Rauchverbot sorgt für dicke Luft auf der Wiesn
10.09.2010 | 10:47 Uhr 2010-09-10T10:47:00+0200
München. Die Bayern haben sich für Rauchverbot in allen Gasträumen entschieden. Das macht jetzt den Oktoberfest-Wirten Sorgen: Denn der Zigaretten-Qualm überdeckte sonst den Festzelt-Mief.
Sie haben die Nase voll vom Tabakqualm. Mit Mehrheit sprachen sich die Bayern per Volksentscheid für ein Rauchverbot in allen Gasträumen aus. Am 1. August ist das neue Raucherschutzgesetz in Kraft getreten.
Ein Fakt, der die Wirte beim Oktoberfest zum Handeln zwingt. Wurde der Zigarettenrauch bisher als „leidige aber hinnehmbare Geruchsbelästigung“ eingestuft, so kann es wegen des fehlenden Tabakkonsums im Jahr des 200-jährigen Jubiläums auf der Wiesn zum Himmel stinken.
Denn es ist kein aromatischer Rauchschwaden mehr da, der die Mief-Mischung von verschüttetem Bier, zertretenen Speiseresten, altem Schweiß und durchziehenden Toilettengerüchen überdeckt.
„Fäulnis unter den Latten des Zeltbodens“
Es ist absurd: Das absolute Rauchverbot sollte für ein besseres Klima in den Festzelten sorgen; nun befürchten die Wirte, dass das größte Volksfest zum Ausdünstungsdrama verkommt. Ricky Steinberg, Wirt im Hofbräuzelt, hat die Gefahr erkannt: „Besonders unter den Latten des Zeltbodens herrscht ohne Sonnenlicht und Luftzug ein ideales Klima für Fäulnis und entsprechende Gerüche, die dann wieder nach oben steigen.“
Um den Zersetzungsprozess von vornherein zu unterbinden, will Festwirt Steinberg Millionen von Mikroben zur Hilfe holen, die mit großem Hunger die Bier- und Speisereste, Schmutz, Waschwasser und Fett auffressen und spalten. Ricky Steinberg: „Dann entsteht keine schlechte Luft.“
Und Ricky Steinberger weiß, wovon er spricht. Denn er hat bereits im vergangenen Jahr Hubert Hackl zur Hilfe gerufen. Hackl kommt aus Parsdorf und ist Inhaber einer Reinigungsfirma. Seit rund 20 Jahren beschäftigt sich der Saubermann mit der „Reinhaltung der Wiesn“. 2009 hat er zum ersten Mal mit seinen „Elbomex-Bakterien“ im Festzelt experimentiert. Vorher waren die Mikroorganismen als Gestankaustreiber in der Landwirtschaft tätig.
Hackl soll für wohliges Aroma sorgen
Im Zelt schüttete Hackl in jede Pfütze, die unangenehm roch, Wandelbakterien. Und siehe da, der penetrante Geruch verschwand. In diesem Jahr werden seine Mitarbeiter nach dem Reinigen der Bodenplanken die Bakterienflüssigkeit verteilen. Sie sickert dann an genau den selben Stellen durch, an denen auch der Dreck im Dunkel verschwand. Ohne Umschweife können die Mikroben so zielgenau ihre Arbeit aufnehmen. Hubert Hackl: „Nur ein leichter Humus-Duft bleibt übrig.“
Hackl will nicht nur im Hofbräuzelt für ein wohliges Aroma sorgen, sondern auch bei Familie Heide von der „Bräurosl“. „Wir testen das heuer erstmals“, bestätigte Wirtin Renate Heide. Andere Zelte verrät Hackl nicht: „Bald kann jeder feststellen, in welchen Zelten es besser riecht.“
Gut dran ist auch Wirtesprecher Toni Roiderer. Sein Hacker-Zelt hat ein Cabrio-Dach: „Damit es nicht zum Himmel stinkt, können wir das Dach öffnen und frische Luft rein lassen.“ Ein Hauch von Open-Air-Fest(ival).
Und Bayern wäre nicht Bayern, wenn es nicht auch eine bayrische Lösung für das bundesweit strengste Rauchverbot geben würde. Die Stadt München hat bereits angekündigt, dass sie während der Jubiläums-Wiesn beide Augen zudrücken und das Rauchen nicht ahnden will. Und auch Wirtesprecher Toni Roiderer meint: „Wir werden keinem ein Ohr abschrauben, der im Zelt raucht.“

23:51
Wer Bakterien und Schweiß- gemischt mit Parfüm- und Fett-Geruch gerne hat, soll dieses Jahr unbedingt die Wiesn besuchen!
