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Sohn Walter rechnet mit Helmut Kohl ab

30.01.2011 | 16:21 Uhr
Er wollte einfach nur einen Vater. Sohn Walter Kohl über Helmut Kohl. Foto: imago

Essen.  Immer wieder habe er um die Liebe des Vaters gekämpft – vergeblich. Walter Kohl erzählt in seinem Buch auf berührende Weise von einer Beziehung zum Vater, die nicht stattgefunden hat. Als Kohl geheiratet hat, lag nur ein Telegramm im Briefkasten.

Wenn Helmut Kohl von der europäischen Einigung schwärmte, erzählte er manchmal eine Familiengeschichte: Der Bruder seiner Mutter habe Walter geheißen. Er fiel im Ersten Weltkrieg.

In Gedenken an ihn nannte Kohls Mutter einen Sohn Walter – Helmut Kohls Bruder, der im Zweiten Weltkrieg starb. „Auch mein Sohn heißt Walter“, pflegte Kohl zu enden, „und er lebt.“ Für Kohl eine Metapher auf die Überwindung von Krieg und Gewalt im vereinten Europa.

Doch wer diese Geschichte als Hinweis auf eine enge Beziehung Kohls zu seinem Sohn liest, sieht sich nun getäuscht. „Mein Vater hat sich inzwischen vollständig von mir losgesagt. Auf meine direkte Frage: ,Willst du die Trennung?’, antwortete er mir knapp mit ,Ja!’.“ Dies schreibt eben jener Walter Kohl, heute 47 Jahre alt, in seinem Buch „Leben oder gelebt werden“.

Kohl feiert 80. Geburtstag

Das Buch liest sich nicht als „Abrechnung“ mit einem Übervater, wie manche Medien vorschnell titelten. Vielmehr breitet Walter Kohl auf gut 270 Seiten die Geschichte einer schwierigen Vater-Sohn-Beziehung aus. Mal melancholisch, mal bitter und oft anrührend erzählt er von einer Verbindung, die im Grunde nie eine war. „Jeder Junge wünscht sich einen Vater, der auch für ihn da ist. Ich habe es nicht geschafft, meinen Vater zu erreichen.“ Diese „Grundaufstellung“ sei bis heute „unverändert geblieben“.

Der kleine Sohn, so Walter Kohl, lebte im „Schatten eines großen Mannes“, der als viel beschäftigter Politiker lediglich „Gast in unserem Haus“ war und nur „immer irgendwie auf leisen Sohlen“ nach Hause kam, wenn denn überhaupt. Denn: „Für meinen Vater war und ist die Politik seine eigentliche Heimat. Seine wahre Familie heißt CDU, nicht Kohl.“

Selbst an Suizid gedacht

Bedrückend, ja beklemmend berichtet Kohl, wie er im Juli 2001 vom Tod seiner Mutter erfuhr. Hannelore Kohl, die jahrelang unter einer seltenen und schweren Form von Lichtallergie litt, hatte im Haus der Kohls in Ludwigsha-fen Suizid begangen. Die schreckliche Nachricht von ihrem Tod erreichte den Sohn per Telefon – nicht etwa vom Vater, sondern von dessen Büroleiterin Juliana Weber. Walter Kohl dachte danach selbst an Suizid: „Mental hatte ich resigniert und war bereit, mich aufzugeben.“ Doch er fand ins Leben zurück – auch ohne den Beistand des Vaters.

Auch als der Altkanzler sieben Jahre nach dem Tod von Hannelore Kohl erneut heiratete, blieb Sohn außen vor. Er fand im Briefkasten ein Telegramm („Ich wusste gar nicht, dass es so etwas noch gab“) mit der kurzen Nachricht: „Heidelberg, 8. Mai 2008. Wir haben geheiratet. Wir sind sehr glücklich. Maike Kohl-Richter und Helmut Kohl.“ Einzelheiten erfuhr Walter Kohl erst tags drauf – aus der „Bild“-Zeitung. Deren Chefredakteur hatte „praktischerweise als Trauzeuge fungiert“. Die Verbitterung des Kohl-Sohns ist an solchen Stellen unüberhörbar.

Jahrzehntelang hat er auf Gespräch gehofft

Aber „Leben oder gelebt werden“ ist mehr als ein persönliches Buch. Es gewährt auch kleine Einblicke in die bundesdeutsche Geschichte. Etwa wenn Walter Kohl aus den Jahren des RAF-Terrors oder der Spendenaffäre um seinen Vater berichtet.

