Ruhrgebiet in Sachen Armut das "Problemgebiet Nummer Eins"
21.12.2011 | 15:47 Uhr 2011-12-21T15:47:08+0100
Berlin. Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland läuft an den Armen vorbei. Gut 14 Prozent sind armutsgefährdet, heißt es im Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Im Ruhrgebiet sind es mehr als 20 Prozent.
Die Armen bleiben beim wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland außen vor. Seit Jahren ist der Anteil der armutsgefährdeten Menschen unverändert, wie der Armutsbericht 2011 des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zeigt. Die Quote von gut 14 Prozent habe sich unabhängig vom Wirtschaftswachstum "festgefressen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Ulrich Schneider, am Mittwoch in Berlin. Er gab der Bundesregierung eine Mitschuld an den Verhältnissen.
Besonders schlimm steht es nach Schneiders Darstellung um das Ruhrgebiet. Der Ballungsraum sei in Sachen Armut das "Problemgebiet Nummer Eins". In Städten wie Dortmund und Duisburg sei die Armutsquote in den zurückliegenden Jahren immer weiter gestiegen auf deutlich mehr als 20 Prozent. Schneider warnte vor möglichen sozialen Unruhen, falls der "Perspektivlosigkeit" der Menschen nicht entgegengewirkt werde.
Positive Entwicklung in Brandenburg und Thüringen
2010 waren 14,5 Prozent der Bürger armutsgefährdet . Sie lebten also in Haushalten, die weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommen zur Verfügung hatten. Für einen Single-Haushalt lag die Grenze bei 826 Euro, für eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 1.735 Euro nach Abzug von Steuern und Abgaben. Seit der ersten statistischen Erhebung des Verbandes für das Jahr 2005 lag die Quote der Betroffenen stets zwischen 14 und 14,7 Prozent, während das Wirtschaftswachstum stark schwankte.
Neben Nordrhein-Westfalen ist der Trend laut Bericht auch in Berlin negativ - die Armut nimmt zu. Dagegen erkennt der Wohlfahrtsverband in Hamburg, Brandenburg und Thüringen eine positive Entwicklung. Fast unverändert ist die Lage in den Ländern mit den höchsten Armutsquoten : Mecklenburg-Vorpommern (22,4 Prozent), Bremen (21,1) und Sachsen-Anhalt (19,8). Deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegen die Quoten in Bayern (10,8), Baden-Württemberg (11) und Hessen (12,1).
Langzeitarbeitslose müssen besser betreut werden
Schneider attackierte bei der Vorstellung der Zahlen die Bundesregierung. Die Daten belegten, dass "Aufschwünge seit Jahren nicht bei den Menschen ankommen". Armut sei "immer auch politisch beeinflusst", erklärte Schneider. Er kritisierte insbesondere die "familienpolitische Umverteilung von unten nach oben" und eine Verschlechterung der Perspektive für Langzeitarbeitslose. Jedes Jahr seien zusätzlich 20 Milliarden Euro notwendig, um die Armut wirksam zu bekämpfen, sagte er. Um den Betrag "kommen wir nicht herum".
Unter anderem müssten die Hartz-IV-Regelsätze an die gestiegenen Lebenshaltungskosten angepasst und Langzeitarbeitslose besser betreut werden. Zur Finanzierung müssten die "sehr Vermögenden" herangezogen werden - "ansonsten wird es keine wirksame Armutsbekämpfung geben", sagte Schneider. Auch der Präsident des Bundesverbands der Volkssolidarität, Gunnar Winkler, erklärte, hohe Einkommen, Vermögen und große Erbschaften müssten stärker zur Finanzierung des Gemeinwohls herangezogen werden.
Schwarz-gelbe "Un-Sozialpolitik"
Die Linksfraktion im Bundestag interpretierte die Armutsdaten als Beleg für eine schwarz-gelbe "Un-Sozialpolitik". Als Beispiele für Fehler der Regierung nannte die Abgeordnete Diana Golze den "Verzicht auf einen anständigen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn", unzureichende Regelsätze bei Hartz IV und den "Kahlschlag bei der Arbeitsförderung". (dapd)
20:58
Wir müssen insbesondere gut bezahlte Arbeit und Bildung fördern. Leider bekommen wir nur Lagerflächen, die die Landschaft verschanden und kaum zu gut bezahlten Jobs führen.
Der Zuzug aus Osteuropa hilft auch nicht, die soziale Lage zu verbessern. Aber wenn man selber nichts hat, fühlt mich sich unter Habenichtsen wohl. Deshalb scheint das Revier für die Zuzügler attraktiv zu sein. Ich würde eher in Boom-Regionen auswandern. Auch diese Zuzüge wirken auf die Statistiken.
Wir müssen die vorhandenen Mittel besser einsetzen.
Es kann nicht sein, dass hier immer noch Geld nach der Windrichtung (Osten) verteilt wird. Ebenso ist die Verschwendung von Steuern nicht zu akzeptieren (siehe Duisburg, Dortmund, Diätenerhöhung).
Statt immer nur in Betreuung (Sozialarbeiter) zu investieren brauchen wir Bildung und Ausbildung, um zukünftig für gut bezahlte Jobs attraktiv zu sein.
Im Endeffekt kann der Staat nur den Rahmen schaffen. Für den persönlichen Erfolg ist jeder selbst verantwortlich.