Ich bevorzuge Tabakrauch und Bier schmeckt mich ohne Zigarette nicht. Daheim mit ein paar Freunden ist auch schön...
16:20
Die Rauchvernote im Ausland funktionieren ja auch nur so gut, weil sich niemand dran hält...
15:56
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15:47
Nennt man es nicht Willkürherrschaft, wenn man nach eigenem gutdünken die Einhaltung von Gesetzen mal kontrolliert und mal nicht??? Was auf politischer Ebene alles so möglich ist, ....
14:39
@dieterborussia: Jaja, ich gebe mich geschlagen, auch wenn ich nicht oft genug wiederholen kann, dass die persönliche Freiheit (Hausrecht usw.) dort aufhören muss, wo die Gesundheit betroffen ist. Aber beschweren Sie sich nicht, wenn in einigen Jahren nach Umsetzung der entsprechenden EU-Richtlinien die Gesundheitspolizei Raucherclubs aushebt oder eines Tages auch an Ihrer Haustür schellt.
14:33
#22:
Schon mal was vom Hausrecht gehört ??.
Jeder Wirt kann sich seine Gäste aussuchen.
Genauso wie sie sich ihre Besucher aussuchen dürfen in ihrer Wohnung.
Wenn ein Wirt sagt, du nicht, muss er das noch nicht einmal begründen.
Auf die Frage was sie unbedingt in einem Raucherclub als Nichtraucher wollen, weichen sie auch nur aus.
14:12
Was sind Ironie und Satire?
14:11
ah, jetzt komm ich dahinter. ich habe ihre ironie und ihr ins satirisch gehende gescheibe nicht sofort verstanden. da haben sie mich aber ganz schön ins boxhorn gejagt. ansonsten würde ich ihnen nämlich den tipp mit der zwangsjacke geben, wenn sie allen menschen im ernst die asketische lebensweise aufzwingen wollten. aber nicht schlecht, georg, nicht schlecht. beinahe wäre ich reingefallen.
ps: bei mir würden sie keine zigarettenvorräte finden, da nichtraucher.
14:04
@schranzbaum: Sie wollen offenbar nicht verstehen, dass Gesundheitsvorsorge nicht vor der privaten Haustür Halt machen darf.
Ich persönlich käme bei Ihnen sicher nicht vorbei, aber wenn sich die Politik endlich zu durchgreifenden Maßnahmen entschlösse, gäbe es regelmäßige Besuche durch die noch einzurichtende Gesundheitspolizei, die Ihre Zigaretten- und Alkoholvorräte konfiszierte und Sie zwecks Verhängung eines empfindlichen Bußgelds an die zuständige Ordnungsbehörde meldete.
Wahrscheinlich werden wir diesen Zustand in einigen Jahren erreichen, selbst wenn die EU zur Zeit eher lässig am Erlass von Richtlinien arbeitet und für deren Umsetzung sorgt. Mit etwas Geduld sieht man jedoch eine Entwicklung in eine sinnvolle Richtung. Der vollkommene Weg zur Askese lässt sich zudem auch kaum verordnen, sondern nur selbst leben. Allerdings wird man sich eher für ihn entscheiden, wenn man all die krank machenden Genussmittel und Drogen gar nicht erst kennt.
Die Billardspieler brauchen übrigens vor den Brettspielern keine Angst zu haben, denn sie verstoßen ja nicht gegen die Gebote der Gesundheitsvorsorge. Eben das macht den grundsätzlichen Unterschied aus und dieses Beispiel zur Analogiebildung unbrauchbar.
13:49
sie wollen es nicht verstehen. sie können sich doch einsetzen, wofür sie wollen, aber sie können mir nicht erklären, warum sie z.b. zu mir nach hause kommen möchten und mir in meinen eigenen vier wänden das rauchen verbieten wollen (wenn ich denn rauchen würde). und genauso verhält es sich mit einem RAUCHERCLUB. dort haben nichtraucher nichts zu suchen. sie können doch auch nicht in einem billardclub verlangen, dass dort alle mit billard-spielen aufhören, nur weil sie mensch-ärger-dich-nicht spielen wollen.
das hat auch mit gesundheitsvorsorge nichts zu tun, dies ist querulantentum erster güte. sie können sich gerne in einem nichtraucherclub zusammenfinden und dort viel spass haben, aber sie können doch nicht im ernst vorhaben, anderen menschen ihre vorstellung von gesundheit und moral aufzuzwingen.
das wäre ähnlich, als wenn ein raucher in eine ausgewiesene nichtrauchergaststätte kommt und von allen anwesenden gästen verlangt, dass diese jetzt bitte rauchen möchten, weil er dies möchte.