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Sorge um die Vorsorge: Studien wecken Zweifel

27.05.2009 | 19:42 Uhr
Sorge um die Vorsorge: Studien wecken Zweifel

Essen. Kann Früherkennung Leben retten? Studien dämpfen die Hoffnung auf einen verbesserten Schutz: Man kann hingehen oder nicht, lautet die provozierende These. Beispiel Mammographie-Screening: Von 1000 oder 2000 Frauen profitiert nur eine – hochgerechnet auf zehn Jahre.

Marion Kaufmann (62) aus Mülheim hat lange gebraucht, bis sie sich einen Termin der Radiologischen Praxis hat geben lassen. Jetzt ist sie der Einladung zum Mammografie-Screening doch noch gefolgt. Wenn Prominente wie Barbara Rudnik an Krebs sterben, rüttelt das wach.

Skepsis wird lauter

Ob Brust-, Darm- oder Prostatakrebs – Ärzte, Stiftungen und Prominente wie die Klitschko-Brüder oder Talkstar Sandra Maischberger haben sich längst in den Dienst der Früherkennung gestellt.

Doch nun wird Skepsis laut: Man kann hingehen – oder es auch lassen, so das Fazit provozierender Studien, die Ärzte vor Ort in Erklärungsnot bringen. Was das Mammografie-Screening (screening: durchsieben) angeht: Von 1000 oder 2000 Frauen profitiert nur eine Frau – hochgerechnet auf zehn Jahre.

Barbara Kols-Teichmann, einst selbst an Brustkrebs erkrankt und nun Vorsitzende des Förderveins Brustzentrum „Die Revierinitiative” in Gelsenkirchen, hält diese Studien für unverantwortlich. „Mittlerweile ist die Krebs-Diagnostik deutlich verbessert worden. In Zukunft werden die Zahlen anders ausfallen.”

Patienten sind verunsichert

Besondere Aufregung erzeugt die oben genannte skandinavische Studie (Gotzsche und Nielsen). Sie werde immer wieder zitiert, Ärzte vor Ort müssen Patienten beruhigen. „Dabei ist sie extrem umstritten”, so Dr. Frank Stöblen, Leiter des Screenings-Programms Essen-Mülheim-Oberhausen, in dessen Großpraxis jährlich 127 000 Frauen untersucht werden. „Andere Studien belegen: Von hundert an Brustkrebs erkrankten Frauen gab es ohne Screening 31 Tote, mit 20 Tote.” Für ihn wie auch für die Deutsche Krebshilfe gilt: „Das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, wird durch die Mammografie um dreißig bis 35 Prozent gesenkt.” Prof. Rainer Kimmig, Gynäkologe an der Essener Uniklinik, nimmt die Skepsis zur Kenntnis: „Aber selbst wenn nur eine Frau von tausend gerettet wird, es muss uns den Aufwand wert sein.”

Dr. Klaus Koch vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) gehört zu denen, die neben Nutzen auch Gefahren sehen, „weil Früherkennung auch dazu führen kann, dass Gesunde unnötig zu Kranken werden”.  Ein Vorwurf, mit dem sich vor allem Urologen quälen müssen. Prof. Berthold Schneider, Urologe (Praxisklinik Rhein Ruhr, Mülheim): „Ja, damit wir einen Kranken retten, müssen wir sehr viele Gesunde wie Krebskranke behandeln.” Vor allem die Fixierung auf den PSA-Wert bereite Skeptikern, aber auch ihm Kopfzerbrechen. Denn der PSA-Test (Prostata-spezifisches-Antigen) sei kein „Tumormarker”. Werde aber oft geradezu panisch missverstanden. Und in der Praxis laufe es oft so: Erhöhter PSA-Wert, Gewebe-Probe, die keinen genauen Hinweis gibt – und schon werde operiert. Mit der großen Gefahr von Inkontinenz und Impotenz. Obwohl der Tumor in vielen Fällen nichts angerichtet hätte, sagt selbst Urologe Schneider. „Doch warten und erleben, wie Männer vielleicht von Knochenmetastasen geplagt werden?”

Beim Darm hilfreich

Lange galt Früherkennung als Volkssport, doch jetzt häufen sich auf allen Gebieten die Fragen, ob sich Vorsorge lohnt. Besonders in der Kritik ist die Impfung gegen Humane Papillom-Viren (HPV) für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren. Die Krankenkassen übernehmen die Impfkosten (ca. 480 Euro) gegen Gebärmutterhalskrebs, obwohl die Wirksamkeit nicht belegt sei, so Kritiker. Vorwurf: Es wird nur gegen zwei, wenn auch Hauptstämme, geimpft. Es fehlen Langzeittests. Und: Kondome wären eine Alternative, sagt Prof. Kimmig, der dennoch zur Impfung rät.

Auch wenn manche Ärzte heute kritisch sind – im Zweifel sind sie für die Früherkennung „Beim Darm hilft sie zweifelsfrei”, sagt Prof. Wolff Schmiegel, Chef an der Uniklinik Knappschaftskrankenhaus Bochum, der Stimmen wie die der Gesundheitskritikerin Prof. Ingrid Mühlhauser abschmettert. Die angebliche Nutzlosigkeit wie die Gefahren bei Darmspiegelungen (Blutungen) seien „durch kein Fakten belegt”.

Belegt sei, dass in den letzten sieben Jahren 15 000 Menschen durch die Darmspiegelung gerettet wurden. „Das hat das Deutsche Krebsforschungs-Zentrum in Heidelberg anhand von Werten der 1,857 Millionen durchgeführten Spiegelungen ergeben.” Es könnten „sogar 150 000 Leben gerettet werden”, wenn die Menschen ab 55 Jahren verstärkt zur Darmspiegelung gingen.

