Queen-Besuch - nach Berlin-Abschied folgte Bergen-Belsen

Ein persönlicher Wunsch der Queen: Elizabeth II. sprach zum Ende ihres Staatsbesuches in Deutschland mit Zeitzeugen in der Gedenkstätte Bergen-Belsen.
Ein persönlicher Wunsch der Queen: Elizabeth II. sprach zum Ende ihres Staatsbesuches in Deutschland mit Zeitzeugen in der Gedenkstätte Bergen-Belsen.
Foto: Getty
Was wir bereits wissen
1965 war die Queen das erste Mal auf Staatsbesuch in Deutschland. Damals war das eine wichtige Geste der Versöhnung. Auch 50 Jahre später gibt es historische Momente.

Berlin.. Zum Abschluss ihres dreitägigen Staatsbesuchs in Deutschland hat Queen Elizabeth II. der Opfer des Nationalsozialismus gedacht und ein Zeichen gegen das Vergessen gesetzt. Nach umjubelten Stationen in Berlin und Frankfurt am Main legte die britische Königin (89) am Freitag gemeinsam mit ihrem Ehemann Prinz Philip (94) in der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen einen Kranz nieder.

Der letzte Tag ihrer Visite stand ganz im Zeichen des stillen Gedenkens. Ihr Besuch in Bergen-Belsen war der erste der britischen Königin in einem ehemaligen Konzentrationslager überhaupt. Nach der Kranzniederlegung sprach die 89-jährige Monarchin mit Holocaust-Überlebenden sowie mit britischen Veteranen, die an der Befreiung des Lagers vor 70 Jahren beteiligt waren. Nach Angaben der britischen Botschaft war es der persönliche Wunsch der Königin, den Ort zu besuchen, an dem auch Anne Frank starb. Das jüdische Mädchen war mit ihren Tagebüchern posthum weltberühmt geworden.

Queen nahm sich viel Zeit für Gespräch in Gedenkstätte Bergen-Belsen

Für die Gespräche nahm sich die Queen vergleichsweise viel Zeit und wirkte bewegt. "Die Queen war viel interessierter, als ich es mir vorgestellt hatte. Man merkte, dass da nicht nur ein Staatsoberhaupt, sondern eine Zeitzeugin vor Ort war", sagte der Leiter der Gedenkstätte, Jens-Christian Wagner, im Anschluss. Zuvor hatte er das royale Paar zu Fuß über das Gelände geführt. Über 70.000 KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene kamen zwischen 1940 und 1945 in dem Lager in der Lüneburger Heide ums Leben. Danach begaben sich Elizabeth und Philip auf den Weg zum Militärflughafen in Celle, von wo sie zurück nach Hause flogen.

Begonnen hatten sie den letzten Tag ihrer Visite mit einem kurzen Spaziergang vor dem Hotel Adlon. Dort verabschiedeten sie sich von Hunderten Berliner Schaulustigen. Anschließend ging es im dunkelroten Bentley durch das Brandenburger Tor in Richtung Flughafen, um nach Niedersachsen zu fliegen. Ein Dudelsackpfeifer spielte dazu.

Beim Abschied wurde die Königin vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) begleitet. "Es war eine Ehre, sie kennenzulernen", sagte Müller anschließend nach Angaben des Senats. Für die Berliner Polizei ging ein Großeinsatz zu Ende. "Es ist sensationell gut gelaufen", bilanzierte Einsatzleiter Markus van Stegen. "Die Briten waren sehr zufrieden." Die Polizei war mit rund 1400 Beamten im Einsatz, darunter Verstärkung aus Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Insgesamt dauerte der Einsatz sechs Tage. Laut van Stegen gab es keine größeren Zwischenfälle. In der Hauptstadt hatte das Paar seit Dienstagabend gewohnt.

Bootsfahrt mit dem Bundespräsidenten

Auch der britische Botschafter Simon McDonald war am Ende rundum zufrieden. "Der gesamte Besuch war ein toller Erfolg", sagte er. "Es war wirklich klasse." Sein Eindruck: Alle Leute seien von Königin Elizabeth II. begeistert gewesen, nicht nur bei den offiziellen Terminen, sondern auch auf den Straßen und am Ufer der Spree.

Während ihres fünften Staatsbesuchs in der Bundesrepublik, 50 Jahre nach dem ersten, hatte die Queen neben Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel auch zahlreiche Bürger getroffen und sich der Bevölkerung bei mehreren Gelegenheiten gezeigt.

Höhepunkte der akribisch geplanten Reise waren gleich zu Beginn eine Bootsfahrt mit dem Bundespräsidenten und seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt auf der Spree. Die Fahrt war etwas Besonderes, denn das deutsche Staatsoberhaupt hatte zuvor noch nie einen Staatsgast über den Fluss durch Berlin begleitet. Dabei wurde sie von vielen Berlinern freudig begrüßt. Anschließend empfing Kanzlerin Merkel die Queen und ihren Mann. Auf dem Balkon des Kanzleramts zeigte die Regierungschefin dem britischen Staatsoberhaupt das Panorama der Hauptstadt und den einstigen Verlauf der Berliner Mauer.

Queen mahnte Briten vor Spaltung in Europa

Queen-Besuch Beim Staatsbankett in Schloss Bellevue am Mittwoch beschworen die Königin und der Bundespräsident den Zusammenhalt Europas. "Wir wissen, dass die Spaltung in Europa gefährlich ist und dass wir uns davor in Acht nehmen müssen", sagte Elizabeth. "Das bleibt unser gemeinsames Bestreben." Großbritannien habe sich in Europa immer sehr engagiert. Hintergrund ist, dass das Volk in Großbritannien bis Ende 2017 darüber abstimmen soll, ob das Land in der EU bleiben soll.

Am zweiten Besuchstag reiste das Paar für wenige Stunden nach Frankfurt am Main. Es war der erste Besuch der Queen in der hessischen Bankenmetropole. Sie besichtige die Paulskirche, die als Wiege der deutschen Demokratie gilt. Im Anschluss gab es ein Mittagessen im Rathaus Römer mit Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Bei strahlendem Sonnenschein bekamen die zahlreichen Zaungäste Gelegenheit, die Royals zu sehen. Am Abend gab es in der Residenz des britischen Botschafters eine Party zu Ehren der Queen. (dpa)