Das aktuelle Wetter NRW 1°C

Parawissenschaften

„Skeptiker“ entzaubern Mythen und Wunderheiler

21.05.2009 | 08:45 Uhr

Essen. Horoskope, Wunderpillen und dubiose Magnetbänder haben die „Skeptiker“ im Visier. Sie wollen moderne Mythen entzaubern - und die Verbraucher schützen. Denn oft stehen nicht nur das Vertrauen, sondern auch Geld und Gesundheit auf dem Spiel.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft, fliegen zum Mond und haben das Erbgut unserer Zellen entschlüsselt. Aber wenn sie wichtige Entscheidungen treffen sollen, vertrauen viele Menschen dann doch auf das Horoskop in der Fernsehzeitung.

Klaus Schmeh (38) aus Gelsenkirchen, Informatiker und Vorsitzender der Regionalgruppe Rhein-Ruhr. Foto: privat

Die „Skeptiker“ – die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) – hinterfragen und klären auf. Ihr Themenfeld ist weit gefasst, von alternativer Medizin über Astrologie bis bin zu Wünschelruten und Erdstrahlen. Am Donnerstag treffen sie sich in Hamburg zum Bundeskongress.

Ein Interview mit Klaus Schmeh (38) aus Gelsenkirchen, Informatiker und Vorsitzender der Regionalgruppe Rhein-Ruhr.

Warum glauben wir so gerne?

Klaus Schmeh: Die Welt ist kompliziert. Und da ist eine einfache aber falsche Erklärung für manche Menschen besser als gar keine. Nehmen wir das Thema Finanzen als Beispiel. Da blicken ja sogar Experten oft nicht mehr durch. Und bevor man sich dann durch Börsenkurse und Bücher quält, vertraut man lieber seinem Horoskop.

Mit welchen Fragen beschäftigen sich die Skeptiker?

Schmeh: Wir befassen uns mit Themen, die außerhalb der anerkannten Wissenschaften liegen. Astrologie oder alternative Medizin, zum Beispiel. Die GWUP ist ein Verein, in dem sich etwa 870 Mitglieder für kritisches Denken und gegen esoterischen Unfug einsetzen.

Haben Sie einen Lieblings-Mythos?

Schmeh: Bibelcodes. Versteckte Prophezeiungen in der Bibel. Wenn man, sagen wir mal, jeden fünften Buchstaben liest, soll man angeblich geheime Botschaften finden. So sollten zum Beispiel die Terroranschläge vom 11. September in der Bibel angekündigt worden sein. Herausgefunden hat das natürlich erst jemand nach dem 11. September. Nach unserer Ansicht ist das reine Willkür.

Wie reagieren die „Enttarnten“ denn auf die Ergebnisse Ihrer Arbeit?

Viele Menschen vertrauen auf Vorhersagen. Foto: Imago

Schmeh: Wir erleben ganz selten, dass sich jemand von unseren Argumenten überzeugen lässt. Wir haben zum Beispiel die Vorhersagen vieler Astrologen überprüft. Wenn sich ihre Prognosen nicht erfüllt haben, kamen immer nur Ausreden, warum es ausgerechnet dieses eine Mal nicht gestimmt hat. Und natürlich werden wir auch oft angefeindet. Schließlich geht es in vielen Fällen um materielle Interessen oder gar die Existenz.

Warum lassen Sie die Menschen eigentlich nicht einfach an Abnehmpillen, Magnetbänder und UFOs glauben, wenn es sie glücklich macht? Warum verwenden Sie so viel Energie in die Aufklärung Ihrer Mitmenschen?

Schmeh: Jeder hat ein Recht auf objektive Informationen. Und manchmal treffen Menschen wichtige Entscheidungen aufgrund fragwürdiger Theorien. Im schlimmsten Fall setzen sie dabei sogar ihr Geld oder ihre Gesundheit aufs Spiel.

Was für Menschen engagieren sich bei den Skeptikern?

Schmeh: Wir haben einen hohen Anteil an Akademikern. Wissenschaftsjournalisten und Mediziner sind dabei. Aber auch Zauberer, die sich über Uri Geller aufregen, wenn er mal wieder seine übernatürlichen Fähigkeiten anpreist.

Einmal im Monat trifft sich der Skeptiker-Stammtisch im Essener Unperfekthaus. Was genau besprechen Sie da?

