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Kriminalität

Rätsel um den korsischen Vierfach-Mörder

13.11.2012 | 18:02 Uhr
Rätsel um den korsischen Vierfach-Mörder
Angehörige des 19-jährigen Angeklagten warten im Gericht von Ajaccio auf Korsika.Foto: Pascal Pochard-Casabianca/afp

Paris.   Ein Jugendlicher auf der französischen Insel Korsika ist angeklagt, vor drei Jahren seine Eltern und seine beiden Zwillingsbrüder nachts mit einem Jagdgewehr erschossen zu haben. Und nicht, garnichts deutete zuvor auf eine solche Tat hin.

Das Unbegreifliche geschieht mitten in den Sommerferien, in der Nacht zum 13. August. Der Tatort: ein Einfamilienhaus in dem Örtchen Albitreccia, etwa 30 Kilometer von der korsischen Hafenstadt Ajaccio. Es ist drei Uhr früh, als der älteste Sohn Andy (16) wach wird. An die Details der Wahnsinnstat, die er nun begeht, wird er sich im Polizeiverhör nicht mehr erinnern. Fest steht dies: Der Schüler löscht seine gesamte Familie aus – Patrice, seinen Vater, die Mutter Nadine, sowie die beiden Zwillingsbrüder Liam und Duane (beide 10) – alle werden im Schlaf hingerichtet mit einem Jagdgewehr, einer sogenannten Pump Gun.

Ein Vierfach-Mord ohne Motiv, ein Blutbad ohne erkennbaren Anlass? Seit Anfang dieser Woche versucht die Jugendstrafkammer von Ajaccio die Hintergründe dieses bizarren Verbrechens zu erhellen.

Andy F. hockt in dem Schwurgerichtssaal in einem Kasten aus dickem Panzerglas, davor seine Verteidiger. Ein Heranwachsender mit kurz geschnittenem, dunkelblondem Haar, markanten Wangenknochen und feinen Zügen. Ein Angeklagter, der in geborgenen Verhältnissen aufgewachsen und zuvor niemals mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist. Der noch nicht mal ein Problemkind ist und scheinbar aus heiterem Himmel eine Tat begeht, die ihm niemand zugetraut hat. Erst recht nicht seine Großeltern sowie die Tanten und Onkel, die schweren Herzens als Nebenkläger in den Justizpalast gekommen sind.

Tagsüber anständiger Bürger, nachts Serienkiller

Seit jener Nacht im August hat die Familie den Kontakt zu Andy abgebrochen. Beim Prozessauftakt bekommen sie den Enkel und Neffen, der so viel Unheil über die Familie gebracht hat, zum ersten Mal wiederzusehen. Sie, die Richter, die Geschworenen, die Staatsanwälte und die Verteidiger interessiert nur eines: das Warum.

Verbrechen
Grausamer Fund: Mutter findet ihre erstochenen Kinder

Eine Mutter hatte ihre zwei Kinder erstochen in der Badewanne ihrer Luxuswohnung in Manhatten gefunden. Die Kinderfrau sollte auf die Kinder aufpassen. Bei ihrer Rückkehr machte die Mutter den grausigen Fund. Die Polizei verdächtig nun die Kinderfrau: Sie lag mit Messerstichen am Hals im Badezimmer.

Der 12. August 2009 ist ein idyllischer Sommertag auf Korsika. Tagsüber toben die Jungs unbekümmert am Strand, am Abend gehen die Eltern rüber zum Barbecue bei Nachbarn. Für Alkohol und Zigaretten hat Andy nicht viel übrig, dafür mag er Fußball und Karate, Tennis und Basketball. Und offenbar Gewaltspiele auf dem Computer. Wie zum Beispiel „Call of Duty“. Dann schlüpft er in die Helden-Rolle von Ego-Shootern und taucht ein in die Welt des Krieges.

Hätte das stutzig machen sollen? Oder das zuvor zwei Freundschaften in die Brüche gegangen waren? Wohl eher, dass er – SMS-Texte belegen dies – sechs Mal den Film „Hitman“ angeschaut hat, der von einem im Genlabor erschaffenen Auftragskiller handelt. Oder dass er für den Kevin-Costner-Film „Mr. Brooks“ schwärmt, der darin eine gespaltene Persönlichkeit spielt: tagsüber anständiger Bürger, nachts Serienkiller.

In der Haft machte er Abiturund will Zahnarzt werden

Als fatal erweist sich im Nachhinein die Leichtsinnigkeit des Vaters im Umgang mit Waffen. Denn er ist es, der seinem Ältesten an Silvester beibringt, wie die Jagdflinte zu bedienen ist. Nachdem Andy damit zuerst seine Eltern und dann die beiden wimmernden Zwillingsbrüder in ihren Betten erschossen hat, rennt er davon. Einen Tag lang irrt er durch die Büsche, bis ihn ein Onkel schließlich am Strand entdeckt. Um den Verdacht von sich abzulenken, meldet er sich nach der Bluttat beim Notruf der Polizei („Helfen Sie mir“) und gab vor, in der Gewalt brutaler Gangster zu sein. Seine Verteidiger halten ihn für geistesgestört.

In der Haft hat er sich von seiner besten Seite gezeigt. Er machte Abitur, nun möchte er Zahnarzt werden. Der Schuldspruch – voraussichtlich lebenslänglich – wird an diesem Freitag erwartet.

Gerd Niewerth



Kommentare
14.11.2012
09:22
Rätsel um den korsischen Vierfach-Mörder
von Stephen.Stockman | #1

Lebenslänglic?
Bei uns wäre er schon auf Kurs in die Karibik.

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