19:25
Wie ich schon zuvor anmerkte, ist die wachsende Armut inakzeptabel und die per Gesetz verordnete Armut per Hartz IV zu großen Teilen ebenfalls.
Dennoch finde ich es sehr bedenklich, wenn sich mentale Milieus ausweiten, die von Menschen bestimmt werden, die andere die arbeiten gehen für bekloppt halten oder reges Unverständnis zeigen, wenn man auch mal abends oder am Wochenende arbeiten muss. Ich rede jetzt von Menschen, für die es völlig normal ist von Stütze zu leben und die damit offenbar keine echten Probleme haben, sondern mehr Probleme, sich anzustrengen, um dem zu entkommen.
Ich betone, dass diese Milieus Minderheiten sind, sie breiten sich allerdings in einer Stadt wie Gelsenkirchen immer weiter aus.
Meiner Meinung sollte der Staat für diejenigen, die einigermaßen arbeitsfähig und gesund sind und v.a. die die noch nie gearbeitet haben, weil kein Bock, eine Gegenleistung einfordern. Dies kann auch im sozialen oder ehrenamtlichen Bereich sein.
Oder aber meinetwegen: das bedingungslose Grundeinkommen für alle! So wie bisher kann es nicht weitergehen...
Reiche dürfen ruhig mehr abgeben müssen...
19:06
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19:05
sollten wir besser nicht zum Maßstab machen was wir den Menschen hier zumuten. Was wir brauchen sind Köpfe die wirtschaftlichen Erfolg nicht nach Unternehmensgewinnen definieren, sondern danach wie gut der gemeinsam erarbeitete Erfolg verteilt wird.
19:03
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18:46
aber Sie haben noch nie Grundsicherung im Alter beantragt. Das entspricht einer Durchleuchtung durch das BKA und ist so demütigend wie der Gang nach Canossa. Und das nach einem arbeitsreichen Leben! Zudem wurden die Konfirmationsgeschenke Ihrer Kinder noch nie auf Ihr Einkommen angerechnet. Ohne Zweifel, die Armut in anderen Ländern hat eine andere Qualität, aber Ihr Versuch der Definition geht ein bisschen daneben.
@ eagle
Ich betreue einen nahen Verwandten und kenne das Verfahren der Grundsicherung im Alter. Das Formular ist eine Seite lang und in ca, 30 Minuten ausgefüllt! Sicher, man kann keine großen Sprünge damit machen.. in dem mir bekannten Fall gibt es leider selbstverschuldete Gründe dafür, daß diese Situation eingetreten ist!
18:27
Man sollte mal die Kirche im Dorf lassen! Die hier beschriebene Armut hat mit dem weltweit gültigen Armutsbegriff nicht viel gemein! In diesem Land erhält jeder per Gesetz ne warme Hütte, die finanziellen Mittel sich angemessen zu ernähren und eine ausreichende Gesundheitsversorgung! Wenn Armut bedeutet, daß ich aus welchen Gründen auch immer nicht in der Lage bin meinem Kind die neueste WII Konsole zu kaufen oder an dem sonstigen Konsumwahn teinzunehmen sollten wir unsere Armut in alle Welt exportieren. Würde definitiv ein Verkaufsschlager! Ich habe Freunde in Mexiko und Brasilien und kann daher ein wenig einschätzen was wirkliche Armut bedeutet!!
18:23
Ist doch klar, wenn sich unsere Politiker nur um die eigene Diätenerhöhung kümmert und um das Nichtraucherschutzgesetz und die wichtigen Themen vernachlässigt.
18:17
Immer diese dümmlichen Stammtischparolen über die ach so unsoziale Bundesrepublik. Dieser linksgrüne Populismus wird nicht wahrer, wenn die Litanai zum 1000sten Mal indoktriniert wird.
18:14
"Armut auf hohem Niveau", "Wer arbeiten will, findet auch welche", "Hartz IV-Bezieher jammern auf hohem Niveau.
Aus solchen dümmlichen Stammtischparolen höre ich das Pfeifen im Walde heraus. Es sind gerade diejenigen, die selbst unter Druck stehen und kein besonders hohes Einkommen aufweisen, die so einen Mist von sich geben.
Nur nutzt es wenig, mit solchen Parolen auf die noch Ärmeren einzudreschen, um sich damit krampfhaft von ihnen distanzieren zu wollen. Man findet sich schneller in Hartz IV und damit ganz unten wieder, als man es selbst wahrhaben will. Und genau das ist das Perfide an den Hartz-Gesetzen. Sie erzeugen auch in der arbeitenden Bevölkerung eine Drohkulisse und spielen die, die am unteren Ende der Einkommensskala in Lohn und Brot stehen, gegen die arbeitslosen Habenichtse aus.
Wie man hier bei einigen Kommentatoren lesen kann, geht diese üble Absicht von Schröder, Steinbrück, Steinmeier und all die anderen Wegbereiter dieser unsäglichen Gesetzte voll auf.
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Ich würde sagen, so kann nur einer reden der keine Ahnung hat. ich bin 35 Jahre habe die höhere Handelsschuhle besucht, bin Bürokaufmann und habe eine zusätzliche Ausbildung als SAP- Berater und bin schon 5 Jahre arbeits los. Also quatschen Sie nicht so einen Blödsinn "Hartz IV -Bezieher jammern auf einem hohen Niveau.