Schwangeres Reptil und Kater mit Hängebauch
18.02.2009 | 21:06 Uhr 2009-02-18T21:06:00+0100
Essen. Es ist Online-Sprechstunde. Und die beiden Tierärzte Dr. Gmeiner und Dr. Höptner geben Antworten auf Ihre Fragen. In dieser Woche geht es unter anderem um ein trächtiges Reptil und ein kastrierter Kater mit Hängebauchproblemen.
Frage: Ich habe eine Flat Coated Hündin, die 8 Jahre alt ist. Seit der ersten Läufigkeit ist sie scheinträchtig. Mit den Jahren wird der Zustand immer schlimmer, meine Tierärztin hatte damals einer Kastration abgeraten. Meine Frage lautet: Ist eine Kastration jetzt in dem Alter noch zu empfehlen, oder gibt es wirksame Medikamente für die Hündin? Da meine Hündin auf den Tag genau nach 6 Monaten wieder läufig ist, ist die Zeit dazwischen, ohne Beschwerden - sehr gering.
Helmut Gmeiner ist Fachtierarzt für kleintiere. Er studierte Tiermedizin an der LMU München. 1991 erhielt er seine Approbation als Tierarzt.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind "Orthopädische Chirurgie" und "Augenheilkunde".
Antwort: Sie schreiben, daß ihre acht Jahre alte Flat Coated Hündin seit ihrer ersten Läufigkeit immer wieder scheinträchtig wird. Wichtig wäre es für uns zu wissen, was Sie mit ihrer Aussage meinen...der Zustand der Hündin wird immer schlimmer? Scheinträchtigkeit ist ein klinisches Phänomen, bei dem ein weibliches Tier, das nicht trächtig war, gegen Ende des Diöstrus mütterliches Verhalten und Milchproduktion aufzeigt. Die Scheinträchtigkeit wird bei Hündinnen als physiologisches Phänomen angesehen. Sie ist nicht mit Reproduktionsstörungen einschließlich Pyometra, Zyklusirregularitäten oder Unfruchtbarkeit verbunden. Ganz im Gegenteil, das Auftreten der Scheinträchtigkeit ist ein Beweis dafür, dass im vorangegangenen Zyklus eine Ovulation stattgefunden hat. Warum manche Hündinnen eher dazu neigen, klinische Symptome zu entwickeln, und warum die Ausprägung der Symptome von Zyklus zu Zyklus variiert, ist nicht bekannt. Die klinischen Symptome der Scheinträchtigkeit sind selbstlimitierend und verschwinden im Allgemeinen nach zwei bis drei Wochen. Eine Behandlung ist normalerweise nicht notwendig. Bei Hündinnen die dagegen zum Beispiel ausgeprägtes aggressives Verhalten zeigen oder sonstige extreme psychische Verhaltensveränderungen wie Nest bauen, Verteidigen von Spielsachen oder hochgradige Apathie manifestieren, ist es sinnvoll Medikamente, die die Prolaktinfreisetzung verhindern, einzusetzen. Dies führt dann innerhalb von kürzester Zeit zu einem Stillstand der oben beschriebenen Symptome.
Bei schwerwiegenden Verhaltensstörungen ist dagegen die Ovarektomie (Kastration) zu empfehlen. Wägen Sie ab - am Besten in einem persönlichem Gespräch mit dem Tierarzt Ihres Vertrauens.
Frage: Meine Bartagame ist tragend und buddelt die ganze Zeit im Sand. Was muss ich machen?
Antwort: Zum Ende der Trächtigkeit ist Ihre Bartagame auf der Suche nach einem geeigneten Platz für die Eiablage. In Frage kommen Eiablageboxen aus dem Fachhandel, oder füllen Sie das Terrarium hoch genug mit grabfähigen Substrat, das an einer Stelle feucht gehalten wird, damit die Bartagame dort ihre Eier ablegen kann.
Am Eiablageplatz sollte eine Temperatur von 25 -30 Grad herrschen. Wenn das Weibchen ungestört ist, wird sie nach Probegrabungen einen Tunnel graben und am Ende dieses Tunnels ihre Eier ablegen, und ihn hinterher wieder verschließen. Nach Aushärtung der Eier, können sie vorsichtig in einen Inkubator gefüllt werden.
Wenn die Eiablage mehr als 24 Stunden her ist, dürfen die Eier nicht mehr gedreht werden, da ansonsten die sich entwickelnde Bartagame sterben kann.