Petra Koruhn



Kommentare
28.05.2009
07:30
Sorge um die Vorsorge: Studien wecken Zweifel
von holle58 | #12

@ dasKollektiv
seit wann ist hier rechtschreibkontrolle ?

28.05.2009
07:24
Sorge um die Vorsorge: Studien wecken Zweifel
von dasKollektiv | #11

@9 holle58
die Shift und Leertaste hat schon ihre Daseinsberechtigung..

28.05.2009
07:22
Sorge um die Vorsorge: Studien wecken Zweifel
von B. Schmitz | #10

Vorsorgen nicht wichtig. Oder ist dieses Thema jetzt auf dem Tisch um Kosten zu sparen?

28.05.2009
07:13
Sorge um die Vorsorge: Studien wecken Zweifel
von holle58 | #9

vorsorge hin,vorsorge her.warum gehen die leute nicht zur vorsorge?wenn man das alter nicht dafür hat muss man diese vorsorge selber bezahlen! krebs kennt aber kein alter! und wenn dieser dann zugeschlagen hat zahlt die kasse die therapien.irgendwie nicht nachzuvollziehen.therapie ist teurer als vorsorge also sollten die kassen mal überlegen ob sie das nicht ändern

28.05.2009
06:54
Sorge um die Vorsorge: Studien wecken Zweifel
von ichanders | #8

Betr HPV Impfung -also ich habe meiner Tochter dringends davor gewarnt diese Impfung an meiner 13 jährigen Enkelin vornehmen zu lassen,denn die folgen sind nicht abzusehen da es KEINE PROBANTEN IN DIESEM ALTER GIBT . Ich persöhnlich sehe das eher so das man mit der Einwilligung der Eltern zur Impfung auch minderjährige Probanten hatt und dann in ein paar Jahren eine Studie erstellen kann.

27.05.2009
22:41
Sorge um die Vorsorge: Studien wecken Zweifel
von dasKollektiv | #7

Frau Petra Koruhn,
welche Studien?
von wem?
wer hat die bezahlt?
etc. ...

27.05.2009
22:18
Sorge um die Vorsorge: Studien wecken Zweifel
von trendsetter | #6

Klar sind die Ärzte für die Vorsorge—sogar Kinder (Mädchen zw. 12-14) werden geimpft, anstatt die Verursacher, nämlich die Männer, zu zwingen, sich sauber zu halten und/oder ein Kondom zu benutzen! Welche Gefahren /Langzeitfolgen für die Mädchen daraus entstehen sagen sie uns nicht! Ob ihre eigenen Töchter auch schon so „für die Leichtsinnigkeit der Männer“ vorbereitet werden??? Fragt sie mal!!!

Aber es sind auch die Ärzte, die damit ihr Geld verdienen 127 000 in einer Praxis zum Screening!!!! Jaja, die Berufsgruppe mit dem Verarmungswahn geht über alle Bedenken (Studien) hinweg, wenn es nur genügend Geld bringt!!! Sie arbeiten mit der Angst der Menschen! Wenn eine Frau dann trotzdem Brust- oder Darmkrebs erkrankt, ist es ihr Schicksal, die Mammographie ist jedenfalls abgerechnet und finanziert den Luxus der Ärzte.

27.05.2009
21:42
Sorge um die Vorsorge: Studien wecken Zweifel
von soises | #5

Und ich dachte immer Ulla Schmidt wäre in der SPD .

27.05.2009
20:57
Sorge um die Vorsorge: Studien wecken Zweifel
von Krebserkrankter | #4

@ # 2 von Überlebende spiegelt genau auch meinen Gedanken wieder.
Auch ich vermute, dass unsere heutige CDU Gesundheitsministerin und frühere maoistische Kommunistin (http://de.wikipedia.org/wiki/Ulla_Schmidt) die Vorsorgeuntersuchungen zum Schlechten verändert.
Darum: Bei den nächsten Wahlen setze ich garantiert mein Wahlkreuz NICHT bei der CDU.

27.05.2009
19:50
Sorge um die Vorsorge: Studien wecken Zweifel
von Wulsdorfer | #3

Ich (männlich) nehme war jährlich die Vorsorgeuntersuchung auf Krebs beim Urologen war. Aber ich zweifle generell den großen Nutzen der Krebsvorsorge generell an.
Meine Frau ist ständig zur Vorsorgeuntersuchung gegangen. Es wurde nie etwas gefunden. Dann habe ich einen Knoten in der Brust getastet. Untersuchungen beim Arzt ergaben nichts. Es sei alles in Ordnung. Als nach einigen Wochen starke Schmerzen auftraten wurde nochmal untersucht und Krebs diagnostiziert. Das hieß Brustamputation, Brustaufbau. Damals, vor etwa zwölf Jahren, gab es anschließend keine Bestrahlung und keine Chemo. Es sei alles in Ordnung hieß es. Im Juni 2007 wurde zufällig, wegen Beschwerden, eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Damals wurden Metastasen in der Leber festgestellt. Bei allen vorigen Vorsorgeuntersuchung wurde nichts festgestellt. Seit zwei Jahren bekommt meine Frau jetzt Chemotherapie mit allen möglichen Nebenwirkungen. Eine Heilung ist nicht möglich. Nur evtl. eine Verlängerung des Lebens.
Also, alle Vorsorge hat in diesem Fall nichts gebracht!!

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