Schmeh: Wir diskutieren. Manchmal sind auch Vertreter der Gegenseite dabei. Dann geht es zum Teil auch richtig hoch her. Zum Stammtisch der Regionalgruppe Rhein-Ruhr ist jeder herzlich eingeladen. Wir treffen uns in der Regel jeden ersten Dienstag im Monat.

Ab Donnerstag kommen die Skeptiker zum Kongress in Hamburg zusammen. Was passiert da?

Info
Forum

Diskutieren Sie mit anderen DerWesten-Lesern

Schmeh: Die GWUP trifft sich zu einer dreitägigen Konferenz. Wir möchten Einsteiger begeistern und hören Fachvorträge aus unterschiedlichen Bereichen. Ich referiere beispielsweise zum Thema „Parawissenschaftliche Codes: Wie findet man versteckte Nachrichten, wo keine sind?“.

Können Sie sich noch daran erinnern, als Sie das erste Mal eine Behauptung ernsthaft in Frage gestellt haben?

Schmeh: Ein Schlüsselerlebnis gab es da jetzt nicht. Aber ich habe zum Beispiel auf Partys immer wieder angeregte Gespräche über Astrologie mitbekommen. Wenn ich dann widersprechen wollte, fehlten mir die fundierten Informationen. Das war ein Grund, mich den Skeptikern anzuschließen. Jetzt habe ich gute Argumente – und kann die Leute sogar manchmal überzeugen.

Erschreckt es Sie, wie gutgläubig die Menschen sind?

Schmeh: Manchmal bin ich wirklich verwundert, wie unkritisch die Leute Behauptungen als Tatsachen hinnehmen. Aber andererseits: In Krisensituationen versucht man ja alles, damit es einem besser geht. Das möchte ich nicht verurteilen.

Können Sie noch unvoreingenommen glauben - oder zweifeln Sie schon aus Reflex?

Schmeh: Im Zweifelsfall gehe ich erstmal auf kritische Distanz. Aber ich lasse mich auch gern vom Gegenteil überzeugen.

Mehr zum Thema:

Schöner leben mit Verschwörungstheorien

Annika Rinsche

Facebook
 
Kommentare
19.09.2010
22:43
„Skeptiker“ entzaubern Mythen und Wunderheiler
von antiSkeptikerMensch | #46

Solange es Menschen gibt wirds auch diese sogenannten Skeptiker geben. Menschen und Skeptiker suchen immer nach der erklärung zu dem womit sie nix anfangen können! Sie setzen sich in ihrer meinung fest was sie nicht erklären können existiert nicht! Gott müsste somit auch nicht existieren! Wenn alle Menschen tot sind wird auch Gott weg sein? Aber ganz sicher werden die Skeptiker weg sein. viel spass beim nachdenken - Antiskeptiker

14.10.2009
13:34
„Skeptiker“ entzaubern Mythen und Wunderheiler
von Sylke | #45

Solange es Menschen gibt, werden sie an Wunder, Horoskope und so Sachen glauben. Daran werden auch die Skeptiker nichts ändern können.

06.06.2009
19:32
„Skeptiker“ entzaubern Mythen und Wunderheiler
von Noli | #44

Nachdem sich hier nun einige Statements gesammelt haben, von denen die meisten nicht gerade vor Sachkenntnis triefen,halte ich es für erforderlich,mal ein paar grundsätzliche Dinge klarzustellen. Die GWUP ist ein Verein, der notorisch unterfinanziert ist. Die meisten Aktivitäten der GWUP werden ehrenamtlich geleistet. Die GWUP könnte wesentlich effizienter
arbeiten, wenn sie finanziell besser gestellt wäre. Es ist z.B. sehr gefährlich, sich mit
finanzstarken Anbietern unseriöser Verfahren anzulegen, da diese gerne vor Gericht ziehen
und die dabei entstehenden Kosten einem kleinen Verein schnell das Genick brechen können.
Deshalb hält sich die GWUP in Ihren öffentlichen Aussagen eher zurück und vermeidet es in
der Regel, einzelne Personen oder Firmen anzugreifen. Als Verein ist sicher auch die GWUP
nicht frei von den üblichen vereinsmeierischen Problemen, doch treten diese neben der
inhaltlichen Arbeit kaum in Erscheinung.
Zu dem Vorwurf, die meisten Wissenschaftler der GWUP würden sich zu fachfremden Fragen
äußern, kann ich nur sagen, dass das stimmt. Denn fast alles, was die GWUP angreift, hat
mit Wissenschaft nichts zu tun. Wenn sich also ein Wissenschaftler dazu äußert, ist dies fachfremd. Warum tun sie es dann trotzdem? Weil eben viele unwissenschaftliche und unseriöse Angebote und Praktiken sich den Anstrich des Wissenschaftlichen geben und dieser Anstrich gehört abgekratzt. Die Unwissenschaftlichkeit der von der GWUP angegriffenen Denksysteme findet auf einem derart niedrigen Niveau statt, dass sie jeder
Wissenschaftler erkennen kann, sei er nun Mediziner, Physiker, Biologe oder sonstwas. Ja,
Homöopathie, Astrologie, Geomantie und andere sind so unsinnig, dass das eigentlich jeder
Laie, der in der Schule in Physik nicht gepennt hat, erkennen kann. Traurig nur, dass in
der Bevölkerung das einfache Wissen, wie Scharlatanerie erkannt werden kann ( Stoff für
Sekundarstufe I), kaum vorhanden ist und ein Verein wie die GWUP überhaupt erforderlich
ist.

