Schiffsunglück in China - Erst 14 Menschen gerettet

Bei einem Schiffsunglück auf dem Fluss Jangtse in China kamen wahrscheinlich mehr als 400 Menschen ums Leben. Die Suche nach den Vermissten gestaltet sich schwierig.
Bei einem Schiffsunglück auf dem Fluss Jangtse in China kamen wahrscheinlich mehr als 400 Menschen ums Leben. Die Suche nach den Vermissten gestaltet sich schwierig.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
In China schwindet die Hoffnung, nach der Schiffskatastrophe auf dem Jangtse noch Überlebende zu finden. Zum Unfallhergang häufen sich die Fragen.
  • Nach dem Schiffsunglück vom Mittwoch werden in China immer noch 400 Menschen vermisst
  • Die Retter haben kaum noch Hoffnung, Überlebende zu finden
  • Unklar ist, warum das Schiff trotz des schlechten Wetters weiter gefahren ist

Jianli.. Nach dem verheerenden Schiffsunglück auf dem Jangtse in China wurde am Mittwoch weiter nach mehr als 400 Vermissten gesucht. Es könnte Chinas "schlimmste Schiffskatastrophe in fast sieben Jahrzehnten" sein, wie Staatsmedien berichteten. Trotz einer massiven Bergungsaktion unter Leitung von Regierungschef Li Keqiang wurden bis Mittwochmorgen nur 14 Überlebende gefunden und erst 18 Leichen geborgen, wie das Staatsfernsehen berichtete.

Am zweiten Tag nach der Katastrophe nahmen die Chancen, noch Überlebende zu finden, weiter ab. Mehr als 4600 Helfer waren im Einsatz, darunter mehr als 200 Taucher. Ein Bergungsschiff mit einem Kran traf über Nacht am Unfallort bei Jianli in der Provinz Hubei ein. Ein weiteres wurde im Laufe des Tages erwartet. Beide sollen das Schiffswrack anheben, um die Bergungsarbeiten zu erleichtern.

100 Schiffe suchen auf dem Jangtse nach Opfern

Mehr als 100 Schiffe suchten im Jangtse-Strom nach Opfern. Premier Li Keqiang verneigte sich am Morgen in Trauer vor zwei mit weißen Tüchern zugedeckten Leichen auf einem Schiffsdeck. An Bord des Touristenschiffes, das am Montagabend in stürmischem Wetter sank, waren nach jüngsten offiziellen Angaben 456 Menschen, darunter 405 Touristen - meist ältere Leute. Außerdem waren fünf Reiseführer und 46 Besatzungsmitglieder auf dem "Stern des Orients" genannten Schiff.

Schiffs-Unglück Der Kapitän und Chefingenieur überlebten und sind in Gewahrsam der Polizei. Beide beschrieben einen Tornado, der das Schiff in Schieflage und in "ein bis zwei Minuten" zum Kentern gebracht habe. Das Wetteramt bestätigte, dass es zu der Zeit in dem Gebiet einen Tornado über 15 bis 20 Minuten gegeben habe. Gegen den Kapitän wurden bisher keine Vorwürfe erhoben, doch gibt es viele Fragen über den Unfall. Die Ermittlungen laufen.

Schlechtes Wetter in China erschwert Bergung

Unklar war, warum das Schiff trotz des schlechten Wetters weiter gefahren ist. So hatte ein anderes Schiff, das zu gleichen Zeit den Hafen verlassen hatte, angesichts des Sturmes seine Fahrt bei Chibi gestoppt, wie die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" berichtete. Auch hätten Satellitenaufnahmen gezeigt, dass das Unglücksschiff um 21.20 Uhr plötzlich eine scharfe Wendung gemacht habe, bevor es zehn Minuten später gesunken sei.

Um den Wasserpegel für die Bergungsarbeiten zu verringern, wurde der Abfluss des Drei-Schluchten-Dammes weiter flussaufwärts gedrosselt. Schlechtes Wetter und die komplizierte Baustruktur des Schiffes erschwerten die Bergung.

Zu den wenigen Überlebenden gehören eine 65 Jahre alte Frau und ein 21 Jahre alter Mann, die in Luftblasen überlebten und von Tauchern mit Hilfe von Atemgeräten aus dem Wasser gerettet werden konnten. (dpa)