Sorbas macht Anthony Quinn unsterblich

..  Es ist eine dieser unsterblichen Filmszenen, die du nie vergisst, die sich ins kollektive Gedächtnis einbrennt. Wie Anthony Quinn die Beine vorsichtig seitlich versetzt, die Arme ausbreitet, mit den Fingern schnippt und dieses weltverschlingende Lächeln aufsetzt, wie dieser wunderbar verrückte, struppige Alexis Sorbas zum Sirtaki ansetzt und eine emotionale Explosion am Strand von Kreta auslöst, deren Nachhall man immer noch spürt, das war der größte Auftritt eines großen Schauspielers. „Ich hab noch so viel Wucht in mir, ich könnte die ganze Welt aufs Kreuz legen“, dröhnt Quinn in diesem hinreißenden Film von 1964, und das beschrieb diesen lebenshungrigen Prachtkerl mit der bulligen Visage und den Bärenpranken vortrefflich.

Quinn heute vor 100 Jahren in Mexiko geboren, 2001 in Boston gestorben, mit aztekischem und irischem Blut in den Adern, war Vater von insgesamt 13 Kindern mit fünf Frauen, brachte es auf Haupt- und Nebenrollen in fast 300 Filmen. Als Obstpflücker und Boxer schlug er sich durch, Architekt wollte er werden, nachdem er mit einem Stipendium bei Frank Lloyd Wright studiert hatte.

Zur Schauspielschule kam er nur, weil er einen Sprechfehler nach einer Zungenoperation beheben wollte. Sein Talent brachte ihm in Hollywood kleinere Schurken- und Indianerrollen in den 30er und 40er-Jahren ein, in den Fünfzigern die ersten großen Auftritte neben Marlon Brando in „Viva Zapata“ und in Fellinis legendärem „La Strada – das Lied der Straße“.