Zwischen Eiablage und Schlupf liegen in der Regel 50- 80 Tage, die noch einmal genauer Pflege- und Bebrütungsmaßnahmen bedürfen.
Wichtig ist, das geschwächte Muttertier nach der Trächtigkeit ausgewogen und vitaminreich zu ernähren.
Frage: Ich habe eine acht Jahre alte, kastrierte Hündin (Kastation Herbst 2007, wegen Scheinschwangerschaften und Haarausfall). Kurz nach der Operation konnte sie 1-2 Wochen das Wasser bei großen Mengen nicht halten, das hat sich dann gegeben.
Seit einiger Zeit hat sie es hin und wieder, aber mehr nachts....obwohl ich jeden Abend eine Stunde mit ihr nach draußen gehe. Sie leckt sich sehr viel nachts. Sie trinkt viel...möchte immer raus, ihre Augen sind glänzend....Appetitlosigkeit hat sie nicht, sie ist fit und munter. Kann es eventuell psychisch sein?
Antwort: Das Harnträufeln ist die häufigste und unangenehmste Kastrationsfolge. Meistens äußert sich die Inkontinenz nur im Schlaf und tritt oft nur schwach oder zeitweilig in Erscheinung. Bei den betroffenen Tieren ist der Verschlussmechanismus der Harnröhre gestört. Die Ursache dieser Störung ist noch weitgehend unbekannt. Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Risiko für Harnträufeln un dem Körpergewicht. Kastrierte Hündinnen mit einem Körpergewicht von weniger als 20 kg werden in 10 % der Fälle inkontinent. Bei Hündinnen mit einem Körpergewicht von mehr als 20 kg, beträgt die Tendenz zur Inkontinenz zirka 30 %. Eine Rasseprädiposition wurde bei Boxern nachgewiesen. Das Harnträufeln tritt bei Hündinnen in der Regel entweder sofort oder auch erst 2,8 Jahre nach der Kastration, aber auch bis zu zehn Jahre nach der Kastration auf.
Christoph Höptner studierte Tiermedizin an der Università Degli Studio Milano. Seine Approbation als Tierarzt erhielt er im Mai 1995.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind die "Kardiologische Diagnostik" - einschließlich Farbdopplersonographie - und die "abdominale Chirurgie".
Bevor betroffene Tiere behandelt werden, sollten mögliche andere Inkontinenzursachen wie Blasenentzündungen, Untugenden (psychogene Störungen), neurologische Störungen oder endokrine Ursachen - welche zu einem vermehrten Trinken führen könnten- oder auch Leber- und Nierenerkrankungen ausgeschlossen werden.
Das Ziel der konservativen Behandlung liegt in der Unterstützung des Harnröhrenverschlusses. Dafür ist der Einsatz von Sympathomimetika am besten geeeignet, welcher bei 90 % der Hunde zu einem Behandlungserfolg führt.
Frage: Ich möchte mir gerne einen Hund zulegen bin aber berufstätig. Meine Frage: Wie lange können Hunde alleine in der Wohnung bleiben wenn sie es gewohnt sind?
Antwort: Wenn Sie sich dazu entschließen einen Hund anzuschaffen, ist die Eingewöhnungszeit, das gegenseitige Kennenlernen und Vertrauen entwickeln, für Ihren neuen Familienzuwachs sehr wichtig und vor allem sehr zeitintensiv. Der Hund wird anfangs beim Alleinsein Trennungsangst zeigen und sollte deshalb behutsam an die neuen Herausforderungen gewöhnt werden. Bei Berufstätigkeit sollten Sie sich zunächst 2-3 Wochen Urlaub nehmen und für den Hund da sein, ihn dem Tierarzt vorstellen und zur Hundeausbildung gehen. In dieser Zeit wird der Hund nur wenige Minuten allein gelassen, und die Abstände des Alleinseins werden langsam gesteigert.
Es gibt keinen Maßstab für eine Zeit des problemlosen Alleinseins bei Hunden, denn jedes Tier reagiert anders.
Frage: Unser Kater, ca. 2 1/2 Jahre alt, bekam kurz nach der Kastration einen kleinen Hängebauch, der jetzt, nachdem das Tier ausgewachsen ist und 7,5 kg wiegt, dementsprechend groß und hinderlich für ihn ist. Es ist ein recht großes und kompaktes Tier, und ich würde ihn nicht als zu dick bezeichnen, aber bedingt durch seinen Bauch hat das Tier Schwierigkeiten, vor allem, durch die Katzenklappe zu kommen. Er quält sich regelrecht da durch, und ist voller Freude, wenn man ihm vorab die Tür öffnet. Er ist sehr behende, springt draußen herum, klettert auf Garagen und dergleichen. Er frisst zwar gern, aber meines Erachtens nicht übermäßig (morgens und abends eine 100g-Schale, die Reste aus den Näpfen der beiden anderen Katzen und ab und an etwas Trockenfutter). Was kann da nach dem Eingriff passiert sein, und vor allem, wie kann ich dem Tier helfen?
