Schäfer aus Duisburg finanziert seine Herde mit Schaf-Aktien

Die Hütehunde warten schon auf ihren Einsatz, die Schafe fehlen noch. Der Duisburger Florian Preis bietet in seiner Ruhrschäferei „Schafaktien" an. 100 Euro kostet ein Anteil.
Die Hütehunde warten schon auf ihren Einsatz, die Schafe fehlen noch. Der Duisburger Florian Preis bietet in seiner Ruhrschäferei „Schafaktien" an. 100 Euro kostet ein Anteil.
Foto: Ilja Höpping/WAZFotoPool
Florian Preis lebt seinen Traum: Der Mann aus Duisburg arbeitet jetzt als Schäfer. Um seine Herde aufzubauen, hat er eine Schaf-Aktie erfunden. Innerhalb von drei Tagen hat er 30 Wertpapiere verkauft. Die Aktionäre bekommen statt Dividende das Beste vom Schaf: Rippe, Nacken, Schulter und Keule.

Duisburg.. Er ist ein Kind des indus­triell geprägten Duisburger Nordens, seine Eltern sind Sozialpädagogen. Aus Liebe zum Ruhrgebiet und zur Natur wagt der 32-jährige Florian Preis gerade ein ungewöhnliches Projekt. Er gibt Schafaktien heraus, um eine eigene Herde aufbauen zu können und mit den Tieren über die Wiesen der Region zu ziehen. Mit erstaunlichem Erfolg: Innerhalb von drei Tagen hat der Ruhrschäfer 30 Wertpapiere verkauft.

Angefangen hat alles vor mehr als zehn Jahren mit einem Schafpudel. Das ist ein Hund, der herzlich wenig mit einem Pudel zu tun hat, umso mehr allerdings mit Schafen. Und weil Florian Preis sich vor Jahren einen solchen altdeutschen Hütehund zulegte, kam er zum Schafehüten.

Er arbeitete als Alltagsbegleiter für Demenzkranke

„Ich fand’s sofort spannend, mit Schafen und Hunden zu arbeiten, draußen, in der Natur zu sein. Seitdem hatte ich die Idee, mich als Schäfer selbstständig zu machen“, erklärt Florian Preis, der zuletzt als Alltagsbegleiter für Demenzkranke arbeitete.

Das lange Haar zum Zopf gebunden, das Bandalier, an dem er die Hundeleinen befestigt, schräg über den Oberkörper gelegt, sieht er allerdings aus, als habe er ein Leben lang nichts anderes gemacht, als Schafe zu hüten. Und nun wird er diesen Traum bald wahr machen. Mit den Aktien, die er als Darlehen seiner Unterstützer betrachtet, wird er Ende des Jahres mit einer 75 Tiere starken Herde beginnen. Das Kapital für so viele Tiere hat er inzwischen zusammen, die nötigen Wiesen gepachtet, nun geht es nur noch darum, einen Stall zu bauen.

Gemischtes Paket mit Rippe, Nacken, Schulter und Keule

„Sich als Schäfer selbstständig zu machen, erfordert enorm hohe Investitionskosten. Banken geben für so etwas keine Kredite. Da sind mein Bruder und ich auf die Idee gekommen, Aktien herauszugeben“, sagt Preis. Und der Deal funktioniert so: 100 Euro kostet eine Aktie, für die Florian Preis ein Mutterschaf kauft. Der Aktionär erhält dafür im Lauf von 18 Monaten dieses Darlehen in Naturalien zurückgezahlt, mit Fleisch im Wert von 130 Euro. „Das wird ein gemischtes Paket sein aus Rippe, Nacken, Schulter und Keule“, sagt der Ruhrschäfer.

Wem das nicht behagt, dem bietet Preis noch eine fleischlose Alternative, eine Schafpatenschaft für Muttertiere an. „Dafür gibt es eine Urkunde, die Paten werden regelmäßig per Twitter und Facebook über ihre Tiere informiert und können sie jederzeit besuchen“, so Preis. Für diese Variante hatten sich bis gestern 26 Menschen entschieden, vor allem Eltern, die ihren kleinen Kindern eine Freude bereiten möchten. So wie auch er selbst seinem dreijährigen Sohn Joshua ein Muttertier schenken wird.

Die Herde auf bis zu 450 Tiere vergrößern

„Börsengang“ geglückt! Florian Preis ist selbst überrascht, wie gut sein Projekt ankommt. Nach und nach will er die Herde auf bis zu 450 Tiere vergrößern, damit er mit ihnen seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Ein eigener Bauernhof, das wäre es! Irgendwann vielleicht. Wenn alles gut laufen sollte. Bis dahin stehen ihm allerdings viele harte Jahre bevor.

Denn die Schäferei ist nichts für Freunde eines klimatisierten Büroalltages. Schafehüten ist ein harter Job. „Man muss immer bei den Tieren sein. Silvester. Weihnachten. Bei minus zehn Grad im Winter“, sagt der Duisburger. Doch genau das will er. Draußen arbeiten, in der Natur, alleine sein und die Ruhe genießen dürfen. Die Herde, sagt er, gebe einem viel zurück. Woher sie kommt, diese Leidenschaft, weiß er allerdings auch nicht so genau: „Väterlicherseits soll es schon mal einen Schäfer in der Familie gegeben haben!“

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