Rossbraten, Fohlenschnitzel - das steckt im Pferdefleisch
19.02.2013 | 19:15 Uhr 2013-02-19T19:15:00+0100
Recklinghausen/Essen. Rossbraten oder Pferdeklöpse: Wenige Metzger haben sich auf diese umstrittenen Delikatessen spezialisiert. Zum Schlachter kommen vor allem alte Gäule. Der Skandal um falsch deklariertes Fleisch hat die bislang wenig beachtete Branche in den Blickpunkt gerückt.
Der Duft von Sauerbraten liegt in der Luft. Es ist Mittagszeit in der Gaststätte der Familie Hobbold in Recklinghausen. Die Tische sind gut besetzt. Die Gäste haben es auf die Spezialitäten abgesehen, die auf der Speisekarte stehen: Rossbraten, Fohlenschnitzel, hausgemachte Pferdeklöpse mit Soße und Sauerbraten vom Pferd – ein Familienrezept.
Bert Hobbold (43) ist einer der wenigen Pferdemetzger in Deutschland. Er führt den 1906 gegründeten Familienbetrieb bereits in der vierten Generation. Hobbold hat wenig Verständnis dafür, dass das Pferdefleisch nun derart in Verruf gerät: „Der Skandal ist die falsche Etikettierung“, sagt er. „Fleisch vom Pferd ist in der Regel qualitativ hochwertig.“ Fett- und cholesterinärmer als Schweine- oder Rinderfleisch sei es auch.
100 Metzger in ganz Deutschland
Der Skandal um falsch deklariertes Fleisch hat eine bislang wenig beachtete Branche in den Blickpunkt gerückt. Die Zunft der Rossschlachter ist klein. In ganz Deutschland bieten lediglich rund 100 Metzger Pferdefleisch an, nur jeder zweite schlachtet selbst. Die Zahl der Betriebe sinkt von Jahr zu Jahr. In NRW wurden im vergangenen Jahr gerade einmal knapp 3000 Pferde geschlachtet. Bundesweit waren es 11 348 Rösser. Zum Vergleich: Im selben Jahr wurden 3,6 Millionen Rinder und 58,2 Millionen Schweine zerlegt.
Pferdefleisch – das ist in der millionenschweren Schlachtbranche ein Nischenprodukt. Nach wie vor haftet dem Pferdefleisch in Deutschland ein Stigma an. Der Ekelfaktor ist bei vielen Menschen hoch. Entsprechend klein ist die Nachfrage: Statistisch betrachtet lag der Pferdefleisch-Konsum pro Kopf und Jahr in Deutschland zuletzt bei 25 Gramm. Das hat seine Gründe. „Es gibt in Deutschland keine Massentierhaltung von Pferden, die dem Fleischgewinn dient“, sagt Hobbold. Industrielle Strukturen wie in anderen landwirtschaftlichen Produktionsketten sucht man vergebens.
Gezielt für die Lebensmittelindustrie werden Pferde in Deutschland nicht gezüchtet. Zum Schlachter kommen vor allem alte, ausgemusterte Gäule oder Fohlen mit einem angeborenen Gebrechen. Mit dem Alter eines Tieres werde das Fleisch nicht schlechter, sondern besser, so die Branche.
Ob ein Pferd am Ende seines Lebens geschlachtet wird, ist Sache des Besitzers. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung rät ihren Mitgliedern dazu, dass sie ihre Pferde zunächst als „Schlachttiere eintragen“ lassen. Das wird in einem Pass festgehalten. Dort ist auch vermerkt, welche Medikamente das Tier bekommen hat. So soll auch geklärt werden, ob schädliche Stoffe für den Menschen darunter sind.
Pferdefleisch hat seinen Preis
Die Preise, die Metzger Hobbold für Pferde zahlt, liegen zwischen 30 und 80 Cent pro Kilogramm Lebendgewicht. Bei einem 600 Kilogramm schweren Tier beliefe sich die Summe beim Höchstpreis auf 480 Euro. Für einen großen Warmblüter können aber auch Preise bis zu 1000 Euro erzielt werden. Regelmäßige Marktnotierungen wie für Schweine- oder Rindfleisch gibt es nicht. Fohlen kauft Hobbold nur, wenn sich diese nicht richtig bewegen können oder unter Wachstumsstörungen leiden. Sie wären weder für die Zucht noch für den Verkauf geeignet – also bietet sich der Weg zum Schlachter an.
Pferdefleisch in der Lasagne, in Bolognese und im Döner: Immer mehr Fertigprodukte müssen aus dem Handel genommen werden. Wer sich beim Einkauf unsicher ist, kann auf eine Gratis-App zurückgreifen. Mit Daten von der Verbraucherzentrale warnt sie vor Pferdefleisch in Fertigprodukten.
