Ronaldo holt Tsunami-Kind

Jakarta..  Nur mit einem schmuddeligen Portugal-Trikot am Leib hat der kleine Indonesier den Tsunami vor zehn Jahren überlebt. Tagelang war der Siebenjährige herumgeirrt, ehe Retter ihn am Strand fanden. Dass die Bilder des Jungen in dem Trikot damals als wundersame Rettung um die Welt gingen, hat seinen Lebensweg bestimmt: Portugals Su­perstar Cristiano Ronaldo wurde auf Martunis aufmerksam. Jetzt hat eine der renommiertesten Fußballschulen, die Jugendakademie von Ronaldos Ex-Verein Sporting Lissabon, den heute 17-Jährigen aufgenommen.

„Ein Kindheitstraum wird wahr, danke für diese Chance“, zitierte der Verband seiner Heimatprovinz Aceh den schüchternen Jungen. Er trägt wie viele Indonesier nur einen Namen.

Martunis’ Geschichte begann vor gut zehn Jahren an einem Strand in Aceh, nach einer der verheerendsten Naturkatastrophen der Neuzeit. 230 000 Menschen waren bei dem Tsunami Weihnachten 2004 rund um den Indischen Ozean umgekommen. Aceh war besonders hart betroffen.

Martunis’ Mutter flüchtete mit ihren drei Kindern vor den Killerwellen auf einem Laster. Das Auto wurde aber fortgespült, wie Überlebende berichteten. Martunis driftete nach eigenen Angaben auf ei­nem Stück Holz und dann auf ei­ner Matratze im Wasser, ehe er an den Strand gespült wurde. Eine britische Filmcrew filmte ihn dort. Ein Hilfswerk fand später seinen Vater. Die Mutter und die beiden Brüder waren in den Wellen umgekommen.

Auch Ronaldo sah die Bilder des Jungen im Portugal-Trikot. „Das ist einfach unglaublich und gibt uns Stärke, die uns auch über die schwierigsten Augenblicke helfen kann“, sagte er damals. Er lud den Jungen nach Portugal ein und hielt Kontakt. Martunis hatte nur eins im Kopf: Fußball, wie der Reporter, der ihn fand, drei Jahre später berichtete: „Ich mag keinen anderen Sport. Ich will Fußballspieler werden, wenn ich groß bin“, sagte der Zehnjährige.

Er schaffte es beim Erstligisten PSAP Sigli in die Jugendliga seiner Heimat. Ins Nationalteam der U-17 kam er aber nicht, wie er in einem Zeitungsinterview berichtete. „Sie hielten mich körperlich für zu schwach, ich werde zu schnell müde.“ Die Portugiesen wollen den Jungen nun weiter aufpäppeln. „Er wird mit #SportingCP arbeiten und wachsen“, twitterte der Verein.

Die Indonesier feiern den Jungen schon jetzt als Helden: „Martunis macht Schockwellen“, frohlockte die Fußballwebseite soccer.co.id. In sozialen Netzwerken wurde die Geschichte tausendfach geteilt. Das muslimische Indonesien mit 250 Millionen Einwohnern wächst zwar rasant, doch ist die Armut, vor allem in Randprovinzen wie Aceh, noch weit verbreitet. Martunis’ Vater lebt von ein paar Fischteichen.

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