So können Sie sich vor Geisterfahrern schützen

Seit 2010 werden neuartige Warnschilder gegen Geisterfahrer getestet.
Seit 2010 werden neuartige Warnschilder gegen Geisterfahrer getestet.
Foto: dpa/Archiv
Was wir bereits wissen
Rund 2200 Warnungen über Falschfahrer gehen jährlich über die Radiosender. Geisterfahrer sind der Alptraum eines jeden Autofahrers. 20 bis 24 Verkehrstote gibt es jedes Jahr nach Unfällen mit Geisterfahrern. Doch mit einigen Tipps können Sie sich recht gut vor Falschfahrern schützen.

Essen.. Fünf Tote, vier von ihnen Zufallsopfer. Das war die Bilanz eines schweren Unfalls auf der Autobahn 46 nahe Meschede vor rund zwei Jahren. Die Polizei ging damals davon aus, dass hier ein Mann seinem Leben bewusst ein Ende setzen wollte, als er seinen Wagen in den Gegenverkehr steuerte. Geisterfahrer sind der Alptraum eines jeden Autofahrers, auch wenn längst nicht jeder Fall so dramatisch endet wie der in jener Oktobernacht im Sauerland. Im Gegenteil. Ein tödlicher Ausgang ist die Ausnahme.

ADAC-Sprecher Klaus Reindl beschäftigt sich schon seit Jahren mit den Gefahren auf deutschen Straßen. „Das Risiko, durch einen Falschfahrer ums Leben zu kommen, ist verschwindend gering“, sagt er. In Zahlen: 20 bis 24 Verkehrstote gebe es jedes Jahr nach Unfällen mit Geisterfahrern, das mache etwa fünf Prozent aller Getöteten auf den Autobahnen aus.

Stau Trügerische Wahrnehmung von Falschfahrern

Nach Reindls Worten werden pro Jahr rund 2200 Warnungen über die Radiosender hinausgeschickt, „doch nur bei einem Viertel davon handelt es sich tatsächlich um Falschfahrer“. Oft seien es trügerische Wahrnehmungen, die Verkehrsteilnehmer zu einer Meldung verleiten. Etwa wenn eine Straße parallel zur Autobahn verläuft und es zu Fehleinschätzungen der dort fahrenden Wagen kommt. Oder es sind Menschen, die sich mit einer Meldung einen schlechten Scherz erlauben wollen.

„Fahren Sie rechts und überholen Sie nicht“, lautet die klassische Empfehlung des Radiosprechers. „Daran sollte man sich halten und möglichst langsam fahren“, rät der ADAC. Es sei wahrscheinlich, dass auch der Falschfahrer rechts fährt, also aus seiner Sicht entlang der Mittelleitplanke. Wer die Möglichkeit hat, sollte bei einer Gefahrenmeldung einen Autobahnparkplatz ansteuern und dort warten, bis die Entwarnung kommt. Und auch das ist wichtig: Das Radio einzuschalten oder zumindest die Verkehrsfunk-Automatik.

Warnmeldungen innerhalb von drei Minuten im Radio

Zeugen, die ein entgegenkommendes Fahrzeug entdecken, das noch nicht gemeldet wurde, sollten umgehend über die Rufnummer 110 die Polizei informieren, die den Warnruf an die Radiosender weitergibt. Heute geht das alles viel schneller – Handys sei Dank. Früher verging kostbare Zeit, wenn erst eine Notrufsäule gesucht werden musste. „Inzwischen“, schätzt ADAC-Sprecher Reindl, „schafft es eine Meldung innerhalb von drei Minuten ins Radio.“

Verkehr Bin ich selbst zum Falschfahrer geworden, gilt: Umgehend an den nächstgelegenen Fahrbahnrand fahren, Licht und Warnblinklicht einschalten, den Wagen so dicht wie möglich an der Leitplanke abstellen, vorsichtig aussteigen und hinter der Leitplanke Schutz suchen, dann die Polizei anrufen. „Auf gar keinen Fall sollte man eigenständig wenden“, sagt Klaus Reindl und spricht über einen Fall, bei dem ein blauäugiger Fahrer ein lebensgefährliches Wendemanöver riskiert hat, nur um zurück zu einer Ratsstätte zu fahren, in der er einen Regenschirm vergessen hatte.

Österreich hat flächendeckende Warnschilder

Rund 13.000 Autobahnkilometer gibt es in Deutschland, dazu etwa 2500 Zufahrten, Autobahnkreuze, Rastplätze und Wirtschaftswege. Alles potenzielle Einstiegsmöglichkeiten für einen Geisterfahrer. „Manchmal reicht es schon, den Winkel eines Verkehrszeichens zu verändern oder eine Haltelinie zu verschieben, um Gefahrenstellen zu entschärfen“, sagt der Mann vom ADAC.

In Österreich haben sich flächendeckend Warnschilder durchgesetzt, die Autofahrern signalisieren, dass sie in falscher Richtung unterwegs sind: Eine schwarze Hand auf knallgelbem Grund, dazu die Aufschriften „Stop“ und „Falsch“. Auch auf einigen deutschen Strecken werden diese Schilder derzeit getestet.

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Erfolgreich? „Wenn sie auch nur eine Geisterfahrt verhindern, haben sie sich bewährt“, sagt Klaus Reindl, der sich dafür einsetzt, aktuelle Meldungen automatisch in die Navigationssysteme der Autos einzuspeisen, „das wäre eine einfache Möglichkeit“.

Von Berlin aus wird unterdessen an einem Projekt mit elektronischen Überwachungshilfen gearbeitet. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) schwebt ein Frühwarnsystem vor, das an Autobahnauffahrten installiert werden könnte. Das Ministerium teilte dieser Zeitung mit, dass die Autobahn 9 München-Nürnberg ausgesucht worden sei, um das Pilotprojekt in Kürze auf seine Praxistauglichkeit zu testen. Innerhalb der nächsten Wochen solle das Warnsystem der Öffentlichkeit vorgestellt werden, so ein Sprecher.