Rock statt Rente - Ex-Beatle Ringo Starr wird 75

Ringo Starr 1966 bei einem Konzert in Essen - noch ohne Fu-Manchu-Bart, den er in den späten 60ern oft trägt, dafür aber mit seinem legendären Ludwig-Schlagzeug.
Ringo Starr 1966 bei einem Konzert in Essen - noch ohne Fu-Manchu-Bart, den er in den späten 60ern oft trägt, dafür aber mit seinem legendären Ludwig-Schlagzeug.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Ex-Beatle Ringo Starr feiert seinen 75. Geburtstag. Der Schlagzeuger liebt die Bühne immer noch und tourt mit seiner All Starr Band durch Amerika.

Essen.. Diesen Song haben die Beatles vergessen zu komponieren: „When I’m 75“ (Wenn ich 75 bin). Er hätte gut zu Ringo Starr, dem Drummer der Kultband, gepasst, der am Dienstag seinen 75. Geburtstag feiert. Stattdessen erschien in den 60er-Jahren das fröhlich-leichte „When I’m 64“, das längst zum Standard-Repertoire bunter Schunkel-Nachmittage in Liverpooler Altenheimen gehört. Doch mit Rente und Ruhestand hat Ringo nichts am Hut. Er rockt auch noch mit 75, tourt mit seiner All Starr Band und ist nicht wirklich froh darüber, dass ihn die Leute immer nur auf die Zeit als Beatle ansprechen.

Das sei auch der Grund, warum er bislang keine Autobiografie geschrieben habe, sagte er dem US-Magazin „Billboard“, bevor er Anfang dieses Jahres in Cleveland in die berühmte „Rock And Roll Hall Of Fame“ aufgenommen wurde. Die Leute seien immer nur an den acht Jahren interessiert, als er bei den Beatles spielte.

Teil eines der feinsten Trios nach Beatles

Doch es gab und gibt ein Danach. Eine seiner besten musikalischen Erfahrungen habe er 1970 direkt nach dem Ende der Beatles gemacht – zusammen mit dem deutschen Bassisten Klaus Voormann in John Lennons Plastic Ono Band. Sie seien eines der feinsten Trios gewesen, sagte Ringo dem britischen Magazin „Uncut“. „Bloß mit John im Studio zu sein, so wie er war, kreischend, schreiend, singend. Es war ein unglaublicher Moment.“ Das sehr persönliche Album „John Lennon / Plastic Ono Band“, das die drei aufgenommen haben, gilt vielen als Lennons beste und bewegendste Arbeit.

Versteigerung „With A Little Help From My Friends“ (Mit ein wenig Hilfe meiner Freunde) heißt nicht nur de r bekannteste von Ringo gesungene Beatles-Titel, mit etwas kompositorischer Hilfe seiner Beatles-Kollegen Lennon, George Harrison und Paul McCartney veröffentlichte er 1973 „Ringo“, sein bis heute erfolgreichstes Solo-Album mit dem Nr.-1-Hit „Photograph“. Dass seine aktuellen Veröffentlichungen – in diesem Jahr erschien mit „Postcards From Paradise“ sein 18. Solo-Album – nicht mehr den Weg in die Verkaufscharts finden, quittiert er höchst selbstironisch. Wenn er bei einem seiner vielen Konzerte mit der All Starr Band einen Song eines neuen Albums ankündigt und die Zuschauer dann frenetisch klatschen, sagt er gerne: „Als wenn ihr es gekauft hättet…!“

Dass er verrückt danach ist, Schlagzeug zu spielen, hat er 1981 in dem Song „Drumming Is My Madness“ besungen. Und er hat getrommelt, wo er nur konnte – natürlich auf den Solo-Alben von Lennon, McCartney und Harrison, aber auch als Gast bei Manhattan Transfer, B.B. King, Stephen Stills, Bob Dylan, Tom Petty und den Beach Boys. Mit seiner All Starr Band, zu der Musiker wie Joe Walsh, Edgar Winter, Dr. John und Greg Lake (Emerson, Lake & Palmer) gehörten, geht er seit 1989 immer wieder als Sänger und Drummer auf Tournee – eine Erfolgsgeschichte, die schon 26 Jahre anhält.

Stimme wird immer gehaltvoller

Dass Ringos typische Ringo-Stimme im Alter immer gehaltvoller und sicherer wird, ist auf der Bühne ebenso wie auf seinen jüngsten Alben zu hören. Derweil werden Drummer-Kollegen wie Phil Collins, Dave Grohl, Chad Smith (Red Hot Chili Peppers) oder Tre Cool (Green Day) nicht müde, seinen Stil und seinen Einfluss als Schlagzeuger zu preisen. „Wirklich cool. Sehr innovativ“, urteilt etwa Max Weinberg, der Drummer von Bruce Springsteen.

Geburtstag Und auch wenn er keine Autobiografie schreiben will, so macht Ringo seine eigene Geschichte inzwischen immer wieder mal zum Songthema. „Rory And The Hurricanes“ heißt das Auftaktstück des „Postcards From Paradise“-Albums, in dem er seine alte Band besingt. Die vor den Beatles. Wobei die aber auch nicht fehlen. Der komplette Text des Titelsongs besteht fast nur aus Beatles-Songtiteln.

Und da „When I’m 75“ nicht dabei sein kann, weil es nie geschrieben wurde, kann Ringo hier nur mit diesem Beatles-Song gratuliert werden: mit „Birthday“ vom Weißen Album. Da sind die Zeilen zeitlos: „I’m glad it’s your birthday, Happy Birthday to you“ (Ich freue mich, es ist dein Geburtstag, herzlichen Glückwunsch).