Walter Kohl, heute ein beruflich erfolgreicher Diplom-Volkswirt, tritt nicht nach. Er analysiert und resummiert. „Jahrzehntelang“, so schreibt er, „habe ich auf ein ,klärendes Gespräch’ mit meinem Vater gehofft. Heute weiß ich, dass wir dieses Gespräch nie führen werden. Alle meine Versuche scheiterten und endeten in einem Kreislauf aus Streit aus Streit, Missverständnissen und neuem Schmerz“, heißt es.

Gleichwohl sei er inzwischen mit sich selbst im Reinen. Der „Sohn vom Kohl“, der er in der Schulzeit gewesen sein, habe „ein neues Verhältnis“ zum Vater: „Er bleibt mein Vater, aber er ist weit weg.“

Walter Bau



Kommentare
01.02.2011
12:38
Bittere Abrechnung mit dem Vater
von kuba4711 | #22

Die Familie Kohl interessiert mich ungefähr so wie die Nachricht ,dass in Chna ein Sack Reis umgefallen ist.
Die Politik des Bimbes-Kanzlers Helmut Kohl allerdings stellt einen maßgeblichen Einschnitt in der Geschichte Deutschlands nach 1945 dar.
Damit meine ich nicht die Okkupation der Ex-DDR durch das westdeutsche Großkapital.
Nein ,ich meine den Beginn der allmählichen Wandlung der Bundesrepublik Deutschland in seiner langen Amtszeit hin zur banana republika unserer Tage.

31.01.2011
12:15
Bittere Abrechnung mit dem Vater
von meinemeinungdazu | #21

#9:
Dann brauchen wir auch kein Grundgesetz mehr, und schon gar keinen Amtseid: Er wäre Lüge.

31.01.2011
09:48
Sohn Walter rechnet mit Helmut Kohl ab
von Neusser | #20

Der Herr Walter Kohl hat wohl einiges vergessen, und zwar dass Familienangelegenheiten innerhalb der Familie geklärt werden sollten und nicht in der Öffentlichkeit. Erziehungsfehler passieren überall, und zwar in allen gesellschaftlichen Schichten. Dies sollten alle Kritiker Helmut Kohls bitte beachten. Wie heißt es so zutreffend in der Bibel: Wer von Euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.

31.01.2011
09:01
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Name von Moderation entfernt | #19

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31.01.2011
08:40
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Name von Moderation entfernt | #18

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31.01.2011
08:38
Bittere Abrechnung mit dem Vater
von KlausBrand | #17

So sind sie nunmal unsere CHRISTdemokraten.
Nur Gier und Macht. Kohl färbt eben ab bis zum
kleinsten Abgeordneten und sein Geist (Merkel)
ist der große Inspirator.
Das C im Parteilogo gehört dieser Truppe per
Gestzt verboten.KPD (Kohl-Partei-Deutschland)
passt besser. Man könnte das K hier auch als
Kapitalismus einsetzen.

31.01.2011
08:12
Bittere Abrechnung mit dem Vater
von wissenhilft | #16

zecke schrieb:
Beide Seiten zusammen ergeben das Bild eines machtbesessenen Egomanen, der noch nicht einmal nach dem Selbstmord seiner Frau gemerkt hat, dass er als Ehemann und Vater in seiner Familie kläglich versagt hat.

Dieser Mann wurde für den Friedensnobelpreis ins Gespräch gebracht.

Genau so ist es, aber war es jemals anders? Politiker, die zu aktiven Zeiten alles andere als integre und ehrliche Ehrenamtler waren, werden irgendwann mit großem Brimborium zur Symbolfigur für etwas, das sie nie waren.
Helmut Kohl hat zusammen mit anderen ein System aufgebaut, das auf Lug und Trug basierte und vor allem die Taschen einiger weniger bzw. der Partei gefüllt hat. Er steht wie kaum ein anderer für die absurde Koexistenz von konservativer Bodenständigkeit und dem genauen Gegenteil, dass er auch ein ignoranter und egomanischer Familienvater ist, der Frau und Sohn nur als Statisten für die Präsentation am Wolfgangsee benötigte, das passt ins Bild.
Also bitte keine Preise für derartige Menschen, da gibt es sicherlich einige, die das mehr verdient hätten.

31.01.2011
04:02
Sohn Walter rechnet mit Helmut Kohl ab
von WAZislos | #15

Landet der bedauernswerte Walter Kohl jetzt als Promi im nächsten Dschungelcamp?
Irgendwo muss die Kohle ja herkommen...
Übrigens...meine Nachbarin Ilse Schwittkowski hat auch Probleme...steht aber nix in der Zeitung von

31.01.2011
00:45
Bittere Abrechnung mit dem Vater
von Ruhrpottler | #14

Familienesache,als Politiker wird er in den Annalen als B_i_m_b_e_s_Kanzler eingehen.

31.01.2011
00:44
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Name von Moderation entfernt | #13

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