Plädoyer für Nächstenliebe

Berlin..  Irgendwo in einer Berliner Wohnung: Ein älterer Mann kocht sich ein Ei, sitzt allein am Frühstückstisch, liest Zeitung. Dann kauft er ein, gibt leere Flaschen ab, ehe sich an der Kasse Türkinnen mit vollen Einkaufswagen vor ihn schieben. Auf dem Friedhof spricht er mit seiner toten Gattin: „Die Deutschen sterben aus, Hildchen“ - woraufhin ein laut hupender türkischer Hochzeitskonvoi vorbeifährt. So beginnt der Film „Krüger aus Almanya“, der heute um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen ist.

Wenig später gerät der ältere Herr - es ist ein ehemaliger Ringer namens Paul Krüger (Horst Krause) - mitsamt seinen Zechkumpanen in eine Schlägerei mit Türken, die auf ihrem angestammten Platz grillen. Dann trifft eine Ansichtskarte aus der Türkei ein: Seine geliebte Enkelin Annie schreibt ihm, dass sie einen Türken namens Deniz heiraten will. Nach Rücksprache mit seiner Tochter Susanne soll er sich vor Ort um die Angelegenheit kümmern: Er soll Annie die Hochzeit ausreden.

Ohne große Worte

Also packt er Bohnenkaffee, Würstchen und Entkeimungstabletten ein und fliegt nach Antalya - gemeinsam mit Karin (Marie Gruber), der Wirtin seines Lieblingslokals. Während sie dort dem Charme eines Russen erliegt, trifft Herr Krüger auf einen kleinen Jungen, der aus Syrien geflohen ist und ganz alleine dasteht.

Der Film kommt ohne große Worte aus und lebt von vielen kleinen hübsch erzählten Szenen, die viel Liebe zum Detail erkennen lassen: Da werden türkische Bräuche und Traditionen aufgezeigt und die sprichwörtliche türkische Gastfreundschaft samt köstlicher Speisen gepriesen. Man sieht ein typisch deutsches Urlauberpaar, das seine Nase permanent in einen Reiseführer steckt und natürlich einen viel zu teuren Teppich kauft, und eines Abends besucht der bierdurstige Herr Krüger hoffnungsvoll die „Berlin Bar“, wo es aber nur Herren gibt, die andere Herren mögen. Am Ende trifft er mit dem türkischen Familienoberhaupt auch auf einen Mann, der ein großer Fan des Ringens ist, einem Volkssport in der Türkei.

Horst Krause (73) hat seinen Namen schon seit längerem zum Markenzeichen gemacht: Bis vor kurzem war er als Polizeiwachtmeister Krause im „Polizeiruf 110“ zu sehen, und man kennt ihn mit der privaten Seite derselben Figur auch aus diversen Filmen wie zuletzt „Krauses Geheimnis“ (ein weiterer ist in Planung). Ein wenig erinnert sein neuer Film auch an „Schultze Gets the Blues“, in dem Horst Krause durch die USA gereist ist.

„Paul Krüger führt ein solides Rentnerleben, und er ist ein sehr misstrauischer Mensch, der sicher auch so einige Vorurteile mit sich herumschleppt“, beschreibt Krause seine Rolle. „Aber dann macht er eine Wandlung durch. Er beginnt, dieses Land und seine Kultur mit ganz anderen Augen zu sehen.“

Autor und Regisseur Marc-Andreas Bochert hat einen unaufgeregten und weitgehend klischeefreien Film gedreht; Produzent Thomas Teubner plant bereits eine Fortsetzung.