Schlechte Chefs sind Kündigungsgrund Nummer 1
30.08.2009 | 15:52 Uhr 2009-08-30T15:52:00+0200
Bochum/Dortmund. Die deutschen Chefs kommen bei ihren Mitarbeitern durchweg schlecht weg: 56 Prozent von ihnen sind nach einer Online-Umfrage der Ruhr-Universität Bochum mit ihrem Vorgesetzten unzufrieden, er ist Kündigungsgrund Nummer 1.
Von dem Ausmaß der Unzufriedenheit waren die Macher der Umfrage selbst überrascht. „Das haben wir so extrem nicht erwartet”, sagt Patrick Schardien, Psychologe des Projektteams Testentwicklung um Dr. Rüdiger Hossiep, das die Antworten von bisher 3500 Teilnehmern auswertete.
Kann Ihr Vorgesetzter motivieren, verdirbt er Ihnen die Freude an der Arbeit? Unter der Leitfrage „Wie führt Ihr Chef?” können Mitarbeiter ihren aktuellen oder früheren Chef beurteilen. „Uns geht es nicht um Vorgesetzten-Bashing, also darum, den Chef nur schlecht zu machen. Und es sind nicht nur unzufriedene Mitarbeiter, die ihren Chef im Internet in den Schlamm ziehen wollen”, sagt Schardien. Die Daten sind anonym, es werden keine Namen abgefragt. „Wer seinem Ärger nur schnell Luft verschaffen will, bricht nach wenigen Fragen ab. Diese Antworten fließen nicht in die Auswertung ein.”
Schlechtest mögliche Bewertung
Die bisherigen Ergebnisse stellen deutschen Führungskräften - bis hinunter zur Abteilungsleiterebene - kein gutes Zeugnis aus. 23 Prozent gaben ihren Chefs auf einer Skala von 0 bis 9 sogar die schlechteste mögliche Bewertung. Zufrieden sind lediglich 20 Prozent. Die Bochumer Wissenschaftler fanden auch heraus, dass die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter stark vom Vorgesetzten abhängt. „Kurz gesagt: Bin ich mit meinem Chef zufrieden, bin ich auch mit meiner Arbeit zufrieden”, sagt Schardien.
Deshalb blickt in Dortmund Pitt Meyer gespannt auf das Ergebnis einer Befragung, die unter den 10 700 Mitarbeitern der dortigen Stadtverwaltung anlaufen wird. Der Unmut ist, u.a. durch Arbeitszeitverdichtung und mehreren internen Affären, hoch: Eine kokainabhängige Angestellte konnte sich lange Zeit ungeniert aus der Stadtkasse bedienen. Als zwei kleine Angestellte als Sündenböcke gefeuert werden sollten, protestierten die Kolleginnen und Kollegen massenhaft und lautstark gegen die Führungspolitik von Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer.
Detaillierte Umfrage in Dortmund
Gefragt wird etwa: „Wie zufrieden sind Sie mit den Bedingungen an Ihrem Arbeitsplatz?” und „Wie würden Sie Ihre unmittelbare Führungskraft beschreiben?” Der Personalratsvorsitzende hält die Dortmunder Umfrage für einzigartig. „Eine Befragung wie diese um die Befindlichkeit der Mitarbeiter hat es so detailliert noch nie gegeben”, sagt Pitt Meyer. Im Gegensatz zu jenen 3500 Teilnehmern an der Bochumer Online-Umfrage dürfen die Dortmunder Stadt-Beschäftigten auf eine Verbesserung des Arbeitsklimas hoffen. Am 30. August wird ein neuer Oberbürgermeister gewählt und Meyer glaubt daran, dass dieser die aufgezeigten Missstände beseitigen wird.
Die Bochumer Wissenschaftler umtreiben neben der Chef-Sache aber auch noch weitere populäre Fragen. Was ist Ihnen beim Auto wichtig? Über welche Marken spricht man? „Diesem ingenieursdominierten Bereich tut es gut, wenn er mal aus psychologischem Blickwinkel betrachtet wird”, sagt Schardien, „wir wollen Antwort auf die Frage geben: Was bindet mich an mein Auto?” Themen, die den Normalbürger bewegen und mithin auch die Bochumer Forscher.
Ihre Umfrage „Wie führt Ihr Chef?” wollen sie auf eine noch größere Basis stellen und weitere Mitarbeiterdaten im vierstelligen Bereich erheben. Auch die Selbsteinschätzung von Führungskräften ist gefragt.
Hier geht's zu Umfrage:
18:11
tja, leider ist mein Artikel wohl im Nirwana verschwunden. Freischaltung? Hinweis?
Ich versuche es nochmal:
Die Ergebnisse sind für Praktiker so überraschend nicht. Das soll aber nicht heißen, daß für alle Unzufriedenheit der Mitarbeiter immer die Chefs der Verursacher sind. Häufig werden auch Mißstände und Probleme auf den Vorgesetzten projiziert, ohne daß diese der Chef wirklich beeinflussen kann oder der Verursacher ist.
Trotzdem gibt es für die Vorgesetzten viele Stellhebel zur Optimierung der Führungsleistung. Das Portal www.Hallo-Chef.de bietet zu relativ geringen Kosten eine gute Möglichkeit, um ein Feedback der Mitarbeiter einzuholen. Vielleicht kann man dann statt nur Jammern tatsächlich das eine oder andere Ärgernis aus der Welt schaffen.
