Sechs um die Sechzig suchen ihr Lebensglück

Szene aus "Die Zeit mit Euch": Heiko (Herbert Knaup) und Vera (Ulrike Kriener) kommen sich wieder näher.
Szene aus "Die Zeit mit Euch": Heiko (Herbert Knaup) und Vera (Ulrike Kriener) kommen sich wieder näher.
Foto: ARD Degeto/Georges Pauly
Was wir bereits wissen
Die Generation 60 ist das Thema des Films „Die Zeit mit Euch“ – eine Komödie mit melancholischen Momenten und einem eingespielten Star-Ensemble.

Essen.. In dem ARD-Film "Die Zeit mit Euch" (Freitag, 20.15 Uhr) treffen sich sechs um die Sechzig zum gemütlichen Plausch. Was als alltagsnahe Plauderei unter weltoffenen Mittelklasse-Menschen beginnt, endet mit Katerstimmung in doppeltem Sinn: Beim Treffen von drei lange befreundeten Paaren fließt der Alkohol in Strömen. Nebenher und unvermutet entpuppt sich das gesellige Beisammensein als Stunde der Wahrheit. Nicht jede Beziehung übersteht sie unbeschadet.

Und das sind die sechs Freunde aus den Hamburger Elbvororten, die sich aus drei Ehepaaren zusammensetzen: Die Antiquarin Vera (Ulrike Kriener) gibt das Abendessen gemeinsam mit ihren Mann und Gymnasiallehrer Heiko (Herbert Knaup). Er weiß nichts von ihrer Affäre mit ihrem Lieblingskunden Martin (Thomas Bading), und er verheimlicht ihr seine bedrohliche Erkrankung. Starreporter Paul (Henry Hübchen) hat richtiges Muffensausen vor seinem neuen Rentnerdasein und treibt seine Gattin Christiane (Leslie Malton) zurück in ihren alten Beruf als Stewardess.

Launige Wortwechsel, melancholische Momente

Der Onkologe Klaus (Ernst Stötzner) lässt beim Dessert die Bombe platzen: Er wird wieder Vater, hat er doch schon seit drei Jahren eine Liaison mit der wesentlich jüngeren Floriane (Carolin Pohl), woraufhin seine Frau Marlene (Johanna Gastdorf), eine toughe Personalchefin, weinend zusammenbricht.

ARD Da ist also genügend Zündstoff drin, und die Protagonisten mitsamt ihrem gelebten Leben schenken sich nichts. Es fallen erst so lapidare Sätze wie "Die Dinge ändern sich" oder "Auf die Blödheit!", später wird es dann schon heftiger: "Er ist doch ein Schwein!" oder "Was bist denn Du bitte für ein Freund?". Das fragt man sich ohnehin mehrfach, angesichts der geballten Ladung von Doppelmoral, Verlustängsten, Demütigungen, Orientierungslosigkeit und Selbstfindung. Die Freundschaftsbande werden auf eine harte Probe gestellt, doch sie halten - getreu nach dem Motto: Nichts ist zuviel, solange es noch irgendwie geht.

Lebenskluger Mix von Ernst und Scherz

Die Sechs müssen sich neu sortieren. Und genau das ist das Spannende an dem Film von Gabriele Kreis (Drehbuch) und Stefan Krohmer (Regie): Wie geht es weiter? Kann es neues Glück geben? Und: Was ist der Schlüssel zum Glück?

Die unterhaltsame Sinnsuche lebt von launigen Wortwechseln, melancholischen Momenten und einem perfekt aufeinander eingespielten Star-Ensemble (Henry Hübchen, Leslie Malton, Ulrike Kriener, Herbert Knaup, Ernst Stötzner und Johanna Gastdorf).

Fazit. Alltagsnahes Porträt von Sechzigern. Lebenskluger Mix von Ernst und Scherz. Die Zielgruppe erkennt sich in vielem wieder. (mit dpa)