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Vergewaltigung

Registrierter Sex-Täter vergewaltigte jahrelang Frauen

05.03.2013 | 17:46 Uhr
Registrierter Sex-Täter vergewaltigte jahrelang Frauen
Anhand von genetischen Spuren konnte ein Selbstmörder als Serienvergewaltiger bestimmt werden. Foto: Stephan Eickershoff / WAZFotoPool

Regensburg.   Ein Mann stürzt sich in der Ostpfalz von einem Felsen. Nach dem Auffinden der Leiche stellen Ermittler fest, dass der Mann zahlreiche Frauen vergewaltigt hat. Und noch mehr: Denn der Mann hätte gefasst werden können.

Kinder finden im September 2012 eine zerschmetterte Leiche am Fuß des Felsens der Burgruine Brennberg in der Oberpfalz. Schnell ist klar: ein Suizid. Die Mutter des 47-Jährigen lässt die sterblichen Überreste verbrennen und anonym beisetzen.

Heute weiß die Polizei, wer der Tote ist: Michael S., ein Serienvergewaltiger, der die Frauen der Gegend eineinhalb Jahrzehnte lang in Angst versetzt hat. Doch die „Ermittlungsgruppe 1997“ wird die Akte des Falls nicht schnell schließen können. Sie mutmaßt, dass S. nicht nur für die drei jetzt geklärten Überfälle in eineinhalb Jahrzehnten verantwortlich ist. Vielleicht gehen 15 weitere, ungeklärte Taten auf sein Konto.

Was aber wirklich Grund zur Sorge ist: Die Neigung des Täters war schon in deutschen Ermittlungsdateien gespeichert, als S. 1996 nach Regensburg zog.

Haft wegen brutaler Vergewaltigungen in der Schweiz

Der Hausmeister, 1965 als deutscher Staatsbürger in Singen am Hochrhein geboren, hatte bis dahin sechs Jahre in Schweizer Haft gesessen – wegen brutaler Vergewaltigung von fünf Frauen.

Richter Remo Bornatico begründete 1990 das Strafmaß des Zürcher Obergerichts so: „Der Täter ließ bei seinen Opfern Wunden zurück, die kaum je heilen können.“ S. selbst hatte zu Protokoll gegeben, die „Demütigung der Frauen“ spiele für ihn eine Rolle.

Die Schweizer Behörden sagen heute, sie hätten deutsche Stellen über Haft und Haftgrund informiert, als sie den Mann 1995 nach der Abbüßung von Zweidrittel der insgesamt neunjährigen Haftstrafe nach Singen abschoben.

Tatsächlich sehen das zahlreiche Abkommen Deutschlands mit anderen Staaten als Routineakt vor. Solche „Strafmeldungen“ werden im Bonner Bundeszentralregister gespeichert.

Nur: In Regensburg kann niemand etwas von diesem Eintrag ahnen, als ein Jahr nach der Abschiebung die geheimnisvollen Überfälle beginnen. Der unbekannte Täter kommt immer nachts und immer von hinten. Er kommt immer mit Kapuze. Ein Phantombild? Fehlanzeige. Er ist, so geben es die vagen Beschreibungen her, vielleicht 30 bis 50 Jahre alt, bis 1,90 Meter groß, stark und korpulent.

Der entscheidende Hinweis kommt aus der Schweiz

2000 Fahrzeuge werden untersucht, 849 Männer aus der Gegend einem Massen-DNA-Test unterzogen. Ergebnis: null. Nur am Ort der Vergewaltigung einer 31-Jährigen 1997 in einem Kellereingang hat der Mann einen Fingerabdruck hinterlassen, der 2012 mit einem bei seiner letzten Tat liegengelassenen Handschuh abgeglichen wird. Einen Monat vor dem Fund der Leiche am Burgberg gibt die Regensburger Kripo die Merkmale in eine internationale Fahndung. Die Treffermeldung kommt am 7. Februar 2013: Aus der Schweiz, wo S. eingesessen hat. Da ist die Täterleiche längst eingeäschert.

In der Oberpfalz diskutieren sie einige offene Fragen. Gibt es eine generelle Lücke im deutschen Fahndungsgefüge?

Was aber nützt ein bundesweites Informationssystem mit einem Eintrag über einen Straftäter, wenn die Existenz seiner Daten dann nicht bekannt wird? „Bei uns in Regensburg ist die Information über seine Vergangenheit nie angekommen“, zitiert der „Tagesanzeiger“ die oberpfälzische Kriminalpolizei.

Das Bonner Bundesamt für Justiz, das das Register betreibt, sagt aber, die Eintragungen seien „den Kriminaldienst verrichtenden Dienststellen der Polizei für Zwecke der Verhütung und Verfolgung von Straftaten“ zugänglich.

Die Fragen bleiben offen. Kein Gericht befasst sich mehr mit dem Fall S.. Gegen Tote wird nicht ermittelt.

Dietmar Seher



Kommentare
06.03.2013
09:42
„Bei uns in Regensburg ist die Information über seine Vergangenheit nie angekommen“
von Ismet | #2

Also für wie blöd hält die Polizei die Bevölkerung?
Information ist eine "Holschuld" und keine "Bringschuld" der Informationsträger.
Wenn dort nur unfähige Polizisten bzw. Kriminalisten saßen, dann kann das ja weiter hin heiter werden, mit der Auflösung von kriminellen Aktivitäten...

@harrass
Ja, dieses leidige Thema ist immer wieder wahr. Traurig aber dem ist hier in Deutschland so!

2 Antworten
Registrierter Sex-Täter vergewaltigte jahrelang Frauen
von MisterB | #2-1

Wir leben nun mal in einem Land voller Egoisten. Probleme interessieren die Leute nur wenn sie denn irgendwann mal selbst betroffen sind. Sich vorher Gedanken über die Probleme Anderer zu machen? Fehlanzeige.

Registrierter Sex-Täter vergewaltigte jahrelang Frauen
von trickflyer | #2-2

so ist das hier.ich weiss nix, ich kann nix,gib mir eine uniform.

06.03.2013
07:26
Registrierter Sex-Täter vergewaltigte jahrelang Frauen
von harrass | #1

Täterschutz geht eben über Opferschutz.

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