Schweighöfers Amazon-Serie „You Are Wanted“ ist gestartet – Lohnt sich das Anschauen?

Lukas Franke (Matthias Schweighöfer) kämpft in „You Are Wanted“ gegen Hacker, die ihm seine Identität gestohlen haben.
Lukas Franke (Matthias Schweighöfer) kämpft in „You Are Wanted“ gegen Hacker, die ihm seine Identität gestohlen haben.
Foto: Stephan Rabold/ AMAZON
  • Amazons erste deutsche Serienproduktion ist jetzt online
  • „You Are Wanted“ mit Matthias Schweighöfer handelt von Identitätsdiebstahl durch Hacker
  • Wir haben für dich die ersten Kritiken gelesen

Berlin.  Längst haben große Serien-Produktionen wie „Game of Thrones“, „The Walking Dead“ und Co. die großen Kino-Blockbuster als reichweitenstärkste Film-Events abgelöst. Nun hat Amazon mit „You Are Wanted“ die erste deutsche Serie an den Start gebracht, seit dem 17. März ist sie online.

Die Thriller-Serie, für die Matthias Schweighöfer nicht nur die Hauptrolle, sondern auch die Regier übernommen hat, ist in mehr als 200 Ländern über Amazon Prime Video abrufbar.

Hacker klauen Hauptfigur die Identität

Sie handelt vom Hotelmanager und Familienvater Lukas Franke, dem Hacker seine Identität klauen. Das BKA hält ihn auf einmal für einen Terroristen, auch seine Frau beginnt, an ihm zu zweifeln. Und Lukas Franke alias Matthias Schweighöfer versucht, sich zu wehren.

Die große Frage: Lohnt sich das Anschauen? Journalisten kamen vorab lediglich zwei der sechs Episoden zu sehen. Wir haben uns für dich die ersten Kritiken angeschaut:

Serienjunkies.de: „Die Dialogarbeit ist schlichtweg zum Fremdschämen. Jede noch so offensichtliche Tatsache muss ausgesprochen werden, damit auch der hinterletzte Zuschauer versteht, was da gerade passiert. [...]

Auch die Regie [...] lässt zu wünschen übrig. Außer ein paar establishing shots von Fernsehturm, Oberbaumbrücke und Gedächtniskirche gibt es nichts dezidiert Berlinerisches, ja nicht einmal Deutsches zu sehen. Diese Serie könnte in jeder beliebigen Großstadt spielen, ihre Figuren sind überall auf der Welt daheim. Deutsch ist nur das penetrante product placement. [...]

Eben das ist dieses Format: ein Produkt wie Krombacher, Mercedes und Nutella - aber keine gute Serie.“ (Hier geht’s zur Kritik)

Wired.de: „Doch bei der übertriebenen Darstellung der Technologie bleibt es leider nicht. Hinzu kommen Charaktere, die so eindimensional sind, dass Admins sie wohl als DAU – dümmster anzunehmender User – bezeichnen würden.

BKA-Beamte zum Beispiel, die den Unterschied zwischen einer IP-Adresse und einer echten Person nicht kennen. Oder eine Ehefrau, die als völlig naiv dargestellt wird, nur damit im Laufe der Geschichte die Beziehung zu ihrem Mann Stück für Stück auseinanderbrechen kann.

Nein, You Are Wanted spielt nicht in einer Liga mit Hacker-Shows wie „Mr. Robot“. Aber dass eine Serie sich mit fortschrittlicher Technologie auseinandersetzt und sich dann auch noch die Mühe macht, diese Technologie wirklich verstehen zu wollen, das macht schon Spaß.

Hinzu kommen die durchaus ansehnliche schauspielerische Leistung von Matthias Schweighöfer und eine Verschwörungsstory voller Cliffhanger, die You Are Wanted zu solidem Popcorn-Bingewatching-Material machen. Wer eine Metaebene sucht, gesellschaftliche Erklärungen für Hacking und die Verwirrungen im Krieg um Informationen, der wird allerdings enttäuscht, zumindest in den ersten beiden Episoden.“ (Hier geht’s zur Kritik)

Noizz.de: „Am Ende ist „You Are Wanted” deutlich besser als das, was man normalerweise von deutschen Serien gewohnt ist. Denn die Macher arbeiten mit Elementen, derer sich auch klassische Hollywood-Blockbuster bedienen: spektakulären Kamerafahrten, einem Held, der das Böse besiegen muss, seiner schönen Frau, die er beschützen will, und Cliffhangern, die die Zuschauer am Ball halten sollen.

Man kann über Matthias Schweighöfer denken, was man will, aber handwerklich ist „You Are Wanted” ganz gut gemacht. Deswegen lohnt es sich aber nicht, extra ein Amazon-Prime-Abo abzuschließen. Dafür bedient sich die Story einfach zu vieler Klischees und wirkt wenig originell.

„You Are Wanted” ist eine Serie für diejenigen, die auf gute Unterhaltung stehen, bei der man den Kopf getrost ausschalten kann. Wer sich aber innovative Stoffe und Charaktere mit Tiefgang wünscht, wir hier enttäuscht.“ (Hier geht’s zur Kritik)

Zeit Online: „Der Joker, der fiese und kriminelle, die Welt aus den Angeln hebelnde Satan, wie er in jedem Bond-Film verewigt ist, treibt die Handlung voran, zieht die Strippen, und das ist, man muss es so platt sagen, zunächst einmal so massenkompatibel wie spannend.

Man möchte die dritte und vierte Folge sehen. Trotz aller berechtigten Kritik an der etwas dick aufgetragenen Familienrührseligkeit ist dies bei der derzeitigen Serienflut selten genug.“ (Hier geht’s zur Kritik)

Meedia.de: „„You Are Wanted“ mag sich vom Mainstream nicht komplett abwenden und seinen Zuschauern zu viel zumuten. Die digitale Weltordnung wird hier nicht verhandelt, wie etwa in „Mr. Robot“, der anderen Hacker-Serie von Amazon.

Doch gerade dieses gesunde Maß an Erwartbarkeit macht „You Are Wanted“ so erfolgversprechend: Schweighöfer erzählt ohne viel Schnickschnack seine Story, die Tragweite der Geschehnisse werden dem Zuschauer auch ohne technische Details und Hollywood-Hokuspokus schnell deutlich. [...]

Der eine oder andere Charakter, wie Lukas‘ doch sehr blauäugige und ahnungslose Frau (Alexandra Maria Lara), kommen zumindest in den ersten beiden Folgen eher als Mittel zum Zweck daher. Das ist vielleicht der Preis, den man für einen „Gassenhauer“ zahlen muss, der keine „edgy Nischenserie“ sein will.

Dafür können die beeindruckenden Bilder von Schweighöfers Stammkameramann und Co-Regisseur Bernhard Jasper zweifellos mit US-Produktionen mithalten. Mit opulenten Panoramashots und ebenso bildstarken wie düsteren Schauer-Szenarien setzt er mal das abgelebte, mal das edle Berlin gekonnt in Szene. (Hier geht’s zur Kritik)

(ba)