Das aktuelle Wetter NRW 14°C
NSU-Prozess

Schwere Anschuldigung gegen Ex-NPD-Funktionär im NSU-Prozess

02.06.2013 | 17:33 Uhr
Zwei der Angeklagten haben angekündigt, beim NSU-Prozess auszusagen. Beate Zschäpe will weiter schweigen.Foto: Sascha Fromm/Thüringer Allgemeine

München.  In den NSU-Prozess kommt Bewegung. Am Dienstag will Carten S. als erster Angeklagter eine Aussage machen. Seine Anschuldigungen gegen den früheren NPD-Funktionär Wohlleben sorgen für Aufsehen. S. behauptet, Wohlleben sei in die Planungen der Terrorgruppe eingebunden gewesen.

Im Verfahren gegen die Neonazi-Terrorgruppe NSU hat ein Mitangeklagter laut einem Medienbericht schwere Vorwürfe gegen den früheren NPD-Funktionär Ralf Wohlleben erhoben. Der ebenfalls in München vor Gericht stehende Wohlleben sei eng in Aktionen der rechtsextremen Gruppe eingebunden gewesen, sagte Carsten S. der Bundesanwaltschaft nach einem "Focus"-Bericht. Es wird erwartet, dass der 33-jährige S. an diesem Dienstag als erster Angeklagter eine Aussage im Prozess macht. Er ist als mutmaßlicher Helfer angeklagt.

Kurz nach seiner Verhaftung im Februar 2012 hatte Carsten S. zugegeben, dem untergetauchten Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe eine Schusswaffe besorgt zu haben. Mit ihr sollen die Terroristen zwischen 2000 und 2006 bundesweit neun Einwanderer ermordet haben. S. hatte sich bereits 2001 von der rechten Szene losgesagt.

Mittelsmann zwischen Wohlleben und den Terroristen

Er räumte laut "Focus" ein, dass er ab Ende 1998 Mittelsmann zwischen Wohlleben und dem Trio war. Die Wünsche der drei habe er immer an diesen weitergegeben. "Jeder Auftrag des Trios hat die Einbindung und Entscheidung des Ralf Wohlleben bedingt", zitiert das Magazin aus den Unterlagen. Das gelte "selbstverständlich auch für die Beschaffung der Schusswaffe". Im zweiten Halbjahr 1999 hätten ihn Mundlos und Böhnhardt damit beauftragt, Wohlleben habe den Erwerb vorbereitet und den Kaufpreis von 2500 D-Mark bereitgestellt. Wohlleben selbst hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Nach Ansicht der Ermittler wusste er von den Verbrechen - er ist ebenso wie Carsten S. wegen Beihilfe zum Mord angeklagt.

Teurer Prozess

Wohllebens Anwältin, Nicole Schneiders, soll laut einem Medienbericht der Neonazi-Szene näher stehen als bisher bekannt. Sie werde seit knapp 20 Jahren vom baden-württembergischen Verfassungsschutz der rechten Szene zugerechnet, berichtet das Internetportal "stern.de" unter Verweis auf vertrauliche Unterlagen des Landesamtes. So soll die Juristin als Mitglied die "Kameradschaft Karlsruhe" in Versammlungs- und Waffenrecht geschult haben.

Zweiter Tag des NSU-Prozess

Nach Schätzungen der Bundesanwaltschaft dürfte der NSU-Prozess laut "Spiegel" den Steuerzahler etwa 20 Millionen Euro kosten. Allein die Aufwendungen für die mehr als 80 Nebenkläger und ihre Anwälte schlügen mit rund 13 Millionen Euro zu Buche. Die Kosten trage zunächst Bayern, sie würden aber vom Bund erstattet. Kommt es zu Verurteilungen, müssten die Angeklagten dafür aufkommen. Seien sie dazu außerstande, bleibe der Steuerzahler auf den Kosten sitzen. (dpa)



Kommentare
02.06.2013
20:18
Schwere Anschuldigung gegen Ex-NPD-Funktionär im NSU-Prozess
von Tanoebel | #2

