Richard David Precht – der Hauptsatz-Philosoph talkt im ZDF
31.08.2012 | 15:51 Uhr 2012-08-31T15:51:00+0200
Berlin. Pop-Philosoph Richard David Precht macht fürs ZDF Nachdenken zur Show. Sein Streitgespräch mit Hirnforscher Gerald Hüther erinnert an Fußball: Beide spielen sich die Bälle zu. An diesem Sonntag, 22.30 Uhr, feiert Prechts neue Sendung TV-Premiere.
Die Freiheit des Philosophen beginnt beim Hemdknopf. In der ersten Folge seiner mitternächtlichen TV-Gespräche hat Richard David Precht gleich die obersten drei geöffnet – und erlaubt der Kamera, immer wieder in Nahaufnahme in seinen gebräunten Ausschnitt zu kriechen. Soviel Haut ist selten, im hochkulturellen Nachtprogramm des ZDF.
Der Philosoph Richard David Precht gilt vielen als moralische Instanz. Nun fordert der beliebte Bestseller-Autor und Talkshow-Gast ein verpflichtendes soziales Jahr für Rentner. Prechts Begründung: Die Generation, die jetzt in Rente gehe, sei in Wohlstand aufgewachsen und habe keine Kriege erlebt.
Für das ZDF ist der Bestsellerautor einer der „führenden Intellektuellen der Bundesrepublik Deutschland“. Dass er auch noch gut aussieht und knackige Hauptsätze formulieren kann, kommt den Mainzern gerade recht. Das Etikett „Precht“ verspricht Bildung ohne Anstrengung, philosophische Aha-Effekte für jedermann. Prechts Solonummer ersetzt beim ZDF das „Philosophische Quartett“ von Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski.
Sechsmal im Jahr trifft Precht („Wer bin ich – und wenn ja, wie viele“) einen Gast aus Wissenschaft, Politik oder Gesellschaft. Eine Dreiviertelstunde lang beobachtet die Kamera die beiden bei der Arbeit: Der 47-jährige Germanist hockt mit seinem Gast an einem hell erleuchteten Tischchen, umgeben vom Dunkel des Studios. Kein Publikum, keine Dekoration, keine Einspielfilme. „Intensiv“ sollen die Gespräche sein, ein „Ringen um Erkenntnis“, mit dem die Zuschauer „noch Tage später beschäftigt sind“. Keine Frage: Bei so viel philosophischem Furor muss die Kamera natürlich mitkriegen, wann der erste Schweißtropfen von der markanten Gastgeberstirn rollt.
Skandal statt Analyse
„Denken live“ nennt ZDF-Kulturchef Peter Arens die neue Sendung. Und er weiß: Eine Dreiviertelstunde lang zwei Menschen im Gespräch zu zeigen, ist nicht gerade ein Quotengarant. Eine halbe Million Zuschauer – mehr erwartet hier keiner.
Der Philosoph Richard David Precht vergleicht das deutsche Schulwesen mit der Essstörung Bulimie: "Wissen ganz schnell in sich hineinstopfen und wieder auskotzen". Vor dem Start seiner ersten eigenen TV-Show fordert Precht nicht weniger als eine Revolution des Schulsystems.
Am späten Sonntagabend (ZDF, 23.30 Uhr) empfängt Precht seinen ersten Gast: Der Hirnforscher Gerald Hüther prangert das deutsche Bildungssystem an. Bei „Precht“ wird daraus „Skandal Schule – Macht lernen dumm?“. Das wundert: In der Regel bemühen sich Philosophen eher um Analyse als um Skandalisierung. Wer wenigstens ein Streitgespräch erwartet, wird ebenfalls enttäuscht. Die beiden spielen sich die Bälle zu. Precht zitiert lustvoll das Schimpfwort vom „Bulimie-Lernen“ an deutschen Schulen – Stoff schlucken, nur um ihn wieder auszuspucken. Hüther nickt begeistert.
Selbstzweifel muss man lange suchen. Im Gegenteil: Manch pastoraler Satz schrammt gefährlich am Hochmut entlang. Lehrer wollte Precht jedenfalls nie werden: Jahr für Jahr „die Wiederkehr des sinnlosen Gleichen“ zu ertragen, das wäre nichts für ihn. Dafür weiß er genau, wie es besser geht: das dreigliedrige Schulsystem abschaffen, andere Schulgebäude bauen, andere Lehrmethoden einführen.
Als nächster Gast kommt nicht zur Abwechslung eine kluge Frau, sondern ein mächtiger Mann: Springer-Chef Mathias Döpfner. Precht will mit dem „Bild“-Manager über Freiheit sprechen.

18:15
Im Gegensatz zum Beitrag von albertus28 finde ich, dass diese Sendung das Beste war was ich seit langem gehört habe.
ENDLICH.
Herr Precht und Herr Hüther nennen endlich mit deutlichen, klaren Worten den ganzen Mist beim Namen. Was falsch läuft, wo es hakt, wie es sinnvoller laufen könnte.
Warum und weshalb, nicht nur kritisiert, sondern es auch begründet und wie es, wie gesagt, sinnvoller wäre.
BITTE MEHR DAVON.
Das mein Vorkommentartor dafür leider nicht offen ist, zeigt mir, dass er vielleicht von solch sinnvollen grundlegenden Veränderungen Angst zu haben scheint.
Motto: Kenn ich nicht, versteh und begreif ich nicht = will ich nicht oder "das war immer schon so." Also weiter in alten Bahnen. Altes ist halt vertraut und gibt da heraus Sicherheit, Neues macht Angst.
17:27
Man glaubt es nicht,für welchen abgrundtiefen Blödsinn sich das Öffentlich -Rechtliche hergibt bzw ge/miß -brauchen läßt.
Da dürfen Figuren wie Precht,Roche,Fröhlich nicht nur ungeniert ihren Sch....erzählen,sondern auch noch kostenlose Werbung für ihre Schreibergüsse betreiben.