Schwebende Schale
28.08.2009 | 20:50 Uhr 2009-08-28T20:50:00+0200
Nautilus - dabei denkt man an sofort an das Unterseeboot, das Jules Verne für seinen Kapitän Nemo erfand. Zu Recht: Die real lebenden nautiliden besitzen ein raffiniertes Tauchsystem.
Zoo: Bochum
Nautilus pompilius
Familie: Perlboote
Ordnung: Nautiliden
Klasse: Kopffüßer (Cephalopoda)
Stamm: Weichtiere (Mollusca)
Es gibt wohl kein Tier, das seine Ahnengalerie so weit in die Vergangenheit zurückverfolgen kann. Der Quastenflosser, dieser Fisch, der immer als lebendes Fossil bezeichnet wird? 400 Millionen Jahre. Vor 500 Millionen Jahren jedoch schwammen die Vorgänger des Perlboots durch die Ozeane, kaum verändert gegenüber ihren heutigen Nachfahren. Damals beherrschten die Nautiliden die Meere in unglaublicher Artenfülle, unzählige Fossilienfunde zeugen davon. Und manche von ihnen wurden groß, gewaltig - maßen fast zwei Meter im Durchmesser. Heute gibt es nur noch sechs Arten der Nautiliden und sie sind auf Taschenformat geschrumpft, dieses im Zoo Bochum ist etwa so groß wie eine gespreizte Hand.
Ein Teil der Behausung steht leer
Es sind faszinierende Tiere: In ihrer Schale leben sie geschützt und können sie sogar mit einer Schalenplatte auf der Schädeldecke anders als Schnecken dicht abschließen. Doch die Schale ist auch ihr Schwimm- und Tauchkörper; je nach darin gesammelter Luft können sie hunderte Meter auf und ab tauchen. Das Gehäuse ist spiralförmig wie bei den uns bekannten Landschnecken, doch in seinem Innern anders strukturiert: Wände unterteilen es in einzelne Kammern, die immer kleiner werden, je weiter man nach innen vordringt. Diese Wände schließen die Kammern dicht ab bis auf ein kleines Loch in der Mitte. Das Tier, das Perlboot, kann sich unmöglich durch das winzige Loch zwängen es bewohnt nur die äußerste, die größte Kammer. Der Rest seiner Behausung ist leer.
Und das muss auch so sein - denn in diesen leeren Räumen ist die Luft eingeschlossen, die das Perlboot schwimmen lässt. Tier und Schale sind ja schwerer als Wasser - ohne einen Auftrieb würde es in die Tiefe des Ozeans sinken, ungebremst bis zum Boden wie ein Stein. Durch die Luft aber können Perlboote im Wasser stehen, schweben. Und sie können im Wasser auf- und absteigen: Wenn das Tier aus seiner gewohnten Tiefe von etwa 400 Metern in höhere Wasserschichten steigen möchte, weil es dort auf Nahrung hofft, dann muss es etwas mehr Luft in die Kammern pumpen. Diese Luft kommt aus dem Wasser: Wie jedes Tier atmen die Nautiliden Sauerstoff ein, den sie aus dem umgebenden Wasser ziehen- durch Kiemen. Das Perlboot atmet nun nicht nach außen aus, sondern in seine Schale hinein; dort steigt der Luftdruck, ist mehr Luft eingeschlossen, die Schale steigt auf.
Im Zoo Bochum bewohnt das Perlboot ein eigenes Becken - mehr eine Art Wassersäule. Durch Bullaugen in verschiedenen Höhen kann man erspähen, in welcher Tiefe es gerade schwebt. Wenn man das Glück hat, dass das Tier dem Fenster nahe kommt, sieht man vor allem Arme. Viele Fangarme. Außer seinem riesigen Auge scheint ein Perlboot fast nur aus Tentakeln zu bestehen, und tatsächlich sind es weit mehr als bei einem Oktopus. 60 Tentakeln bei Männchen und sogar 90 bei Weibchen reihen sich kranzartig um den Kopf, um die Mundöffnung. Mit ihnen fingern Perlboote nach kleinen Krebsen; anders als Tintenfische und Kraken aber haben sie keine Saugnäpfe, mit denen sie die Beute festhalten und lähmen können, stattdessen sondern die Tentakeln ein klebriges Sekret ab.
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