. „Doch Cristina hat sich geweigert“, berichtet Spaniens größte Tageszeitung „El Pais“.

Ruf des Hofs aufpolieren

Nun reichte es dem 47-jährigen Felipe, der seit seiner Thronbesteigung vor einem Jahr versucht, den angeschlagenen Ruf der Monarchie wieder aufzupolieren. Er verkündete per königlichem Dekret, „dass die Befugnis von Infanta Cristina widerrufen wird, den Titel Herzogin von Palma de Mallorca zu benutzen“. Damit verliert zugleich Cristinas ebenfalls in Ungnade gefallener Ehemann Urdangarin das Recht, sich mit dem Titel „Gemahl der Herzogin“ zu schmücken. Prinzessin Cristina hatte den Titel „Duquesa de Palma“ von ihrem Vater, Spaniens früherem König Juan Carlos, im Jahr 1997 zur Hochzeit geschenkt bekommen.

Monarchie Zuvor hatte bereits das Stadtparlament von Palma de Mallorca mit der Prinzessin abgerechnet, die zusammen mit Urdangarin mehrere Millionen Euro an Steuergeldern hinterzogen haben soll. Die zentrale Flanierallee der Inselhauptstadt, die zu Ehren Cristinas und Urdangarins „Rambla de los Duques de Palma de Mallorca“ getauft worden war, heißt jetzt offiziell nur noch „La Rambla“. Mit der Umbenennung habe man der großen Empörung in der Bevölkerung über die mutmaßliche unrechtmäßige Bereicherung Cristinas Rechnung tragen wollen, begründete die Stadt Palma den Namenswechsel.

König Felipe ist bereits seit längerem auf Distanz zu seiner Schwester gegangen, um weiteren Schaden vom Königshaus abzuhalten. Er wie Königin Letizia haben mit Cristina, die inzwischen vom nordspanischen Barcelona in die Schweizer Stadt Genf umgezogen ist, weitgehend gebrochen. Der persönliche Kontakt wurde auf ein Minimum reduziert, gemeinsame Fotos werden möglichst vermieden.

Kein Mitglied der Familie mehr

Seit Felipes Amtsantritt vor knapp einem Jahr, am 19. Juni 2014, gehört Cristina nicht mehr zur offiziellen Königsfamilie, darf nicht mehr das Königshaus repräsentieren und bekommt auch kein Geld mehr aus dem Etat des Hofes.

Gegen Prinzessin Cristina und Iñaki Urdangarin, ein früherer Handball-Nationalspieler, wird seit fast fünf Jahren ermittelt: Sie sollen ihren Adelsstatus missbraucht haben, um zusammen mit Geschäftspartnern Millionengelder für ihre angeblich „gemeinnützige Stiftung“ zu kassieren. Diese Einrichtung namens „Noos“ war nach den Ermittlungen eine kommerzielle Lobby-Agentur und ließ hoheitliche Beziehungen für regionale Regierungen, Rathäuser und Privatunternehmen spielen.

Die Millioneneinnahmen sollen über eine weitere Firma mit dem Namen „Aizoon“, die Cristina und Urdangarin je zur Hälfte gehörte, gewaschen und am Fiskus vorbei geleitet worden sein. Cristina, eine studierte Politikwissenschaftlerin, die heute als Repräsentantin einer spanischen Bankstiftung arbeitet, erklärte derweil: „Ich bin unschuldig.“ Sie habe von all diesen Machenschaften nichts gewusst – was ihr in der spanischen Öffentlichkeit den inoffiziellen Titel als „Prinzessin Ahnungslos“ einbrachte.