Er kenne die Ställe und Höfe, die seine Metzgerei beliefern, schon lange, sagt Hobbold. Ausgemusterte Sport- und Freizeitpferde, die ihren Dienst getan haben, werden zu Wurst und Gulasch verarbeitet.
Die Kundschaft von Hobbold jedenfalls scheint keine Vorbehalte gegen Pferdefleisch zu haben. Und nebenbei bemerkt: Der Sauerbraten von Familie Hobbold riecht nicht anders als das Traditionsgericht vom Rind.

13:11
Früher habe ich mein Fleisch auch im Supermarkt gekauft, dann hatte ich mal Gammelfleisch dabei.
Seid dem, kaufe ich mein Fleisch nur noch bei dem Bauern, meines Vertrauens!
Auch das Fleisch beim Bauern, ist nicht teurer...nur der Weg ist länger.Um die Spritkosten im Rahmen zu halten, kaufe ich immer für den ganzen Monat ein und verbinde die Fahrt mit anderen Besorgungen in der Nachbarschaft.
Eigentlich esse ich so gut wie alles, eben nur kein Pferd und ich möchte gerne wissen, was so in meinem Essen so alles drin ist. ;-))
13:02
rapo, Meiner Meinung nach muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden ob er Hund, Pferd oder Katze isst. Wenn ich beim Metzger Rindfleisch kaufe, möchte ich kein Hund oder Pferd essen. Und wenn ich Pferdefleisch kaufe möchte ich auch kein Kamel oder Kängurufleisch.
12:36
www.schnitzel-ist-out.de | #2, sind denn Lebensmittel von "Eismann", "Alete", und vom Spitzenkoch Schuhbeck, in denen Pferdefleisch gefunden wurde, billig?
Und beim Gammelfleischskandal ging es nicht nur um "Billig". Gammelfleisch kostetet 50 Cent das Kg. Da Wildfleisch eine höhere Gewinnspanne hat , hat man mehr Reh-, Wildschweingammelfleisch usw. für teures Geld verkauft.
Mit billig hat das nichts zu tun. Wenn ich einen neuen billigen PKW für Zb. 6000,00 € kaufe muss dieser auch den deutschen Sicherheitsvorschriften entsprechen. Und wenn der Hersteller behauptet das der Wagen 65 KW und 4 Türen hat, darf der Wagen auch nicht 2 Türen und 44 KW haben, nur weil er billig ist.
12:22
"Zum Schlachter kommen vor allem alte Gäule".
Ein Kilogramm Pferdefleisch kostet auf dem Rossmarkt in Hamm zwischen 40 und 80 Cent. In Rumänien 8 Cent.
20:49
das macht boulevard versus kapitalismus
10:48
"Und nebenbei bemerkt: Der Sauerbraten von Familie Hobbold riecht nicht anders als das Traditionsgericht vom Rind."
Quatsch mit Sauce! Keine Ahnung, Herr Huth ?!
Rheinischer Sauerbraten IST klassisch Pferdefleisch und genau als solches Traditionsgericht, schmeckt feiner als aus Rind, ist aber auch teurer.
Am kuriosesten finde ich die verbreitete schizophrene Haltung zu Tieren, die einerseits die "Lieblinge" wie Hundilein, Kätzchen und Pferdchen vermenschlicht, also auch nicht tiergerecht ist und andererseits die Augen völlig vor den erbärmlichen, unwürdigen Bedingungen der Massenhaltung von Schlachttieren verschließt, Hauptsache, es bleibt billig. Bei dem "leckeren" roten Zreug im Styropack aus dem Supermarkt zählt eben nur der Preis, gerade in Deutschland, da ist nichts mehr mit Achtung vor dem Lebewesen! Welch eine verlogene, armselige und bigotte Haltung!
Jeder Fleischesser sollte mal einen Massenaufzuchtbetrieb und einen Schlachthof besucht haben, nur dann darf er Fleisch essen!
10:24
Der Verbraucher bekommt das, was er zu Kaufen bereit ist, er will es billig, dann darf er nicht so genau hinschauen.
09:04
"Zum Schlachter kommen vor allem alte Gäule."
Achtung vor Lebewesen? Fehlanzeige. Nachdem sie dem Menschen ein Leben lang gedient und oft ein jämmerliches Leben geführt haben, gehen sie dann in die Hölle des Schlachthofs.
So sieht wahre Tierliebe aus....
"Wenn Schlachthäuser Wände aus Glas hätten wäre jeder Vegetarier" -
Paul McCartney