Peter Weck vollzieht einen Image-Wandel

Paul (Peter Weck) will aus dem Altersheim flüchten und packt eilig - eine Szene aus dem österreichischen "Tatort"-Fall "Paradies"
Paul (Peter Weck) will aus dem Altersheim flüchten und packt eilig - eine Szene aus dem österreichischen "Tatort"-Fall "Paradies"
Foto: ARD Degeto
Mit der Rolle als Mörder im "Tatort" gibt der 84-jährige Peter Weck mal einen ganz anderen Charakter. Auch im neuen Jahr will er weiter ungewohnte Rollen spielen.

Wien.. Es war eines der überraschenden Comebacks des Jahres 2014: Peter Weck kehrte nach zweijähriger Pause auf den Bildschirm zurück. Er spielte einen mordenden Rentner im „Tatort“ aus Österreich. Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau Ingrid hatte der 84-Jährige seine Karriere fast schon beendet. Im Interview mit Ulrike Wessels spricht der Schauspieler über neue Angebote und wiedergewonnenen Lebensmut.

Sie kommen von Dreharbeiten in Berlin. Was ist das für ein Projekt?

Peter Weck: Ich spiele in einer neuen Folge der Reihe „Engel der Gerechtigkeit“, die 2015 im ZDF laufen soll. In „Tod oder Geld“ spiele ich jemanden, dessen Frau in einem Krankenhaus im Koma liegt. Der Mann lässt sie bei Herzstillstand immer wiederbeleben, weil er mit ihr noch die Goldene Hochzeit feiern will. Sein Sohn will die Geräte abstellen lassen. Eine tragische Figur und eine dramatische Rolle.

Das sind Rollen, die Sie früher nicht so oft gespielt haben.

Weck: Ja, solche Rollen sind neu. Gekonnt hätte ich das früher auch, aber die Angebote waren andere, eben eine Schiene, die mich jetzt nicht mehr interessiert.

Der erfolgreiche Auftritt im österreichischen „Tatort“ im September war die Initialzündung für Ihr kleines Comeback?

Weck: Ich habe jetzt zwei Jahre pausiert. Die Pause habe ich nach dem Tod meiner Frau gebraucht. Erst dann war ich bereit, wieder etwas zu tun, und da flatterte mir dieses „Tatort“-Buch in die Hände. Der Autor sagte, beim Schreiben habe er bei dieser Figur an mich gedacht. Und so habe ich das Buch gelesen und war begeistert. Ich habe in meinem Leben ja so viel gespielt, im Theater die Klassiker rauf und runter. Jetzt sind viele überrascht, dass ich lieber ernste Rollen spiele, die einem auch das Können abverlangen. Das ist ja rührend, aber eigentlich traurig. Für mich ist das kein Thema.

Haben Sie früher manchmal mit den Rollen gehadert?

Weck: Nein, natürlich werde ich von Leuten angesprochen, die sagen: „Sie haben uns im Leben so viele schöne Stunden bereitet.“ Schön. Also war meine heitere Seite nicht ganz umsonst. Zum Mord habe ich jedenfalls niemanden angestiftet, aber zum Lachen gebracht. Das waren früher eben Unterhaltungsfilme mit mir, mit Georg Thomalla, Theo Lingen und anderen. Da waren wir immer die komischen Reifenhalter.

Haben Sie während Ihrer zweijährigen Pause gar nicht mit dem Drehen geliebäugelt?

Weck: Nein, ich habe mit dem Gedanken gespielt aufzuhören. Andere stürzen sich in so einer Situation in die Arbeit. Die verlieren ihren Partner und gleich geht es weiter – als würden sie nur ein neues Hemd anziehen. Das konnte ich nicht. Dafür war der Mensch zu wertvoll. Aber man muss sich ja besinnen und zur Kenntnis nehmen, dass das Leben weitergeht.

Wie haben Sie Ihren Lebensmut dann doch wiedergefunden?

Weck: Meine Kinder haben mir geholfen, Freunde und Kollegen, die gesagt haben: „Aufhören darfst du nicht. Man braucht dich“ und „Bitte kein Peter-Alexander-Syndrom und mit allem aufhören und Schluss machen.“ Ich war nicht weit entfernt davon. Nun ist es anders gekommen. Ich bin ein Kämpfer.

Sie haben mal gesagt, ein Leben im Altersheim können Sie sich nicht vorstellen. Ist die Arbeit auch ein Mittel, um fit zu bleiben?

Weck: Ich bin mit einem unvorhergesehenem Treffer vom Schicksal eingeholt worden, weil meine Frau so gesund und vital und lustig und lebendig war. Man weiß ja nie, was das Schicksal noch mit einem vor hat. Natürlich strebe ich das Altersheim nicht an, aber wer weiß, wie krank man mal wird? Ich möchte auch niemandem zur Last fallen und habe mich so abgesichert, dass ich mir jemanden leisten kann, der mich pflegen würde. Und natürlich habe ich Rückhalt bei meiner Tochter und meinem Sohn. Bei Besuchen in Altersheimen habe ich die Tristesse gesehen. Das ist ja nicht erhebend – außer man hat sich schon aufgegeben. Und das habe ich nicht vor. (dpa)

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