Ségolène Royals Kampf gegen Nutella

Paris..  „Eine große Tasse Milchkaffee und ein Nutella-Brot, wie jeden Morgen“, antwortet Patrick ein wenig verwundert auf die Frage, was er zum Frühstück hatte. Der 18-jährige Schüler war gestern Morgen auf dem Weg zur großen Philosophieklausur, mit der in Frankreich traditionell die Abiturprüfungen beginnen. Dass Umweltministerin Ségolène Royal ihre Landsleute zu einem Nutella-Boykott aufgerufen hat, ist ihm entgangen. „Na“, sagt er, „im Augenblick habe ich andere Sorgen.“

Die meisten Franzosen freilich stecken nicht mitten im Abiturstress, weswegen Royals Vorstoß durchaus für Wirbel sorgt. „Man muss aufhören, Nutella zu essen“, hatte sie am Montagabend in einer Fernsehsendung gefordert. Der Ministerin ist es ein Dorn im Auge, dass der Schoko-Brotaufstrich Palmöl enthält, zu dessen Gewinnung tropische Wälder gerodet werden. Royal zufolge richte das „beträchtliche Schäden“ an.

Nutella ist in Frankreich genauso beliebt wie in Deutschland. Großer Beliebtheit erfreut sich allerdings auch Ségolène Royal. Und sie ist einflussreich. Nicht nur, weil sie das Ohr von Präsident François Hollande hat, dessen Leben sie 29 Jahre lang teilte und mit dem sie vier gemeinsame Kinder großzog. Ihr protokollarischer Rang weist die energische Sozialistin hinter Premier Manuel Valls und Außenminister Laurent Fabius als Nummer drei der Regierung aus.

Nutella-Hersteller Ferrero erinnerte daran, dass man sich bereits vor zwei Jahren zur Benutzung von nachhaltigem Palmöl verpflichtet habe. Der Rohstoff wird nicht mehr durch Rodung, sondern auf eigens angelegten Plantagen gewonnen. Umweltschützern reicht das jedoch nicht. Fest steht: Das Image von Ferrero dürfte durch Royals Boykott-Aufruf weiter leiden. Erst vor wenigen Monaten hatte Greenpeace den italienischen Konzern scharf kritisiert: Ferrero beziehe den Kakao aus der Elfenbeinküste, die Haselnüsse aus der Türkei. Dort sei „bekanntermaßen Kinderarbeit ein großes Problem“.