Pilawa traut sich wieder

Jörg Pilawa ab Montag bringt ab Montag neue „Quizduell“-Folgen.
Jörg Pilawa ab Montag bringt ab Montag neue „Quizduell“-Folgen.
Foto: ARD/Ralph Baiker
Die erste Staffel des Live-Experiments „Quizduell“ ging in die Hose.Trotzdem wagt Moderator Jörg Pilawa einen zweiten Versuch.

Hamburg.. Im vorigen Frühjahr scheiterte Jörg Pilawas Versuch, Fernsehen und digitale Welt beim „Quizduell“ zusammenzubringen. Dennoch startet der 49-jährige Moderator am Montag, 18 Uhr, im Ersten einen neuen Versuch. Jürgen Overkott sprach mit ihm.

Beim ersten „Quizduell“ hat mich fasziniert, wie Sie mit dem Scheitern umgegangen sind. Sind Sie über sich selbst hinausgewachsen?

Jörg Pilawa: Da ist etwas sichtbar geworden, was man sonst nicht mitbekommt: Im Fernsehen passieren unglaublich viele Pannen. Der Zuschauer sieht es normalerweise nicht, weil die meisten Sendungen aufgezeichnet sind, und was nicht geklappt hat, wird einfach rausgeschnitten. Deshalb hat mich im ersten Moment gar nicht geschockt, was beim „Quizduell“ passiert ist. Ich habe einfach das getan, was ich in solchen Situationen immer mache.

Ich glaube, Ihr Verhalten wurde aber auch aus einem anderen Grund als etwas Besonderes wahrgenommen.

Pilawa: Wir haben den Mund so voll genommen. Wir haben gesagt, wir revolutionieren das Fernsehen. Wir waren fasziniert von der Idee, die wir hatten. Und dann starten wir wie ein Sprinter, der aus dem Startloch hochkommt und sich sofort aufs Mett legt. Wir sind so kläglich gescheitert, und mir war im ersten Moment klar, jetzt geht es nur noch weiter, wenn wir uns über uns selbst lustig machen. Das Schöne war aber, dass alle, die Kandidaten und das ganze Team, sofort mitgezogen haben. Aber ganz ehrlich: Das Ganze hätte genauso gut nach hinten losgehen können. Unterm Strich war die Reaktion eher reflexbedingt als rational.

Hatten Sie zwischendurch das Gefühl, jetzt reicht’s?

Pilawa: Natürlich hatte ich das. Aber dann war es auch wieder so unglaublich spannend. Was passiert im nächsten Moment vor der Kamera? Was passiert hinter der Kamera?

Wie haben Sie die Reaktionen aus den sozialen Netzwerken beeinflusst?

Pilawa: Schön, dass sie uns begleiten, ich schätze sie sehr, aber wir machen immer noch Programm für eine schweigende Mehrheit. Also muss ich fragen, wie hat denn eine ältere Dame aus Hamburg-Barmbek das Ganze wahrgenommen? Und ich habe festgestellt, mit Verzögerung kamen auch aus dieser Ecke positive Rückmeldungen. Wir können also für uns in Anspruch nehmen, dass wir die junge Internet-Gemeinde und die Älteren mit ihren Fax-Geräten zusammengebracht haben.

Sie hätten nach der ersten Staffel sagen können: Puh, geschafft, das war’s. Sie machen aber trotzdem weiter. Warum?

Pilawa: Weil ich das Gefühl habe, dass wir etwas nicht zu Ende gebracht haben. Wir wollen wissen, ob es funktioniert, das alte, konservative Fernsehen mit der hippen digitalen Welt zusammenzubringen.

Was hat sich geändert?

Pilawa: Wir haben eine eigene App erstellt. Sie sieht genauso aus wie das Original, aber man muss sie extra ‘runterladen: „Quizduell im Ersten“-App (www.daserste.de). Im Sommer war es so, dass User von der Original-App über einen Button auf eine Internet-Seite geleitet worden sind, die der Masse der Nutzer nicht gewachsen war. Und deshalb sind die Leitungen zusammengebrochen.

Was gibt’s sonst Neues?

Pilawa: Wir haben einige Kategorien dazugenommen: zum Beispiel die Kategorie „70er-, 80er-, 90er-Jahre“ und eine Zufallskategorie, die eine Überraschung ist. Wir haben eine Risiko-Kategorie eingeführt. Und es gibt noch eine Änderung: Für jede Frage, die vom Team Deutschland mit mindestens fünfzig Prozent richtig beantwortet wurde, gibt es einen Zusatzgewinn.

Ist das ein Plädoyer fürs Live-Fernsehen?

Pilawa: Wir müssen uns beim Eventfernsehen viel mehr trauen, etwas live zu machen. Ganz ehrlich: Wir sind beim Fernsehen so steril geworden, dass da nichts mehr passiert, und das ist nicht gut. Das Leben ist auch nicht so. Jeder Tag ist anders. Das ist live.