Patient in Großbritannien stirbt an SARS-ähnlicher Krankheit

Immer wieder sorgen gefährliche Viren für Aufsehen. Wie 2009 in Hongkong, schützen sich Menschen  in gefährdeten Gebieten mit Atemmasken.
Immer wieder sorgen gefährliche Viren für Aufsehen. Wie 2009 in Hongkong, schützen sich Menschen in gefährdeten Gebieten mit Atemmasken.
Foto: afp
Was wir bereits wissen
In der englischen Stadt Birmingham ist ein Patient nach der Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Der Erreger ähnelt SARS, dem Schweren Akuten Respiratorischen Syndrom. Daran waren 2003 mehrere hundert Menschen gestorben. Wissenschaftler warnen nun vor einem neuen, gefährlichen Typ des Virus.

London.. Ein Patient in Großbritannien ist nach der Infektion mit einem dem SARS-Erreger ähnelnden Virus gestorben. Der Mann sei in einem Klinikum in Birmingham behandelt worden, wo er schließlich am Sonntag starb, berichtete der britische Sender BBC am Dienstag unter Berufung auf einen Krankenhaussprecher.

Außer ihm seien noch zwei weitere Familienmitglieder an dem sogenannten Coronavirus erkrankt. Einer der drei habe sich offenbar auf einer Reise in den Nahen Osten und Pakistan damit infiziert, hieß es in dem Bericht weiter. Bislang habe es weltweit sechs Todesfälle nach der Infektion mit diesem speziellen Coronavirus gegeben.

Das Schwere Akute Atemwegssyndrom kurz SARS wird vom SARS-Coronavirus ausgelöst. Betroffene leiden unter anderem an den Symptomen einer schweren Lungenentzündung. Bei einer SARS-Epidemie 2003, die damals in China ausbrach, starben in 30 Ländern etwa 800 Menschen.

Wissenschaftler warnen vor neuem Coronavirus

Derweil warnen Experten vor einem neuen gefährlichen Typen des Coronavirus. Es kann die Immunabwehr in den Atemwegen des Menschen ähnlich leicht umgehen wie bestimmte Erkältungs- oder Sars-Viren. Zu diesem Schluss kommen internationale Wissenschaftler um ein Team vom Kantonspital in St. Gallen (Schweiz) nach Laborversuchen. Die Experten berichten im Online-Journal "mBio®"der Amerikanischen Gesellschaft für Mikrobiologie (ASM) auch, dass Patienten womöglich mit einer Immuntherapie behandelt werden könnten.

Das Virus war erstmals im vergangenen Juni bei einem Mann aus Saudi-Arabien aufgefallen, der an einer schweren Atemwegsinfektion und Nierenversagen starb. Bislang sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) insgesamt zwölf Krankheitsfälle bekannt geworden, fünf Menschen starben an der Infektion mit dem Coronavirus. Fast alle Patienten waren in Ländern des Nahen und Mittleren Ostens gewesen.

Vom Tier auf den Menschen übertragbar

Das Coronavirus ist nach Angaben der Studienautoren um Volker Thiel und Ronald Dijkman eng mit Fledermaus-Viren verwandt. Das lege nahe, dass die Erreger von Tieren auf den Menschen übergegangen sein müssen. "Wir wissen nicht, ob die Fälle, die wir beobachten, die Spitze des Eisbergs sind oder ob viel mehr Menschen infiziert sind, ohne schwere Krankheitssymptome zu zeigen", wird Thiel nun in einer Mitteilung der Fachgesellschaft AMS zitiert.

Das Team vom Institut für Immunbiologie in St. Gallen experimentierte mit Gewebekulturen von menschlichen Zellen aus den Atemwegen. Die Atemwege sind mit sogenannten Epithelzellen ausgekleidet, in denen Zellen und Stoffe des angeborenen Immunsystems sitzen. Diese dienen dazu, Krankheitserreger zu erkennen, zu bekämpfen und eine umfassende Reaktion des Immunsystems in Gang zu setzen.

Studie am Menschen

Für die Studie infizierten die Wissenschaftler Epithelzell-Kulturen von drei verschiedenen Menschen. Die Coronaviren vermehrten sich in diesen Zellen überraschend wirkungsvoll und anfangs schneller als Sars-Viren, hieß es. Sie umgingen die angeborene Immunabwehr ähnlich gut wie verschiedene Erkältungsviren. Die Viren seien damit gut an den Menschen angepasst.

Serie Um die schwache Immunreaktion zu verbessern, behandelten die Forscher die Gewebezellen mit Interferonen, bevor sie die Zellen mit Viren infizierten. Den Angaben zufolge befielen die Viren daraufhin weniger Zellen. Interferone sind Eiweiße, die das Immunsystem stimulieren und vom Körper selbst hergestellt werden. Patienten mit Viruserkrankungen wie Hepatitis C oder eben Sars werden mit Interferonen behandelt. Die Ergebnisse seien ermutigend, dass damit eine Therapiemöglichkeit bestehe für Patienten mit dem neuen Coronavirus, hieß es. Weitere Studien seien jedoch dringend notwendig.

Erst kürzlich hatte die WHO nach einem neuen Erkrankungsfall zu Wachsamkeit aufgerufen. Der aktuelle Fall sei ein weiteres Indiz, dass eine Übertragung des Erregers von Mensch zu Mensch möglich sein könnte, erklärte die WHO in Genf. Eine solche direkte Ansteckung sei zwar bislang nicht nachgewiesen worden, jedoch sei Vorsicht geboten. In allen Staaten sollten Gesundheitseinrichtungen Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen und ungewöhnlichen Symptomen auf das neue Coronavirus testen. (dapd/dpa)