Pekings Taxifahrer fahnden nach kritischen Tischtennisbällen

Taxi-Fahrer in Peking haben strenge Anweisungen bekommen, unter welchen Umständen sie Passagiere während des Parteitags der Kommunistischen Partei befördern dürfen.
Taxi-Fahrer in Peking haben strenge Anweisungen bekommen, unter welchen Umständen sie Passagiere während des Parteitags der Kommunistischen Partei befördern dürfen.
Foto: Thinkstock
In einer Woche beginnt in China der Parteitag der Kommunistischen Partei. Für die Bürger in Peking verändert das Großereignis den Alltag: Blumenschmuck und Uniformen prägen das Stadtbild, vor allem aber gelten strenge Sicherheitsregeln. Da werden selbst Tischtennisbälle zur Gefahrenquelle.

Peking.. In Peking mit dem Taxi zu fahren heißt aufpassen. Schlenker und Umwege sind ein beliebtes Mittel, den Fahrpreis hochzutreiben – gerade, wenn der Passagier nicht wie ein Chinese aussieht. Wer in den kommenden Tagen das Gefühl hat, dass sein Fahrer nicht den direkten Weg nimmt, ist allerdings nicht unbedingt an einen Abzocker geraten. Vermutlich hält er sich einfach an eine der Regeln, die für Taxifahrer während des Parteitags der Kommunistischen Partei gelten.

Dass es diese Regeln gibt, kann man in staatlichen Medien nachlesen. Was genau sie umfassen wurde dank eines Fotos beim chinesischen Twitter-Gegenstück Sina Weibo bekannt. Die Liste der Vorgaben zeigt: Wenn sich die Spitze der Partei frisch aufstellt und aus ihrer Mitte den neuen starken Mann im Staat bestimmt, bleibt kein Detail des Alltags unkontrolliert.

Umwege fahren, so dass es der Fahrgast nicht merkt

"Findet sich ein Fahrer während des Parteitags auf einer Strecke, die durch eine politisch relevante Gegend führen würde, muss er einen Umweg fahren", heißt es da etwa. Was ist eine politisch relevante Gegend? Keine Angaben. Was, wenn es der Kunde merkt? "Achten Sie auf ein Vorgehen, mit dem Sie unnötige Konflikte mit Fahrgästen vermeiden." Diskrete Umwege sind also gefragt.

Chancen, empört auszusteigen, hat der Passagier ohnehin nicht: Taxifahrer sind angewiesen, die Kindersicherung an den Türen zu aktivieren und die Griffe abzumontieren, mit denen sich die Fenster herunterkurbeln lassen. Und elektrische Fensterheber? "Da hieß es, es ist den Fahrern überlassen, ob wir sie sperren oder nicht", zitiert die staatliche Zeitung China Daily einen Taxifahrer.

Tischtennisbälle und Modellflugzeuge auf der roten Liste

Umwege fahren also, Fenster und Türen sperren – und das ist noch nicht das Absurdeste, was den Taxifahrern in Peking während des Parteitages auferlegt wird. Denn hinter all den Regeln steckt die Furcht, ein Passagier könnte aus dem Taxi heraus demonstrieren. Indem er Flugblätter aus einem eigenmächtig heruntergekurbelten Fenster wirft zum Beispiel. Oder doch Protestballons?

"Während des 18. Parteitags haben Taxifahrer auf Passagiere zu achten, die wie auch immer geartete Bälle bei sich tragen", lautet Absatz zwei der Parteitags-Regeln für Taxifahrer. Besonderes Augenmerk solle dabei solchen Passagieren gelten, die "Botschaften verbreiten wollen, indem sie Ballons mit Slogans bei sich tragen oder Tischtennisbälle, die mit reaktionären Aussagen beschriftet sind."

Nur, wer auf einer unverdächtigen Route, bei geschlossenem Fenster und ohne subversive Tischtennisbälle unterwegs ist, hat also auch während des Parteitags eine Chance, mit dem Taxi von A nach B zu kommen. Falls B ein Spielwarenladen ist, lauert spätestens dort dann allerdings doch die Enttäuschung: Bis die Partei fertig getagt hat, sind etwa ferngesteuerte Modellflugzeuge aus den Regalen verbannt. Schließlich könnte man aus denen Flugblätter streuen. Oder die Tischtennisbälle abwerfen, die der Taxifahrer partout nicht ans Ziel bringen wollte.