18:07
Die Ergebnisse sind für Praktiker so überraschend nicht. Das soll aber nicht heißen, daß für alle Unzufriedenheit der Mitarbeiter immer die Chefs der Verursacher sind. Häufig werden auch Mißstände und Probleme auf den Vorgesetzten projiziert, ohne daß diese der Chef wirklich beeinflussen kann oder der Verursacher ist.
Trotzdem gibt es für die Vorgesetzten viele Stellhebel zur Optimierung der Führungsleistung. Das Portal www.Hallo-Chef.de bietet zu relativ geringen Kosten eine gute Möglichkeit, um ein Feedback der Mitarbeiter einzuholen. Vielleicht kann man dann statt nur Jammern tatsächlich das eine oder andere Ärgernis aus der Welt schaffen.
15:50
Es gibt einfache und nachvollziehbare Gründe, warum es schlechte - natürlich gibt es auch gute (!)-
Chefs oder Vorgesetzte gibt.
Das Streben vieler normaler, einfacher Arbeitnehmer geht dahin, möglichst oft und weit befördert zu werden. Die Gründe liegen in sowohl im Streben nach mehr Geld, wie auch dem Wunsch nach mehr Macht und Einfluss begründet.
Diese Ambitionen machen zum Beispiel aus einem sehr guten Verkäufer einen möglicherweise hundsmiserablen Abteilungsleiter. Der besagte Arbeitnehmer hat mangels intakter Wahrnehmung nicht erkannt und eingestehen wollen, dass er seien eigentlichen Qualitäten eher auf der Verkaufs- und nicht auf der Führungsebene hat.
Durch die Promotion hat er dann die Stufe seiner Inkompetenz erreicht !!! Man nennt dieses Phänomen das Peter- Prinzip.
Es findet insbesondere in der Verwaltung und in der Politik seine Anwendung. Beispiele gibt es hinreichend.
Überdies gibt es natürlich genau so viele schlechte Untergebene, das ist wohl wahr :-)
runningvalentino
14:00
Natürlich sagen die Ergebnisse etwas über die Chefs aus, allerdings auch etwas über die Bewertenden selbst.
In Zeiten von Arbeitsverdichtung (um immer noch mehr Produktivität zu erzielen), sich verschärfendem Wettbewerb, sinkenden Preisen oder Kostensätzen usw. haben es Chefs und Mitarbeiter wirklich oft nicht leicht.
Allerdings gibt es auch das: 38,5-Stunden-Woche, unbefristeter Arbeitsvertrag, vielleicht noch eine kirchliche Zusatzversorgung, gute Raum- und Technikausstattung, 30 Urlaubstage im Jahr, sinnvolle Aufgaben usw. - und dennoch das Gefühl, es reicht immer noch nicht. Die Erwartungen der Mitarbeiter/innen sind oft sehr, sehr hoch.
13:42
wo kämen wir denn auch hin, wenn jetzt irgendeiner mal ein gutes Haar an seinem Chef lassen würde...es gehört doch zum guten Ton, über den Chef zu lästern. Schuld sind immer die da oben, die alle nur blöd und haben keine Ahnung, jeder kleine Mitarbeiter könnte das alles viel besser. Tja....15 €, Gewerbeschein holen, Leute einstellen und ab dafür, in Deutschland scheint es mehr qualifizierte Führungskräfte zu geben, als je geahnt.
13:26
Ich dreh mal den Spieß um, wenns erlaubt ist: Dass man kündigen kann, wenn man den Chef als schlecht empfindet, ist doch super. Chefs können sich diesen Luxus bei schlechten Mitarbeitern nämlich nicht leisten, siehe z. B. hier:
http://www.derwesten.de/nachrichten/wirtschaft-und-finanzen/ratgeber/2008/1/17/news-16978024/detail.html
Dass es so viele schlechte Vorgesetzte gibt, liegt übrigens daran, dass es mindestens genauso viele, in der Hierarchie noch höher angesiedelte Deppen gibt, die nicht in der Lage sind, fähige Leute in Führungspositionen zu setzen. Oft kann die Führungsqualifikation auch gar nicht vernünftig beurteilt werden, weil Beurteilungssysteme gänzlich fehlen. Selbst im öffentlichen Dienst werden in vielen Behörden nicht einmal mehr Beamte regelmäßig beurteilt, Beförderungen oder gar Berufungen in die Führungsebene werden frei der Nase nach vorgenommen.
Es gibt kaum einen Bereich, über den so viel geschwafelt wird wie Personalmanagement. Da werden hehre Personalentwicklungskonzepte verfasst, langwierige Bewerber-Auswahlverfahren entworfen usw. Und was ist, wenns drauf ankommt? Dann wurschteln sich alle durch wie gehabt und es wird aus dem Bauch heraus entschieden.
10:47
13 da ist nichts mehr hinzu zufügen.
Sehr guter Kommentar!
21:34
Nach den Kommentaren hier scheinen die meisten Chefs A....löcher zu sein.
Wie wäre es denn mit dieser Version:
Auch der gutmütigste Mensch wird durch seine Mitarbeiter irgendwann in den Zynismus getrieben.
Das kann ich durch etliche Beobachtungen bestätigen.
Aber, ich vergaß, die Mitarbeiter sind ja per se die Guten.
20:44
Die meisten schlechten Chefs gibts in der öffentlichen Verwaltung....
Nichts tun, Ruhe haben und abkassieren....
Führungsqualifikation gleich Null
12:32
Wer arbeitet macht Fehler!
Wer viel arbeitet, macht viele Fehler!
Wer keine Fehler macht wird befördert!