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Geiseldrama

Polizei will nach Geiseldrama Herkunft der Waffen klären

05.07.2012 | 17:02 Uhr
Nach der Geiselnahme in Karlsruhe, bei der ein 53 Jahre alter Mann am Mittwoch vier Menschen tötete und sich dann selbst erschoss, versuchen die Ermittler weiter, das Geschehen zu rekonstruieren und die Herkunft der Waffen zu klären. Foto: dapd

Karlsruhe.   Nach dem Geiseldrama in Karlsruhe, bei dem am Mittwoch ein 53-Jähriger vier Geiseln und sich selbst erschoss, versucht die Polizei, die Herkunft der Waffen zu klären. Dabei ermittelt die Kripo auch in Frankreich, weil der Täter im Elsass einen zweiten Wohnsitz hatte. Die Leichen sollen am Freitag obduziert werden.

Nach dem Geiseldrama mit fünf Toten in Karlsruhe prüfen die Ermittler, ob der Täter sich in Frankreich Waffen besorgt hat. Über das gemeinsame Zentrum der deutschen und französischen Polizei in Kehl hätten sie Kontakt zu den französischen Behörden aufgenommen, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag in Karlsruhe. Die Obduktion der Leichen soll am Freitag näheren Aufschluss über den Ablauf des Blutbads geben.

Ein 53-Jähriger hatte am Mittwoch bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Lebensgefährtin in Karlsruhe offenbar vier Menschen erschossen und danach sich selbst getötet. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Tat geplant war.

Demnach nahm der Mann zunächst einen 47-jährigen Gerichtsvollzieher, einen 33-jährigen Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes sowie den 49 Jahre alten neuen Besitzer der Wohnung als Geiseln, bevor er sie später erschoss. Auch die 55-jährige bisherige Wohnungsbesitzerin und Lebensgefährtin des Täters fanden die Ermittler erschossen in der Wohnung. Einen Sozialarbeiter, der zunächst mit in der Wohnung war, ließ der Mann laufen, bevor die tödlichen Schüsse auf die Männer fielen.

Geiselnahme in Karlsruhe

Täter stammte aus dem Elsass, wo er einen weiteren Wohnsitz hatte

Der Täter stammte dem Polizeisprecher zufolge aus der französischen Region Elsass, wo er auch noch einen weiteren Wohnsitz hatte. Den Ort wollte der Polizeisprecher nicht nennen. Bei den Ermittlungen in Frankreich gehe es nun unter anderem um die Frage, ob der Mann dort möglicherweise seine Waffen legal erworben habe. Die Beamten hatten in der Tatwohnung ein Schrotgewehr, zwei Pistolen, ein weiteres Gewehr, reichlich Munition sowie Übungshandgranaten gefunden.

Meldungen vom Vortag, wonach der Schütze ein Jäger gewesen sein soll, konnte die Polizei am Donnerstag nicht bestätigen. Auch dies sein noch „Gegenstand der Ermittlungen“, sagte der Sprecher. Der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) bestritt derweil bereits eine Mitgliedschaft des 53-Jährigen in einem Jägerverbund. „Er war weder bei der Waffen- noch bei der Jagdbehörde in Frankreich oder Deutschland gemeldet und besaß keinen Europäischen Feuerwaffenpass“, teilte der Verband unter Berufung auf „gut unterrichtete Kreise“ mit.

Obduktion der Leichen auf Freitag verschoben

Die Obduktion der Leichen wurde nach Angaben der Polizei auf Freitag verschoben. Für den Nachmittag erwarten die Ermittler dann bereits ein vorläufiges Ergebnis der Untersuchung. Aufschluss erhoffen sie sich unter anderem darüber, wann die Lebensgefährtin des Schützen starb. Polizisten hatten sie erschossen in ihrem Bett gefunden. Es sei derzeit nicht klar, ob die Frau im Verlaufe der Geiselnahme ums Leben kam oder bereits vorher getötet worden war, sagte der Polizeisprecher. Die Ermittler gingen zudem Hinweisen von Anwohnern nach, die bereits am Abend vor der Tat Schüsse gehört haben wollten.

Einmal war der Täter laut Polizei in der Vergangenheit mit dem Gesetz in Konflikt geraten: Im Jahr 2003 habe er einen Ladendiebstahl verübt und dabei ein Messer bei sich gehabt, mit diesem aber niemanden verletzt. Für diese Tat sei er verurteilt worden. Wegen einschlägiger Gewaltdelikte hingegen sei der Mann vor der Tat vom Mittwoch noch nie aufgefallen. (afp)



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