Der Eine sagt dies - die Anderen sagen nichts. Da wird es weitere Sachbeweise brauchen, um Licht in die Angelegenheit zu bringen. Wie glaubwürdig sind denn isolierte Zeugenaussagen von einem Mitangeklagten, der auf eine "Kronzeugenregelung" oder Strafnachlass hoffen könnte, weil er selbst in die mutmasslichen Verbrechen verstrickt ist? In einem Strafverfahren vor einem deutschen Gericht, werden wilde Spekulationen und mediale Vorverurteilungen nicht ausreichen und es steht zu befürchten, dass wie im Fall des RAF-Mordes an Generalbundesanwalt Buback letztlich kein Täter dingfest gemacht werden kann.

02.06.2013
19:23
Schwere Anschuldigung gegen Ex-NPD-Funktionär im NSU-Prozess
von Pucky2 | #1

ach, es wird ja doch noch vom Prozess berichtet... erst minütlich, jetzt nur noch monatlich?

Aber schon richtig entschieden, wenn ich den Bericht so lese, ist der Prozess gerade in der Phase, wo sich alle gegenseitig beschuldigen. So wie in Berlin, im Prozess um Jonny K., der komischerweise aber in der Presse möglichst verschwiegen wird.

2 Antworten
!?
von 1980yann | #1-1

Wieso verschwiegen, aktuell macht im dortigen Prozess etwa ein Schöffe Schlagzeilen, dessen Ausraster evtl. den gesamten Prozess zum Platzen bringen könnte.

Schwere Anschuldigung gegen Ex-NPD-Funktionär im NSU-Prozess
von Pucky2 | #1-2

@ 1980yann, ich weiss...die Informationen haben sie aber nicht aus der WAZ

Aus dem Ressort
Kleinkind in Witten fällt aus Fenster im vierten Stock
Unglück
Dieser kleine Junge muss wirklich einen Schutzengel gehabt haben. Ohne schwerwiegende Verletzungen überstand er am Montagnachmittag einen Sturz aus einem Fenster im vierten Stock einer Wohnung in der Winkelstraße. Es war zum Lüften geöffnet, als das 14 Monate alte Kind auf eine Couch kletterte.
Hackfleisch mit Nadeln gespickt - 60-Jährige festgenommen
Verbrechen
Fast ein Jahr lang wurde immer wieder abgepacktes Hackfleisch in Märkten in Eutin und Umgebung mit Nähnadeln gespickt. Ein Opfer bemerkte die Nadel erst im Mund. Nun wurde eine 60-jährige Frau als Tatverdächtige gefasst. Sie zeigt sich in einigen Fällen geständig.
Zwangsprostitution - Die Narco-Mädchen von Mexiko
Drogenkrieg
In den Hochburgen der mexikanischen Kartelle werden Frauen und Mädchen zur Prostitution oder zum Drogenschmuggel gezwungen. Immer wieder schließen sie sich aber auch freiwillig den Syndikaten an. Einige machen sogar erstaunliche Karrieren in dem rauen Geschäft.
Drama um Ausreißerin - 15-Jährige prostituiert sich offenbar
Sexplattform
Verschwundene 15 Jährige brannte mit 63-jährigem Nachbarn durch und bot offenbar Sex im Internet an. Angehörige vereinbaren ein Schein-Date und fanden so das Mädchen wohlbehalten im Wohnwagen des Mannes. Gegen den Nachbarn liegt nun der Verdacht der Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger vor.
Wetter-Experten erwarten künftig noch mehr Sommer-Gewitter
Wetter
Vollgelaufene Keller in der Mitte Deutschlands, Freibad-Temperaturen im Osten: Der Sommer 2014 brachte schwülwarmes Wetter und viel Regen. Aber sind die Ereignisse auch ein Zeichen des Klimawandels?
Umfrage
Die Stadt Dortmund lehnt Pfandringe an Mülltonnen ab: Sie seien zu gefährlich . Teilen Sie diese Einschätzung?

Die Stadt Dortmund lehnt Pfandringe an Mülltonnen ab: Sie seien zu gefährlich . Teilen Sie diese Einschätzung?

 
Fotos und Videos