Roboter "Hitchbot" geht auf Deutschland-Reise

"Hitchbot" stoppt einen Autofahrer in Kanada. Der kleine Kerl muss mitgenommen werden. Laufen kann er nicht.
"Hitchbot" stoppt einen Autofahrer in Kanada. Der kleine Kerl muss mitgenommen werden. Laufen kann er nicht.
Foto: dpa
Er ist der reiselustigste Roboter seit R2D2. Laufen kann er nicht, dafür aber sprechen. Ab Freitag bereist „Hitchbot“ Deutschland.

Edmonton/München.. Er ist der wohl ungewöhnlichste und liebenswerteste Anhalter der Welt. Letzten Sommer verzauberte „Hitchbot“ Millionen Menschen in Kanada. Über 6000 Kilometer trampte der kleine Roboter quer durchs Land. Unterwegs besuchte er Konzerte und Kneipen, nahm an Familienfeiern teil und tanzte gar mit Ureinwohnern auf einem Pow-Wow. Jetzt ist „Hitchbot“ neugierig auf Deutschland. Ab Freitag begibt sich der computergesteuerte Tramper von München aus auf große Tour durch Deutschland.

Neuschwanstein will er besuchen, am Kölner Karneval will er teilnehmen, die Nordsee will er sehen, und wenn möglich auch den Reichtstag in Berlin. Bei der Reise ist der reiselustigste Computer seit R2D2 auf die Mithilfe der Menschen unterwegs angewiesen. Er kann selbst nicht laufen und kommt nur voran, wenn er aufgelesen und mitgenommen wird.

Gute Erfahrungen in Kanada

„Wir sind sehr gespannt, wie ,Hitchbot’ in Deutschland aufgenommen wird“, meint Frauke Zeller von der Ryerson-Universität in Toronto. Die Wissenschaftlerin, die aus Deutschland stammt, hat das Kunstwesen zusammen mit ihrem Kollegen David Harris Smith von der McMaster-Universität und Studenten geschaffen. Das Team will herausfinden, wie Menschen und Roboter im Alltag miteinander umgehen.

In Kanada hat das prima geklappt. „Wir waren überrascht, wie kreativ die Menschen auf Hitchbot reagiert haben“, berichtet Zeller. „Viele haben ihn nicht wie einen Roboter sondern wie einen Freund oder ein Familienmitglied behandelt. Sie haben ihn umarmt, geherzt und mit ihren Kindern zusammengebracht. Viele haben eine echte emotionale Bindung aufgebaut.“ Mehr als 30.000 Menschen folgen „Hitchbot“ allein auf Twitter.

Arme und Beine aus Schwimmnudeln

Dabei ist er ein reines Kunstprodukt. Sein Körper besteht aus einem Eimer, seine Arme und Beine aus Schwimmnudeln, die Füße aus Gummistiefeln, die Hände aus Spülhandschuhen. In Inneren ist „Hitchbot“ vollgestopft mit Technik. Sein Gehirn und seine Stimme werden von Computern gesteuert. Er besitzt ein GPS-Gerät, Solarzellen, einen kabellosen Internetzugang zum Twittern und zwei Akkus, die ihn für sechs Stunden mit Energie versorgen. Drei LED-Panele im Gesicht verleihen ihm ein menschliches Antlitz.

In Deutschland werden Journalisten des ProSieben-Magazins „Galileo“ die Reise des Roboters begleiten. Wobei es sich genau genommen nicht um „Hitchbot“ selbst handelt, der sei von seiner langen Tour durch Kanada ein wenig erschöpft, erzählt Zeller. Vielmehr haben die Forscher einen jüngeren Bruder gebaut, der sich nur minimal vom Vorgänger unterscheidet. Er ist ein wenig leichter und die Akkus halten länger.

In Europa muss sich der kleine Kerl mit allerlei Dialekten herumplagen

Vor allem aber spricht er Deutsch. „Die Sprache war die größte Herausforderung“, berichtet Zeller. In mühevoller Kleinarbeit haben die Forscher den künstlichen Tramper mit deutschen Dialogen und Redewendungen ausgestattet und ihm Wissen über Europa beigebracht, damit er sich unterwegs unterhalten kann. Dabei haben sie auch kulturelle Aspekte berücksichtigt. Während „Hitchbot“ in Kanada mehr über Eishockey erzählen konnte, geht in Europa natürlich nichts ohne König Fußball.

Auch sonst steht „Hitchbot“ womöglich vor einem Kulturschock. Bislang war er die eher gemächlichen Highways in Kanada gewöhnt, jetzt muss er sich auf die Raserei auf deutschen Autobahnen einstellen. In Kanada war der Kleine wegen der Größe des Landes oftmals für Tage mit nur einem Fahrer unterwegs, in Europa dürften die Etappen deutlich kürzer sein. In Kanada kam er überall mit Englisch durch, nun muss er sich mit allerlei Dialekten herumschlagen, von Plattdeutsch bis Schwäbisch.

Besonders gespannt sind seine Erfinder, ob die Deutschen eine ähnliche Liebe zu „Hitchbot“ entwickeln wie die Kanadier. Frauke Zeller jedoch glaubt an die universelle Anziehungskraft ihres Sprößlings. „Er ein kleines unschuldiges Wesen und die Menschen sind von Natur aus hilfsbereit – in Kanada und in Deutschland.“

Der reiselustige Roboter „Hitchbot“ (ProSieben, ab Freitag, täglich 19.05 Uhr) lernt per Spracherkennungsprogramm „Cleverscript“ fleißig Deutsch.

Lieblingsbegriffe: „Currywurst“, „Feierabend“, „Geschwindigkeitsbegrenzung“. Mit diesen drei Wörtern käme „Hitchbot“ im Revier prima zurecht.

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