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Schluss mit "Matula"

23.03.2013 | 08:17 Uhr
Foto: /dapd/Mario Vedder

Nein, Rotwein wolle er sich nicht in den Kühlschrank stellen, sagt Claus Theo Gärtner. Es gibt also doch noch etwas, das den Schauspieler von seinem Alter Ego "Matula" unterscheidet. Und ganz so draufgängerisch wie der Privatdetektiv in der Krimiserie "Ein Fall für Zwei" sei er auch nicht, sagt der 69-Jährige im Gespräch mit dapd.

Frankfurt/Main (dapd). Nein, Rotwein wolle er sich nicht in den Kühlschrank stellen, sagt Claus Theo Gärtner. Es gibt also doch noch etwas, das den Schauspieler von seinem Alter Ego "Matula" unterscheidet. Und ganz so draufgängerisch wie der Privatdetektiv in der Krimiserie "Ein Fall für Zwei" sei er auch nicht, sagt der 69-Jährige im Gespräch mit dapd. Ansonsten aber unterscheiden sich Gärtner und Matula nach mehr als drei Jahrzehnten kaum noch. Doch am Freitag (29. März) ist er zum letzten Mal in dieser Rolle auf dem Bildschirm zu sehen: Mit der 300. und letzten Folge stellt das ZDF die TV-Serie ein.

Es ist die Reaktion des Senders auf Gärtners eigenen Wunsch, aus der Rolle auszusteigen. "Nach 31 Jahren wollte ich schlicht mal was selber planen, ohne einen Rückfahrtermin nach Wiesbaden im Kopf zu haben", sagt er. In der hessischen Landeshauptstadt ist das Produktionsbüro der Krimiserie ansässig, in der Gärtner seit 1981 die Rolle des für einen Frankfurter Rechtsanwalt tätigen Detektivs gespielt hat. "300 Folgen sind auch genug, jetzt möchte ich mal was Anderes machen", fügt er hinzu.

Für die Fernsehzuschauer wird es erst am Freitagabend so weit sein, doch für Gärtner selbst hat das Leben nach Matula längst begonnen. Gedreht wurde die letzte Folge nämlich schon im September vergangenen Jahres. Und seitdem ist der Schauspieler seinem Vorsatz treu geblieben, erst einmal eine ganz lange Pause einzulegen. Mit seiner Frau ist er vier Monate durch Afrika, vor allem Mali und Marokko, getourt. Jetzt inszeniert die Regisseurin und Autorin in Basel am Theater. Danach wollen die beiden erneut zu einer langen Reise aufbrechen, diesmal in die baltischen Länder. "Ich kenne die ganze Welt, aber nicht alle Nachbarstaaten Deutschlands, das soll sich ändern", sagt er.

Angebote für Komödien

Frühestens Ende des Monats will Gärtner dann wieder seiner Profession als Schauspieler nachgehen. Und zwar aller Wahrscheinlichkeit auf der Bühne. "Ich habe verschiedene Theaterprojekte auf dem Tisch liegen - meistens Tourneetheater mit Komödien. Mal sehen", fügt er hinzu.

Da werden sich die Zuschauer wohl an einen ganz anderen Claus Theo Gärtner gewöhnen müssen. Dabei hat Matula mit den 300 Folgen längst Derrick übertroffen, der es als ZDF-Kriminalinspektor "nur" auf 281 Folgen und 24 Jahre TV-Serie gebracht hat. Vier verschiedene Anwälte waren an Matulas Seite zu sehen: Günter Strack als Dr. Renz, Rainer Hunold als Dr. Franck, Mathias Hermann als Dr. Voss und zuletzt Paul Frielinghaus als Dr. Markus Lessing. Die ihm oft gestellte Frage, mit wem von ihnen er am besten zusammengearbeitet hat, mag Gärtner nicht. "Ich habe mich mit allen vier Partnern sehr gut verstanden", betont er. Und mit Ausnahme des längst verstorbenen Strack habe er auch mit allen noch guten Kontakt.

Dass er vielfach mit Matula und nicht seinem richtigen Namen angesprochen wird, stört Gärtner wenig. "Für viele bin ich so authentisch, dass sie da gar nicht mehr unterscheiden." Alles, was Matula habe, stamme ja von ihm. Im Unterschied zu der Rollenfigur "habe ich auch keine Lust, mir wehzutun". Und das sei bei den Dreharbeiten auch real immer einmal wieder geschehen. "Aber es war nie so schlimm, dass ich nicht weiterspielen konnte", sagt Gärtner. "Und meinen Schnupfen nehme ich in der Drehpause. Die Ausfallversicherung reibt sich das Händchen."

Wegzug aus Hessen

Seine Wohnung in Wiesbaden gibt der Schauspieler auf. "Die Möbelpacker kommen bald", kündigt er an. Für den gebürtigen Berliner geht es in seine Heimatstadt, wo er ebenso wie in Basel auch die ganze Zeit eine Wohnung hatte. "Drei Wohnungen sind einfach zu viel, und in Wiesbaden habe ich ja nichts mehr zu tun." Aber "Frankfurt ist eine tolle Stadt", lobt er die Kommune, in der sämtliche Außenaufnahmen gedreht wurden, und wo in einem Hochhaus am Nibelungenplatz im Stadtteil Nordend auch das fiktive Rechtsanwaltsbüro mit tollem Ausblick angesiedelt war. "Aber wenn ich wieder in Berlin bin, muss ich bei Reisen ja doch wieder zum Frankfurter Flughafen", tröstet sich Gärtner.

Die Rolle des Matula hat ihm Spaß gemacht, selbst wenn - wie er sagt - alles harte Arbeit war. "Wenn man bei minus fünf Grad auf einer Mainbrücke dreht und es muss mehrmals von vorne beginnen, weil ein Auto hupt oder Flieger reinkommt, ist das nicht nur Spaß", erläutert er.

Aber Wehmut hat Gärtner schon beim Abschied von Matula. "Sie ist jetzt nicht mehr ganz so groß wie im September, als die letzte Klappe fiel". Schließlich sei damit ja auch das Team auseinandergegangen, mit dem er Jahrzehnte zusammengearbeitet hat. "Aber Mitte April kommen sie ja in Berlin alle wieder zusammen. Da gebe ich eine große Party zu meinem 70. Geburtstag", freut sich Gärtner. Er hat keinen Zweifel: "Alle werden kommen und mitfeiern."

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