02.06.2009
16:51
„Skeptiker“ entzaubern Mythen und Wunderheiler
von skeptizismusskeptiker | #43

Wer näheres über die GWUP lesen will, sollte u.a. den Aufsatz von Dr. Wunder, Soziologe, Gründungsmitglied und mittlerweile ausgetreten, lesen. Steht bei Skeptizismus.de. Er legt einige Mechanismen der Meinungsbildung, Doktrinierung und Disziplinierung andersdenkender dar, die in der GWUP angewendete werden. Durch Sachkenntnis ist die GWPU allerdings nicht besonders angekränkelt, um so mehr von aggressivem Eiferertum genen alles was nicht ins eigene Weltbild passt. Die Autoren lassen sich regelhaft unbekümmert über ihnen fachfremde Gebiete aus u.s.w.
Der GWUP-watch-blog ist auch interessant.


gwup-skeptiker.blogspot.com

www.skeptizismus.de

24.05.2009
17:13
„Skeptiker“ entzaubern Mythen und Wunderheiler
von Hannes Bongard | #42

„Einwände von Seiten der Naturwissenschaft kranken in der Regel daran, dass sie an die Astrologie ausschließlich quantitative Maßstäbe anlegen und von kausalmechanistischem Denken ausgehen. Qualitativ Symbolhaltiges lässt sich aber nicht mit quantitativen Maßstäben messen, und eine Kritik wird sinnlos, wenn sie an das Kritisierte mit falschen Voraussetzungen herangeht. So können wir Ernst Jünger zustimmen, wenn er sagt: »Der Kampf des Gelehrten gegen die Astrologie hat etwas vom Angriff gegen die Windmühlen. Er hält die Astrologie für eines der Gebäude, in deren Bauplan er bewandert ist. Er misst es an den Maßstäben der Logik und ihres Erkenntnisstils und hält es für schlecht konstruiert. Er übersieht dabei den Unterschied, der zwischen Begriff und Anschauung ... und besonders den, der zwischen Wissen und Weisheit besteht.»“

Fritz Riemann: Lebenshilfe Astrologie - Gedanken und Erfahrungen, 1976

24.05.2009
13:23
„Skeptiker“ entzaubern Mythen und Wunderheiler
von Bonnes Hangard | #41

Alles scheint anziehend, was Stabilität und Zuversicht in einem Zeitalter des Wandels verspricht. Die skeptische Bewegung bietet eine einmalige Zusammenstellung von klaren Gegenargumenten. Sie ist ein Lichtblick für eine Rationalität, die für die Lösung der realen Probleme des 21. Jahrhunderts unverzichtbar ist.

Prof. Leon M. Lederman
(Physiker & Nobelpreisträger)

22.05.2009
12:28
„Skeptiker“ entzaubern Mythen und Wunderheiler
von Hannes Bongard | #40

„Da man im Allgemeinen zu wenig darüber weiß, was Astrologie ist und kann, da zugleich die herrschende Wissenschaft unzulängliche oder tendenziöse Vorstellungen von ihr hat und schon die ernsthafte Beschäftigung mit Astrologie als ein »Symptom« betrachtet, sind sich die meisten unsicher darüber, was sie wirklich zu leisten vermag.“

Fritz Riemann: Lebenshilfe Astrologie - Gedanken und Erfahrungen, 1976

21.05.2009
20:41
„Skeptiker“ entzaubern Mythen und Wunderheiler
von r.kant | #39

@ Aristoteles1

Warum sollten die Skeptiker irgendetwas überprüfen lassen? Die Skeptiker klären nur auf und forschen nicht selbst. Sie machen nur auf Scharlatane, Abzocker und unseriöse Esoterik-Anbieter aufmerksam.

