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Schluss mit Baby-Pampern

18.02.2010 | 18:30 Uhr
Schluss mit Baby-Pampern

Essen.Immer nur das Baby seiner Mitbewohnerin pampern – das war „Tatort“-Star Ingo Naujoks zu wenig. Jetzt warf der 47-jährige Bochumer entnervt hin.

Die Zuschauer mögen den Ruhri, der seinen Akzent nicht versteckt. Was dem vielseitigen Mimen mit einer Vorliebe für schräge Typen am meisten Sympathie eintrug: Acht Jahre mimte der Wahl-Berliner mit den aschblonden Haaren den Mann an Maria Furtwänglers Seite. Er war Martin Felser, der Mitbewohner der Hannoveraner „Tatort“-Kommissarin Charlotte Lindholm. Mit ihr saß er gemeinsam am Tisch, das Bett teilte er nicht mit dem blonden Männertraum. So erfolgreich Martin Felser seine Krimis unters Volk brachte – bei den Frauen kam der Mann mit der korrekten Kleidung nicht recht an, perfekten Umgangsformen zum Trotz. Er wirkte stets ein bisschen linkisch. Und niemand spielt Unbeholfenheit so perfekt wie Ingo Naujoks.

Lange Zeit mochte er seine Rolle im „Tatort“, auch wenn ihm seine kurzen Auftritte in den Kult-Krimis alljährlich kaum mehr als fünf Drehtage bescherten: „Die ist total gegen meinen eigenen Strich gebürstet“, freute sich der Experte für Witz und Körperkomik über seinen Auftritt als Mann mit Manieren. „Außerdem mag ich es, dass in der Schwebe bleibt, was nun wirklich zwischen Martin und Charlotte ist oder werden könnte.“ Die Hoffnung trog. Das Schicksal oder doch zumindest die Drehbuch-Autoren verhindern ein Happy-End zwischen den ungleichen Filmpartnern. Sie bekam, als erste deutsche Fernsehkommissarin übrigens, ein Baby, er durfte es hüten – zuletzt in der Episode „Vergessene Erinnerung“ Ende Januar.

Niemand ahnte, dass es sein letzter Auftritt als erfolgreicher Loser an der Seite von Quoten-Queen Maria Furtwängler sein würde. Naujoks zur „Bild“-Zeitung: „Ich werde keine weitere Folge drehen. Es ging für den Charakter von Martin einfach nicht mehr weiter. Er ist stehen geblieben durch seine Aufgabe im ,Tatort‘, aber auch zum Stillstand verurteilt. Das ist das Schlimmste, was einer Rolle passieren kann.“

Er muss es wissen. Seit 1990 steht Naujoks vor der Kamera. Er passte zu Regisseur Detlev Buck wie die Pommes zur Currywurst: Die beiden vereint derselbe staubtrockene Humor. Naujoks Auftritt als Autodieb „Elle“ im Kino-Klassiker „Karniggels“ blieb in Erinnerung – mehr noch sein Engagement in „Bewegte Männer“. Die TV-Serie trug ihm 2004 den Deutschen Comedypreis ein – seinen bisher einzigen Medienpreis.

Dabei ist der Mann gut drauf, so gut drauf, dass er sogar für einen Werbespot gebucht wurde. Dort mimte er einen Alt-Hippie im Bauwagen – und seine Werbetochter wollte „Spießer“ werden. Dass Naujoks jemals vor einer Kamera stehen würde, hätte sich der Sohn eines Stahlarbeiters niemals träumen lassen. „Nach der Realschule wusste ich nicht einmal, dass es den Beruf überhaupt gibt“, erzählte Naujoks einmal im Gespräch mit unserer Zeitung. Nach der Schule wollte er zunächst zur Polizei, aber die Ordnungshüter wollten ihn nicht. Auch als Tierpräparator hatte er keine Chance.

Kunst und Kultur, Theater und Literatur – für Naujoks war es eine Liebe auf den zweiten Blick. Der Ruhri kam auf Umwegen zum Abitur. Doch beinahe wäre seine Bühnen- Karriere schon vor dem Start beendet gewesen: Eine Aufnahme-Prüfung zur Schauspielschule hatte Naujoks vergeigt. Doch mit stählernem Willen kam Naujoks über die freie Theaterszene doch noch zum Traumjob.

Für Naujoks bedeutet das Ende beim „Tatort“ der Start neuer Projekte. „Er macht jede Menge Hörbücher“, meinte seine Agentur am Donnerstag. Vor der Kamera steht er auch. Er spielt einen Blinden.

Kein Dankeswort

Apropos „Tatort“. Ganz zuschlagen mag Naujoks die Tür nicht: Die Traditionsreihe des Ersten nennt er „das Schlachtschiff des deutschen Krimis“ und deutet eine mögliche Rückkehr an. „Nur: Dann sollte es aber auch bitte schön eine richtige Rolle sein.“

Ob der verantwortliche NDR das genauso sieht, ist fraglich. Unterhaltungschef Thomas Schreiber bestätigte Naujoks Rückzug am Donnerstag schmalllippig. Ein Wort des Dankes fehlte.

Jürgen Overkott

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Kommentare
18.02.2010
21:25
Schluss mit Baby-Pampern
von Dietmar Brach | #1

Wirklich schade. Ein toller Schauspieler in einer sehr sympathischen Rolle. Der NDR ist schlecht beraten Naujok einfach gehen zu lassen. Wenn sich der NDR für die Leistung von Naujok nicht bedankt, die Zuschauer tun dies bestimmt. Was bei den WDR Tatorten Liefers ist, war Naujok im NDR.
Lindholm wird nicht nur einen neuen Babysitter benötigen, sondern auch einen Kollegen der aus den NDR Tatorten etwas besonderes macht.

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