Salmonellen-Gefahr für Kleinkinder durch illegale Reptilien

Die Ansteckungsgefahren bei Wildtieren wachsen offenbar auch wegen wachsender illegaler Importe.
Die Ansteckungsgefahren bei Wildtieren wachsen offenbar auch wegen wachsender illegaler Importe.
Foto: Roy Glisson / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Salmonellenerkrankungen bei Babys und Kleinkindern sind immer häufiger auf Reptilien zurückzuführen. Die Gefahr durch die Übertragung von Krankheitserregern von Reptilien auf den Menschen werde meist unterschätzt, so das Bundesumweltministerium. Die Regierung will nun „die Einfuhr aus der Natur entnommener Tiere aus Artenschutzgründen pauschal beschränken".

Essen.. Reptilien übertragen in zunehmendem Maß Salmonellenerkrankungen auf Säuglinge und Kleinkinder. Davor warnt die Bundesregierung. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist derzeit beauftragt, Informationen dazu zusammenzustellen und es über Gesundheitsdienste, Ärzte und öffentliche Betreuungsstellen der Bevölkerung zugänglich zu machen. Zu den Reptilien gehören unter anderem Schlangen, Echsen und Schildkröten.

„Dass Reptilien ein Salmonellenreservoir darstellen und eine Übertragung von Krankheitserregern von Reptilien auf den Menschen erfolgen kann, wird in der Öffentlichkeit häufig unterschätzt“, stellt das Umweltministerium in einer Antwort auf eine Bundestagsanfrage der SPD fest. Zwar werde der überwiegende Anteil der Salmonellenerkrankungen durch Lebensmittel ausgelöst. Bei Säuglingen und Kleinkindern sei der Anteil der Infektionen, die über einen Kontakt zu den Tieren entstehen, inzwischen aber „überwiegend“.

Gesellschaft Gefahr durch Zuwachs bei illegalen Importen

Die Ansteckungsgefahren bei Wildtieren wachsen offenbar auch wegen wachsender illegaler Importe oder vermeintlicher „Nachzuchten“, die keine sind. Nach Angaben der SPD-Bundestagsfraktion nimmt der unkontrollierte und teils illegale Import von Reptilien, Vögeln und Fischen aus außereuropäischen Ländern zu, in denen der Artenschutz kaum beachtet werde.

Zwischen 440 000 und 850 000 lebende Reptilien kämen pro Jahr nach Deutschland. So sei hier der türkise Berggekko aus Tansania aufgetaucht und der Banggai-Kardinalbarsch aus Indonesien. Beide Tierarten ständen auf der roten Liste der stark gefährdeten Arten. Der Vorwurf der Sozialdemokraten: „Weder der Kauf noch die Haltung von Wildtieren sind in Deutschland, mit Ausnahme geschützter Tierarten geregelt“. Nur in sieben der 16 Bundesländer gebe es heute Regelungen beispielsweise zur Haltung gefährlicher Wildtiere in Privathand.

Zoll entdeckte 150 illegale Tiere aus Indonesien

Die Regierung hält die bestehenden Gesetze für ausreichend und plant nicht, „die Einfuhr aus der Natur entnommener Tiere aus Artenschutzgründen pauschal zu beschränken“. Sie räumt aber ein, dass „im Handel mit geschützten Arten Falschdeklarierungen genutzt werden, um illegal der Natur entnommene Tiere zu legalisieren“. So fiel dem Zoll 2011 eine Sendung aus Indonesien mit 150 Tieren – meist verschiedenen Pythonarten – in die Hand. „Seit rund 20 Jahren werden in Deutschland immer öfter entwichene und ausgebrachte, nicht natürlich vorkommende Wildtiere gemeldet“.