Rentner getötet: Junge Täter in U-Haft

Tönisvorst..  Johannes W. (81) war niemand, der mit seinem Wohlstand hinter dem Berg hielt, im Gegenteil. „Seine Prahlerei“ wurde ihm zum Verhängnis, berichten die Ermittler. Denn es beginnen sich die falschen Leute für den Inhalt seines Tresors zu interessieren. Am 1. Oktober vergangenen Jahres erhält der allein lebende Rentner ungebetenen Besuch in seinem Haus in Tönisvorst bei Krefeld. Der 81-Jährige wird geschlagen und getreten, bis er verrät, wo er seinen Tresorschlüssel versteckt hat. Dann wird er umgebracht, vermutlich erwürgt. Ein Zeuge sieht fünf junge Leute das Haus verlassen. Sie haben es eilig und sind rasch wie vom Erdboden verschluckt. Doch jetzt sind sie gefasst.

Denn die Mörder haben bei der Wahl des Tatorts einen Fehler begangen. Am Niederrhein bekommen sie es mit Ingo Thiel (52) zu tun. Der Chef-Ermittler aus Mönchengladbach ist in Polizeikreisen längst Legende. Seine Aufklärungsquote: 100 Prozent. Zuletzt brachte er nach monatelanger spektakulärer Jagd den Mörder des kleinen Mirco zur Strecke.

Diesmal dauert es vier Monate, dann schlagen 200 Polizisten im Morgengrauen in Straelen, Bergheim und Weeze zu. Sie zerren fünf junge Leute, darunter eine Frau, aus ihren Betten, die meisten wohnen noch bei ihren Eltern, alle haben einen südosteuropäischen Migrationshintergrund. Außerdem beschlagnahmen sie 60 Umzugskartons mit Beweismaterial.

Gestern verkündete Chef-Ermittler Thiel vor 150 Zuhörern im Mönchengladbacher Polizeipräsidium den jüngsten Erfolg. Diesmal hat ihn nach mehreren Einbahnstraßen eine DNA-Spur am Tatort auf die richtige Fährte geführt. Die Spur löst einen Treffer in der DNA-Datenbank aus, der Verdächtige ist bereits als Einbrecher aufgefallen und registriert.

Doch es dauert, bis verdeckte Ermittlungen die Strukturen der gesamten Bande aufdecken und die Namen der mutmaßlichen Komplizen bekannt sind. Zwei von ihnen haben sich nach der Tat ins Ausland abgesetzt, kommen erst Wochen später zurück. Es wird still um das Verbrechen, die Verdächtigen sollen sich sicher wähnen: „Wir können nicht nur laut, wir können auch leise“, sagt Thiel. „Wir haben gewartet, bis alle wieder im Nest waren.“

Die Verdächtigen kehren aus dem Ausland zurück, glauben offenbar, dass die Ermittlungen im Sande verlaufen sind. Am Mittwoch dann das unsanfte Erwachen. In den Verhörräumen bröckelt die Front des Schweigens, die Verdächtigen legen Teilgeständnisse ab, geben zu, zur Tatzeit am Tatort gewesen zu sein.

Ein Haftrichter sieht dringenden Mordverdacht und schickt fünf Verdächtige im Alter von 16, 17, 19, 20 und 22 hinter Gitter. Darunter ist auch eine junge Frau (20). Thiel schickt ihnen einen Gruß hinterher: „Ätsch, hat doch geklappt.“

Quintett lauertedem 81-Jährigen auf

Staatsanwältin Sonja Pelka spricht von einer gezielten Tat. Es handele sich nicht um einen aus dem Ruder gelaufenen Einbruch. Das Quintett habe dem 81-Jährigen aufgelauert und dabei große Ausdauer an den Tag gelegt.

Inzwischen haben sich Ermittler aus anderen Städten gemeldet, die nun prüfen, ob die Bande für ähnliche Taten verantwortlich ist, bei denen Rentner brutal misshandelt wurden. Die Ermittler vermuten, dass auch eine Einbruchserie auf ihr Konto gehen könnte. Unklar ist noch, wie hoch die Beute im Haus von Johannes W. war.

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