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Notlandung eines A 380

Rauch aus dem Super-Jumbo

04.11.2010 | 17:40 Uhr
Rauch aus dem Super-Jumbo
Die Feuerwehr löscht das defekte Triebwerk des A 380 nach der Notlandung. Foto: Reuters

SingapurKurz nach dem Start in Singapur passierte es: was genau, weiß bisher keiner. Einige Passagiere sprechen von Feuer im Triebwerk. „Ich schaute aus dem Fenster und sah Flammen“, sagt Ulf Waschbusch dem Nachrichtensender CNN. Auf der indonesischen Insel Batam wollen Menschen eine laute Explosion und schwarzen Rauch am Flügel des „Superjumbos“ A380 gesehen haben. Klar ist: Mit einem Triebwerkschaden muss der Airbus nach Singapur zurückfliegen und auf dem internationalen Flughafen Shangi notlanden. Die 433 Passagiere kommen mit einem Schrecken davon. Sie und die 26 Besatzungsmitglieder bleiben unverletzt.

Erste Untersuchungen ergeben, dass sich in einem der insgesamt vier Triebwerke eine Schraube gelöst haben könnte. Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt spricht von einem schwerwiegenden Zwischenfall. Er sieht die Ursache beim Triebwerkhersteller Rolls Royce. Seit dem Jungfernflug des Großraum-Airbusses im Oktober 2007 ist die jüngste Notlandung der vierte Zwischenfall, der aus Problemen mit den Triebwerken erwuchs. Im September 2009 muss Singapore Airlines nach einem zweieinhalbstündigen Flug nach Paris zurückkehren. Zwei Monate später bricht Air France einen Transatlantikflug ab. Vor drei Monaten landet Lufthansa in Frankfurt mit einem abgeschalteten Triebwerk. Großbongardt: „Mit aller Vorsicht ist es wahrscheinlich eher kein Qantas-Wartungsproblem, auch kein Airbus-Problem, sondern ein Problem des Triebwerkherstellers Rolls Royce.“

Alle Flüge verspätet

Die Triebwerke seien für den A380 neu entwickelt worden. „Insgesamt liegen da höchstens nur die Erfahrungen von einigen hunderttausend Flugstunden zugrunde.“

Die australische Fluggesellschaft Qantas zieht bereits am Donnerstag Konsequenzen. Vorstand Alan Joyce erklärt, dass alle sechs A380 solange am Boden bleiben, bis die Unfallursache geklärt ist. Auch Singapore Airlines wird die A380-Flotte erst einmal einem erweiterten Sicherheitscheck unterziehen. „Alle A380-Abflüge werden verspätet starten“, erklärt eine Konzernsprecherin.

Lufthansa hingegen, die drei Großraum-Flieger auf der Langstrecke einsetzt, bleibt gelassen. „Wir sehen keine Veranlassung, die Flotte stillzulegen“, erklärt Konzernsprecher Jan Bärwalde. „Die Triebwerke laufen im operativen Betrieb hervorragend.“

Sorgen um die generelle Sicherheit des doppelstöckigen Fliegers macht sich die Vereinigung Cockpit ebenfalls nicht. „Für mich war das keine Notlandung, sondern eine Sicherheitslandung“, sagt Cockpit-Sprecher und Pilot Jörg Handwerk. Der A380 sei ein sicheres Flugzeug. „Ich respektiere die Entscheidung von Qantas und Singapore, ob sie notwendig ist, kann man sich allerdings fragen“, sagt er. Ähnlich entspannt schätzt der österreichische Flugsicherheitsexperte Dieter Reisinger die Lage ein. „Triebwerksausfälle sind die am häufigsten von Piloten trainierten Szenarien.“ Heutige, moderne Flugzeuge seien so ausgelegt, dass sie auch mit einem Triebwerk landen könnten. „Im Notfall schalten die Piloten ein Triebwerk aus, lassen Kerosin ab und steuern den nächsten Flughafen an“, so Reisinger. Das hat die Crew der „Spirit of Australia“ auch getan. Die Bewohner von Batam, auf den südlich von Singapur gelegenen Riau-Inseln, können das bestätigen: Sie berichteten von abgelassenem Kerosin und metergroßen Blechteilen, die nach dem lauten Knall vom Himmel fielen.

Nach dem schweren Zwischenfall werden Ermittler aus Frankreich und Großbritannien die Untersuchungen be­gleiten, die von der australischen Luftfahrtbehörde geleitet werden. Da der Notfall über Indonesien passiert sei, würden auch Ermittler dieses Landes beteiligt werden, teilt Airbus mit.

Angelika Wölke

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