Roboter „Philae“ sendet Lebenszeichen vom Kometen Tschuri

"Philae" schickt nach langer Funkstille die ersten Datenpakete Richtung Erde.
"Philae" schickt nach langer Funkstille die ersten Datenpakete Richtung Erde.
Foto: dpa
Nach der Landung von „Philae“ auf dem Kometen Tschuri herrschte sieben Monate Funkstille. Nach einer ersten Datensendung Samstagnacht meldete er sich jetzt erneut. Die Forscher sind begeistert.

Essen/Tschuri.. Der kleine, kühlschrankgroße Roboter sorgte für einen Meilenstein in der Geschichte der europäischen Raumfahrt: Am 12. November landete „Philae“ nach einer zehnjährigen und rund 6,5 Milliarden Kilometer langen Reise durch den Weltraum als erstes von Menschen gemachte Gerät auf einem Kometen – auf 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, genannt: Tschuri. Nur um wenige Stunden später in lichtlosen Tiefschlaf zu fallen. Jetzt, nach sieben Monaten Funkstille, ist der Lander aufgewacht und sendete erste Lebenszeichen zur Erde. „Philae“ lebt!

Suche nach der Ur-Materie

Trotz dieser Panne feierten die Astronomen die Landung auf Tschuri als sensationellen Erfolg. Manche verglichen die Mission gar mit der Mondlandung im Jahr 1969. Die Wissenschaftler erhoffen sich von den Messdaten des Landers einen Blick in die Kinderstube unseres Sonnensystems, das vor etwa 4,6 Milliarden Jahren entstand.

Kometen speichern wie riesige Eistruhen weitgehend unveränderte Materie aus dieser Zeit. Die Forscher suchen unter anderem nach organischen Molekülen, die auch bei der Entstehung des Lebens auf der Erde eine Rolle gespielt haben könnten. Womöglich reisten die ersten Grundbausteine des Lebens mit einem Kometen per Anhalter durch die Galaxis zur Ur-Erde.

„Phialae“ hüpfte mehrfach in die Höhe

Um das zu ergründen, haben „Philae“ und die den Kometen umkreisende Raumsonde „Rosetta“ zahlreiche Instrumente an Bord. Detektoren registrieren Staubteilchen und Gase. Ein Bohrer nimmt Bodenproben auf der Suche nach organischem Material. Auch Forscher der Ruhr-Uni Bochum sind an der Mission beteiligt. Sie entwickelten ein Radarsystem, um das Kometeninnere zu untersuchen.

Raumfahrt Doch die Landung verlief nicht nach Plan. „Philae“ setzte nicht an der vorausberechneten Stelle auf, sondern vollführte nach dem ersten Bodenkontakt mehrere große Hüpfer und kam schließlich irgendwo an einem schattigen Platz zur Ruhe. Da die Sonnensegel nicht genügend Licht einfangen konnten, um die Batterien mit Strom zu versorgen, ging dem High-Tech-Würfel nach etwa 60 Stunden der Saft aus. Am 15. November um 1.15 Uhr meldeten sich die Systeme ab. Dennoch jubelten die Wissenschaftler über die Bilder und Daten, die „Philae“ bis dahin auf den Weg gebracht hatte.

Die Hoffnung der Forscher: Je näher „Philae“ bei seinem Ritt auf dem Kometen der Sonne kommen würde, desto größer wird die Chance, wieder Energie tanken zu können. So versuchten die Techniker des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln im März und im April immer wieder, Kontakt zu dem Lander aufzunehmen – ohne Erfolg.

Forscher warten auf weitere Daten

Doch nun hat es wieder gefunkt. „Philae“ meldete sich erstmals Samstagnacht zurück und überbrachte 300 Datenpakete. „Es sind vor allem Informationen zu Philaes Gesundheitszustand“, sagt Hermann Bönhardt vom Pax-Planck-Institut für Sonnensystemforschung und wissenschaftlicher Leiter der Landemession. Am Sonntag schickte „Philae“ gegen 23.22 Uhr erneut einige Daten Richtung Erde.

Raumfahrt „Philae geht es sehr gut“, ergänzt DLR-Projektleiter Stephan Ulamec. „Er hat eine Betriebstemperatur von minus 35 Grad Celsius und verfügt über eine Energie von 24 Watt“, damit sei er arbeitsfähig. Immerhin drei Stunden Sonne erreichen den Lander jetzt pro Kometentag und versorgen ihn mit Energie. Dies reiche aus, um die Systeme zu betreiben. „Wir werden versuchen, einige Instrumente an Bord des Landers noch mal einzusetzen, um mehr über den Kometen zu erfahren“, erklärt Ulamec.

Der Sonne entgegen

Nun warten die Ingenieure auf den nächsten Kontakt. Denn in den Speichern des Landers stecken noch 8000 weitere Datenpakete, die Aufschluss darüber geben können, wie es „Philae“ auf dem Kometen ergangen ist. Die Informationen könnten auch endlich verraten, wo auf der Oberfläche des Kometen der Lander steht. Denn trotz intensiver Suche konnte der exakte Landeplatz bislang nicht ausfindig gemacht werden.

Viel Zeit bleibt dafür nicht. Denn es wird heiß auf Tschuri. Im August kommt der Komet der Sonne so nahe, dass „Philaes“ Hitzetod absehbar ist.