Schettinos Fehler auf der Concordia

Grosseto..  Den Beginn des Plädoyers der Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Grosseto, Italien, verpasste Francesco Schettino. Wegen einer Autopanne, wie der Kapitän der „Costa Concordia“ später erklärte. Um eine Ausrede war der 54-Jährige noch nie verlegen – und auch die Anklage zeichnet drei Jahre nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffs in ihrem Plädoyer das Bild eines zum Übermut neigenden Mannes, der in der Unglücksnacht im Januar 2012 gleich eine Reihe verheerender Fehler machte.

„Die Umstände dieses Unglücks sind klar“, sagte Staatsanwalt Alessandro Leopizzi laut Nachrichtenagentur Ansa. Schuld an der Havarie sei „der menschliche Faktor“ gewesen, die „Costa Concordia“ sei kein unsicherer Kahn gewesen, sondern ein Juwel mit erstklassigen Geräten. Die Staatsanwaltschaft wird wohl eine langjährige Haftstrafe für Schettino fordern.

Zu viel spricht aus ihrer Sicht für die Mitschuld des Kapitäns am Tod von 32 Menschen: Schettino hat nach Ansicht der Anklage in der Unglücksnacht den Ernst der Lage lange nicht erkannt und sich nicht ausreichend verantwortlich gefühlt. Er aß demnach vor dem Aufprall in Ruhe mit seiner Geliebten, der Moldauerin Domnica Cemortan, zu Abend. Als er auf die Brücke zurückkehrte, habe er nicht auf die drohende Gefahr reagiert. „Er ermahnte seine Leute nicht, schlug nichts vor, gab keine Anweisungen. Das Handeln Schettinos war genauso unzureichend wie das der anderen“, erläuterte Staatsanwalt Leopizzi.

Gewaltige Fehler sollen zum Unglück geführt haben

Nach Ansicht der Anklage hat eine Reihe von Fehlern zu dem Unglück geführt. Schettinos Verhalten sei „unverzeihlich und unsäglich“ gewesen. Er habe das Schiff auf dem Radar nicht sehen können und die Orientierung verloren, dann sei er nach Gefühl weitergefahren und habe keine geeigneten Anweisungen gegeben. „Er hat einen gewaltigen Fehler an der Grenze zum Unglaublichen gemacht“, folgerte Leopizzi.

Anstatt nach der Havarie Alarm auszulösen und die Evakuierung einzuleiten, ließ Schettino wertvolle Zeit verstreichen. Schließlich brachte er sich selbst mit einem Rettungsboot in Sicherheit – während auf der „Costa Concordia“ noch immer viele der 4200 Menschen an Bord um ihr Leben kämpften. Schon allein dafür muss Schettino nach Ansicht vieler Experten lange ins Gefängnis.

Der Kapitän hält sichfür den Sündenbock

Der Kapitän hat im Laufe des Prozesses zwar eingeräumt, Fehler gemacht zu haben – sieht die Hauptschuld allerdings bei anderen und sich selbst als Sündenbock.

Die Anklage wirft Schettino vor, gelogen zu haben, indem er behauptet hatte, ihm habe keine geeignete Karte zur Verfügung gestanden und er habe nichts von Felsen vor der Insel Giglio gewusst.