Schaf gerissen – Der Wolf ist zurück in NRW

Faszinierend, furchteinflößend, schön: Der Wolf ist zurück in NRW.
Faszinierend, furchteinflößend, schön: Der Wolf ist zurück in NRW.
Foto: getty
Was wir bereits wissen
Ein blutiges Schaf, DNA und Fotos beweisen: Der Wolf streift durch Ostwestfalen. Er galt als ausgerottet. Wird es wieder Rudel in NRWs Wäldern geben?

Minden.. Das Oppenweher Moor ist ein Naturparadies. Die 700 Hektar große Fläche bietet vielen Tier- und Pflanzenarten Raum zum Leben. In dieser abgelegenen Gegend, wo Ostwestfalen an Niedersachsen grenzt, wurde der 63-jährige Horst Feldkötter am 28. Dezember zu ei­nem halbtoten Schaf gerufen. Feldkötter ist ehrenamtlicher, vom Land NRW eigens geschulter „Wolfsberater“ für Ostwestfalen. Er erkannte: Die Bisse waren ungewöhnlich. Nun haben Wildtiergenetiker des Senckenberg-Instituts die DNA-Spuren analysiert und herausgefunden: Sie stammen „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ von einem Wolf. Noch sind viele Fragen offen. Doch fest steht: Der Wolf ist zurück in NRW – rund 180 Jahre nach seiner Ausrottung.

Das Umweltministerium geht davon aus, dass das Tier aus Niedersachsen nach Westfalen eingewandert ist. „Es konnte noch nicht endgültig geklärt werden, ob es sich um eine dauerhafte Rückkehr oder um ein durchziehendes Tier handelt“, so Minister Johannes Remmel (Grüne). Am Freitag bemühte er sich, die besorgte Bevölkerung zu beruhigen. Spaziergänger bekämen den Neu-Westfalen wohl gar nicht zu Gesicht. „Wölfe sind entgegen der Märchenerzählungen nicht angriffslustig und meiden den Menschen.“

1835 soll der letzte Wolf erlegt worden sein

Wölfe sind auf dem Gebiet des heutigen NRW seit Generationen ausgestorben. 1835 soll im münsterländischen Ascheberg-Herbern das letzte Exemplar erlegt worden sein. Doch seit 15 Jahren werden immer wieder Raubtiere in Deutschland gesichtet. Das erste Rudel war im Jahr 2000 in der sächsischen Lausitz entdeckt worden. Seitdem sind Rudel und Einzeltiere immer weiter nach Westen gewandert – jetzt könnte auch Nordrhein-Westfalen zum Revier für Wölfe werden. Nach Einschätzung des Bundesamts für Naturschutz bieten auch der Teutoburger Wald und die Eifel günstige Lebensbedingungen. Die DNA-Spuren aus dem Oppenweher Moor sind nicht das einzige Indiz: Nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen ist ein Wolf gleich mehrmals in eine Foto-Falle getappt und abgelichtet worden.

Tierwelt Der Wolf darf nicht gejagt werden. Umweltschützer sind froh über die jüngsten Sichtungen. Sie seien „ein großer Erfolg für den Naturschutz“, sagt etwa der Chef des Naturschutzbundes BUND NRW, Holger Sticht. „Jetzt sind wir in der Pflicht, dem Wolf bestmögliche Bedingungen zu bieten.“

Die Wälder werden wilder

Die Wälder und Wiesen zwischen Rhein und Weser werden immer wilder. Im südlichen Teutoburger Wald, im Grenzgebiet zu Hessen und anderswo haben sich Luchse angesiedelt. Im Kreis Siegen-Wittgenstein wurde erst vor kurzem eine Wisentherde ausgewildert, auch Waschbären und Biber sind längst keine Seltenheit mehr.

Doch nicht alle sind so euphorisch wie die Naturschützer oder der grüne Umweltminister. Im benachbarten Niedersachsen vermehren sich die Wölfe prächtig. Nach Ansicht des Leibniz-Instituts erzeuge das bei Jungtieren Druck, sich ein neues Gebiet zu suchen – seit Jahren werden Streifzüge an der westfälischen Landesgrenze beobachtet. Das Land NRW bereitet sich bereits seit einigen Jahren auf die Besucher vor, bietet Schafzüchtern zum Beispiel Notfallsets mit Elektrozaun, Weidezaungerät und Fotofalle an. Denn schon ein erster Wolfsbesuch in NRW kostete ein Weidetier das Leben: 2009 war ein damals in Hessen lebender Wolf in den Kreis Höxter gekommen und hatte ein Schaf gerissen. Jetzt das tote Tier im Oppenweher Moor. Es wird nicht das letzte gewesen sein.