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70. Geburtstag

Singen war wie eine Therapie für Howard Carpendale

14.01.2016 | 05:37 Uhr
Singen war wie eine Therapie für Howard Carpendale
Ohne die Bühne ging’s ihm schlecht: Howard Carpendale.Foto: dpa

Berlin.  Howard Carpendale feiert 70. Geburtstag. Der Schlagerstar lebte nicht nur sein Sonnyboy-Image, er ging auch durch düstere Zeiten.

Für seine Fans ist „Ti amo“ immer noch die schönste Liebeserklärung und „Hello Again“ der Soundtrack für ein neues Leben mit der Ex. Howard Carpendale, der mit 30 Millionen verkauften Tonträgern als einer der größten Schlagerstars Deutschland gilt, singt sich wie eh und je in die Herzen der meist reiferen Frauen. Dabei ist „Howie“ längst nicht der, für den ihn viele halten: Howard Carpendale war depressiv und heimgesucht von Selbstmordgedanken, wurde jetzt bekannt.

Dass der erfahrene Profi, der seine Anhänger mit „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ und seichten Schmusesongs in eine schönere Welt entführte, nun mit dem Image des Sonnyboys aufräumte, verblüfft. Er zeigt sich als Mensch, der mit Problemen zu kämpfen hat. Schon mutig, in diesem Business Schwächen zu zeigen.

Was ihn zu Fall brachte, war sein Bühnenabschied 2003. Nie wieder das sanfte „Deine Spuren im Sand“, kein weiteres Mal dieses trotzige „Dann geh doch“ zu singen, hat ihm nicht gut getan. Ein halbes Jahr war er „wie gelähmt“. Er wollte sich sogar das Leben nehmen. „Ich hatte einen genauen Plan zum Wie und Wo“, berichtete er der „Bild am Sonntag“.

„Ich fühle mich wie 45“

Nur seinem Therapeuten sei es zu verdanken, dass es anders kam. „Wenn du nicht wieder auf die Bühne gehst, wirst du bald sterben“, habe er gesagt. Der Sänger gehorchte, wurde wieder gesund und feiert am Donnerstag seinen 70. Geburtstag, was nicht heißt, dass er die Siebzig gut findet: „Das ist eine Scheiß-Zahl. Da stehe ich überhaupt nicht drauf, weil es mit meinem Empfinden nichts zu tun hat. Ich fühle mich nicht mal wie sechzig, eher wie fünfundvierzig.“ Im Jahr 2007 gab der Sänger sein Comeback bekannt. Es folgten fünf neue Studioalben, die alle ihren Weg in die Top Ten der deutschen Charts fanden, und die Frauen warfen ihm auf der Bühne wie in den besten Jahren wieder Rosen zu.

Die Krise ist vorbei, aber nicht vergessen: Carpendale hat gelernt. Vor allem gelernt, sich nicht mehr so ernst zu nehmen. Heute kann er über sich lachen. „Manchmal grinse ich über den öffentlichen Howard Carpendale. Es gibt Leute, die härter arbeiten. Und mindestens fünftausend, die besser singen.“

Dass Carpendale mittlerweile mit großer Distanz über sich spricht, war auch in der Talkshow bei „Inas Nacht“ zu hören, als er zum Besten gab, was sein Manager einst zu ihm sagte: „Deine Nase ist Scheiße, Deine Ohren sind Scheiße, Dein Mund ist Scheiße, aber die Mischung stimmt.“

Neues Album zum Geburtstag

Wer erlebt hat, wie sein Kultsong nach allen Regeln der Kunst umgedeutet wurde („Tür an Tür mit Alice“), amüsiert sich auch über andere Veralberungen seiner Songs. Carpendale schmettert Kritik an seinen Liedern in der Regel auf diese Weise ab: Wenn im Radio über seine Texte gelästert wurde, dann aber Lieder kamen wie „I’m a Big Big Girl in a Big Big World“, dann denke ich, bin ich bekloppt oder die? “

Zu seinem Geburtstag ist ein neues Album mit seinen schönsten Schlagern erschienen. Seine Fans haben dafür über ihre Lieblingslieder abgestimmt. Auf Platz eins: „Nachts wenn alles schläft“, gefolgt von „Ti amo“ und „Hello Again“.

Das rührt den Sänger: „Ich gehöre nicht zu denen, die sagen, ich will nicht mehr die Lieder von damals singen.“

Er ist ein Unterhalter der alten Schule

Aber er will mehr sein: „Entertainment ist, wenn man einem Publikum nicht einfach Lieder vorspielt, sondern es zweieinhalb Stunden lang unterhält.“ Klingt lapidar, aber wer ihn erlebt hat auf der Bühne, der weiß, dass so einer wie er das schafft, auch wenn er nicht tanzt oder vom Bühnenhimmel herunter schwebt. Carpendale ist ein Plauderer, ein Unterhalter der alten Schule.

Wobei er „alt“ nicht so gerne hört und sich als einer gibt, der mit der Zeit geht. „Die Tage, an denen man einen Smoking auf der Bühne anzieht, sind vorbei. Es ist einfach ein bisschen lässiger geworden, das Ganze.“

Petra Koruhn

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Singen war wie eine Therapie für Howard Carpendale
Singen war wie eine Therapie für Howard Carpendale
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2016-01-14 05:37
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