Warum sollten eigentlich Universitäten so etwas überprüfen? Das ist weder deren Aufgabe noch sind Universitäten dazu geeignet.

Weiterhin halte ich viele esoterische Aktivitäten persönlich auch für Volksverdummung und gefährlich für bestimmte Menschen.

Das die Skeptiker der GWUP sich mit unwissenschaftlichen Aktivitäten der Esoteriker beschäftigen ist außerdem deren Sache. Andere Organisationen könnten sich andere Aktivitäten - meinetwegen auch unfähige Wissenschaftler - aussuchen. Aber die Skeptiker haben sich eben auf die Bereiche der Volksverdummung durch Astrologie, Homöopathie, Verschwörungstheorien, also dem Esoterikbereich konzentriert.

Das ist deren gute Recht. Daher kann ich ihre Einlassung zum Thema nicht nachvollziehen, insbesondere, das sie keinerlei Belege für ihre ungerechtfertigten Unterstellungen bringen.

21.05.2009
20:12
„Skeptiker“ entzaubern Mythen und Wunderheiler
von Aristoteles1 | #38

@r.kant

Es einmal so betrachtet: Wären die Skeptiker echt skeptisch, würden sie ihre Arbeiten von unabhängigen Universitäten gegenprüfen lassen!
Und dann wüßten wir genau, wo die Scharlatane sitzen!

Ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen mit den Skeptikern sprechen und nach diesen sind sie die Scharlatane. Jedoch lasse ich mich gerne eines besseren belehren, sofern jene sich mit Astrologie beschäftigenden Ärzten sich einmal mit ihrem Fachbereich beschäftigen würden! Nur würde einigen dann die Approbation entzogen, wegen Unfähigkeit in der Stellung!

Nur mal so angedacht. Interessanter finde ich jedoch den Umstand, das die Skeptiker in erster Hinsicht die Esoteriker anstatt die unfähigen Wissenschaftler bekämpfen. Könnte es sein, das es hier nur um einen Revierkampf geht? Wie auch die Zeitschrift Skeptiker schon mehrmals anklingen ließ?

21.05.2009
17:50
„Skeptiker“ entzaubern Mythen und Wunderheiler
von r.kant | #37

@ dereinzigwahreVollpfosten

Sag ich doch, putzige Kommentare, die man am besten ausdruckt, damit die Umgebung sich auch mal amüsieren kann.

Wir warten auf weitere Kommentare von ihnen.

@ all

Selbst zu einem doch recht unverdächtigen Thema, wie den Skeptikern, tauchen dann wieder die Esoteriker auf oder die üblichen linken Verdächtigen die ihre Duftmarken auch in jede Kommentarfunktion setzen müssen, auch wenn sie wie unser Freund dereinzigwahreVollpfosten zum Thema absolut nicht beitragen.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/13816/create

Umfrage
Adele hat gerade erst bei den Grammys abgeräumt, jetzt gibt die Sängerin überraschend ihren Rückzug aus der Musikszene für bis zu fünf Jahre bekannt. Was halten Sie davon?
 
Neueste Aktivität
Aktuelle Fotos und Videos
Heiße Phase bei "Der Bachelor"
Bildgalerie
1 Kommentare 1
Karnevalswagen 2012
Bildgalerie
Aus dem Ressort
Wenn Polizisten mit den Hells Angels sympathisieren
Buch
Er kennt sie gut – die Schattenseiten des Polizeialltags. Der Ex-Beamte und Ex-Hooligan Stefan Schubert aus Bielefeld hat ein neues Buch darüber geschrieben. Darin erzählen Polizisten offen von Versagen, Fehlern, Vertuschungsversuchen und Sympathie für die Hells Angels.
Foto 12 Kommentare 12
Kinder in NRW schlucken zu viele Antibiotika
Arzneimittel
Kinderärzte in NRW verordnen viel zu oft Antibiotika – auch bei harmlosen grippalen Infekten. Das belegt eine aktuelle Studie. Dabei helfen die Mittel längst nicht gegen alle Krankheiten. Und ein zu starker Einsatz von Antibiotika öffnet Erregern Tür und Tor.