Pferdefleisch-Skandal - bislang 27 positive Tests in NRW
23.02.2013 | 12:10 Uhr 2013-02-23T12:10:02+0100
Berlin. In 67 Fällen wurde inzwischen in falsch deklarierten Fertigprodukten Pferdefleisch nachgewiesen; NRW liegt mit 27 positiven Labortests an der Spitze. Unterdessen geht der Streit um den Vorschlag weiter, aussortierte Lebensmittel mit Pferdefleisch an Arme zu verteilen.
In Deutschland ist nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums bis Freitagabend in 67 Fällen Pferdefleisch in falsch etikettierten Fertigprodukten nachgewiesen worden. Ein Sprecher von Ministerin Ilse Aigner (CSU) sagte "Bild am Sonntag", bisher seien von den Kontrollbehörden der Länder insgesamt 830 Analysen auf Pferde-DNA gemacht worden.
An der Spitze bei den positiven Labortests ist danach Nordrhein-Westfalen mit 27 Fällen, gefolgt von Hessen (13), Baden-Württemberg (8) und Bayern (8). Weitere betroffene Länder sind Mecklenburg-Vorpommern (5), Brandenburg (4) und Hamburg (2).
Die Tests der Länderbehörden dauerten weiter an. Ministeriumssprecher Holger Eichele sagte dem Blatt, dass bisher bei keiner Analyse das für Menschen gesundheitsschädliche Pferde-Medikament Phenylbutazon nachgewiesen worden sei.
Streit um aussortierte Lebensmittel
Unterdessen geht der Streit um den Vorschlag weiter, aussortierte Lebensmittel mit Pferdefleisch an Arme zu verteilen . Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hartwig Fischer hatte angeregt, aus den Läden genommene Produkte wie Lasagne mit undeklarierten Pferdefleisch-Anteilen nicht voreilig zu vernichten. Er schlug vor, die Produkte, die nicht gesundheitsgefährdend seien, korrekt zu deklarieren und Hilfsorganisationen zur Verfügung zu stellen.
Rossbraten oder Pferdeklöpse: Wenige Metzger haben sich auf diese umstrittenen Delikatessen spezialisiert. Zum Schlachter kommen vor allem alte Gäule. Der Skandal um falsch deklariertes Fleisch hat die bislang wenig beachtete Branche in den Blickpunkt gerückt.
Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) unterstützte diesen Vorschlag: "Über 800 Millionen Menschen weltweit hungern. Und auch in Deutschland gibt es leider Menschen, bei denen es finanziell eng ist, selbst für Lebensmittel. Ich finde, da können wir hier in Deutschland nicht gute Nahrungsmittel einfach wegwerfen", sagte er der "Bild"-Zeitung (Samstag).
Auch die Evangelische Kirche (EKD) warnt vor voreiliger Vernichtung der Pferde-Lasagne. Prälat Bernhard Felmberg: "Lebensmittel zu vernichten, die ohne Risiko genießbar wären, ist ähnlich schlimm wie Etikettenschwindel."
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles bezeichnete dagegen Fischers Vorschlag als menschenverachtend und unwürdig. "Das ist eine Beleidigung für Menschen mit wenig Einkommen. Ich erwarte, dass er sich dafür entschuldigt", sagte sie der "Bild". "Die Produkte, die schadstoffhaltiges Fleisch enthalten können, müssen entsorgt werden." Grünen-Fraktionschefin Renate Künast meinte: "Hinter der absurden Idee von Fischer steht, dass es beim Essen Menschen zweiter Klasse gibt. Wir wollen aber gute Qualität für alle." (dpa)

21:17
Harte Strafen für die Betrüger wären die richtige Antwort.... aber Politik und Wirtschaft sind ja so eng verbandelt...also bleibt alles beim alten.... schönen Tag noch..
19:35
ist die Karikatur darüber.
Ansonsten kann ich meinen Vorrednern/ -schreibern nur anschließen:
Da Pferde normalerweise nicht gemästet werden und der Anteil am Produkt eher gering sein dürfte, ist das Verteilen oder Verkaufen kein Problem.
Sollte ich allerdings selbst auf solche Spenden angewiesen sein, wäre es mir eine Freude, das Zeug dem vorschlagenden Minister umgehend durchs Fenster zu werfen allein ob der "Großzügigkeit"- er hat bestimmt eine Mikrowelle in der Nähe und kann die Mahlzeit selbst verzehren.
Ansonsten sei noch gesagt, daß Pferd durchaus lecker ist, ob nun als Sauerbraten oder Fleischwurst. Allerdings sollte man wie zu Wild einen Rotwein dazu kredenzen.
16:28
"Er schlug vor, die Produkte, die nicht gesundheitsgefährdend seien, korrekt zu deklarieren und Hilfsorganisationen zur Verfügung zu stellen."
Die Damen von SPD und Grünen sollten sich mal eine Lesebrille kaufen. Es wurde ausdrücklich gesagt, WENN es nicht gesundheitsgefährdend ist, usw. usw... Ich verstehe schon nicht, warum die Produkte überhaupt vom Markt genommen oder von den Kunden zurückgegeben werden sollen. Vorausgesetzt, das Fleisch ist nicht verseucht, kann man es doch essen. In Tortellini z.B. ist so wenig Fleisch enthalten, der Rest sind andere Zutaten. Ich meine auch, man muss nichts wegwerfen, sondern sollte die Lebensmittel korrekt beschriften und dann ggf. verschenken oder preiswerter verkaufen. Dass die Bedürftigen sich als zweitklassig beleidigt sehen, verstehe ich nicht, davon war nie die Rede, sondern nur davon, dass man die Sachen verschenken könnte. Vernichten wäre Verschwendung, vor allem, weil ja auch viele andere Zutaten weg kämen wie Gemüse, Käse, Gewürze.
15:27
Dopingmittel und Medikamentenrücksteände durch Stichproben weitgehend ausschließend, und dann einfach mal zur Kenntnis nehmen, was das Pferd seit Urzeiten war und ist. Etikettenschwindel ist das eine - die Qualität der Ware das andere.
14:08
"Ich finde, da können wir hier in Deutschland nicht gute Nahrungsmittel einfach wegwerfen"
"Lebensmittel zu vernichten, die ohne Risiko genießbar wären, ist ähnlich schlimm wie Etikettenschwindel."
Das passiert in Deutschland täglich mit zig Tonnen guter Lebensmittel in den Supermärkten, bei Landwirten, in Bäckereien - und natürlich auch in den Haushalten.
Dagegen ist das bisschen Pferdefleischlasagne nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein, also setzt doch erst mal da an wo die Probleme wirklich sind!