Antwort: Bei der Hängebauchproblematik Ihres Katers ist es sicherlich sehr wichtig zu bedenken, dass Ihr Kater ein Freiläufer ist. Generell kann man sicherlich sagen, dass ein ausgewachsener Kater bei einer Durchschnittsgröße zirka zwischen vier und sechs Kilo wiegt. In der Regel fressen solche Tiere zwischen 70 und 100 Gramm Futter am Tag. Daher ist Ihre angegebene Futtermenge von mindestens 200 Gramm zu hoch. Sollte die Nahrungsaufnahme diese Grammzahl überschreiten, ist in Abhängigkeit vom Bewegunsdrang und von den physiologischen Grundbedingungen von einer ständigen Gewichtszunahme auszugehen. Diese Gewichtszunahme äußert sich bei den Katern besonders in der Ausbildung eines Hängebauches. Auch wenn sein Bewegungsdrang bisher noch in keinster Weise beinträchtigt ist, empfehle ich Ihnen trotzdem auf eine kontinuierliche Gewichtskontrolle zu achten, da ein späteres, eventuell deutliches Übergewicht für den Bewegungsapparat und für die Organe schädlich sind. Bedenken Sie bitte auch, dass Ihr Kater womöglich noch bei Nachbarn zusätzliche Fressmöglichkeiten haben kann, was die Menge der Futteraufnahme dann noch vergrößern würde. Der Hängebauch ist sicherlich als Folge der Kastration auszuschließen.
Eine gute Möglichkeit den Hängebauch Ihres Katers wegzubekommen wäre der Versuch mit einer Fütterung über mindestens acht Wochen mit dem Futter r/d der Firma Hills. Sie werden sehen, der Kater wird jubeln ob der Mengen die er fressen darf und er wird zudem in diesem Zeitraum sein neues Traumgewicht von zum Beispiel angestrebten 5 kg erreichen.
Die Online-Sprechstunde
Haben auch Sie eine Frage zu Ihrem Haustier? Dann senden Sie diese einfach an tiere@derwesten.de.
Die Antworten werden jeden Dienstag auf www.DerWesten.de/tiere vorgestellt.
- Online-Sprechstunde: Tierärzte beantworten Ihre Fragen
- Tiere im Winter: Experten beantworten Fragen
Die Online-Sprechstunden im Überblick:
- Was tun bei Scheinträchtigkeit und Tumoren bei Hündinnen
- Kastration oder Sterilisation?
- Epilepsie gibt es auch bei Hunden
- Tränende Katzenaugen und Kabelbeißer
- Kater außer Rand und Band
- Kapuzen-Zeisig und Welpenerziehung
- Kastration bei Rüden und Katzenimpfung
- Unsaubere Katze und Grasmilben
- Katzenflöhe und ein verletzter Wellensittichfuß
Weitere Informationen zur Praxis von Dr. Gmeiner und Dr. Höptner finden Sie unter http://www.kleintierpraxis-mh.de
12:52
Jau - und Hills jubelt darüber dass ihre Werbebesuche in TA-Praxen mal wieder erfolgreich waren. Bei der Dosierung von Futtermitteln kommt es gravierend auf die Zusammensetzung an - minderwertige Supermarktsorten enthalten wenig Nährstoffe und die Katze nimmt die bis zu vierfache Menge auf um die notwendigen Nährstoffe zu erhalten - und damit jede Menge Zucker, Fett und Getreide die in vielen billigen Futtersorten enthalten sind. Die Katze muss viermal so viel verdauen und auch darunter leidet das System.
Wie wäre es statt eines teuren Spezialfutters mal mit einem guten, hochwertigen Nassfutter aus dem Fachhandel (Internet)? Oder eine BARF-Rohfütterung? Günstiger, gesünder, natürlicher. Eine Fütterung ausschließlich über Trockenfutter bietet ein grundsätzlich erhöhtes Risiko von Blasen- und Nierenerkrankungen da ein Großteil der Feuchtigkeit im natürlichen Normalfall über die Nahrung aufgenommen wird.
Manchmal muss man sich hier doch arg wundern!