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Buchrezension

Vom artgerechten Umgang mit Frauen

16.06.2010 | 09:49 Uhr
Vom artgerechten Umgang mit Frauen

Essen.Die Frau ist für die meisten Männer ein größeres Mysterium als die Relativitätstheorie oder die Popularität von Johannes B. Kerner. Ein neues Buch soll das unbekannte Wesen näher bringen, doch es verliert sich leider in Plattitüden.

„Vom artgerechten Umgang mit Frauen - Warum Männer mehr wissen, aber weniger begreifen“ – allein der Titel lässt schon Böses befürchten. Klingt er doch sehr nach Witzen auf Mario-Barth-Niveau. Doch der Blick auf den Buchrücken lässt zunächst aufatmen: So ist der Autor Rainer K. Liedtke Mediziner und Lehrbeauftragter, so dass man hofft, der Verlag habe den Titel nur gewählt, um auch weniger Buch-affine Käuferschichten anzusprechen.

Und mal Hand auf’s Herz: Welchem Mann wären es nicht 12,95 Euro wert, die oftmals so mysteriöse Spezies Frau besser zu verstehen? Die Investition ist geradezu lächerlich in Anbetracht von teuren Hormon-Sprays, Dating-Seminaren oder kostenpflichtigen Partnerbörsen. Doch wer sich von dem Buch die Lösung sämtlicher Frauen-bedingter Probleme erhofft, der wird leider bitter enttäuscht.

Männer sind triebgesteuerte Neandertaler

Quelle: Verlag

Denn die Quintessenz des Buchs lässt sich auf folgende Aussagen reduzieren: Männer wollen ihre Chancen auf Sex durch ihren Status erhöhen und sind deshalb durch die Bank verbissene Alpha-Männchen, die mittels Ellbogeneinsatz nach oben kommen wollen. Überspitzt gesagt, hätten sich Männer seit der Steinzeit nicht grundlegend verändert. Nur anstatt die Frau ihrer Wahl mit einem Holzknüppel zu betäuben und in ihre Höhle zu zerren, nutzten sie heutzutage Twitter und Facebook als Balzportale.

Die Frau hingegen sehnt sich nach der Ansicht von Rainer K. Liedtke nach einem Beschützer und weist eine wesentlich höhere Empathie und emotionale Intelligenz auf als der rationalere Mann. Zwar gebe es auch einige „Amok-Hennen“ (Liedtkes weibliche Anaologie für das Alpha-Männchen), doch diese seien in der Summe vernachlässigbar.

Wer hier an ein Rollenverständnis denkt, das ungefähr in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts angesiedelt ist, der liegt nicht ganz falsch. Der Autor neigt leider dazu, viel zu stark zu generalisieren und verliert sich somit leider in Allgemeinplätzen. Die wenigen wirklich interessanten Passagen des Buches – vor allem über die Hirnstruktur - beendet Liedtke voreilig mit einem „Ich habe mich entschlossen, Ihnen dieses System nicht noch systematisch anatomisch aufzubröseln“.

Lesefluss leidet unter der Zerstückelung des Buches

Dabei krankt das Buch geradezu an seiner Verknappung. Denn auf 138 Din A5-Seiten packt der Autor zehn Kapitel mit mehr als 70 Gliederungspunkten. Dass da kein Platz für eine differenzierte Herangehensweise bleibt, ist offensichtlich. Des Weiteren stört der ständig gleiche Aufbau den Lesefluss ungemein: Einleitung des Themas, kurze Abhandlung, Spekulation seitens des Autors am Schluss.

Fazit: Dieses Buch wird wohl nicht der erhoffte Durchbruch in der schwierigsten aller mennschlichen Beziehungen, nämlich der zwischen Mann und Frau. Doch weil sich in diesem Bereich anscheinend seit der Steinzeit wenig getan hat, sollte man(n) auf eine baldige Besserung ohnehin nicht unbedingt hoffen.

Liedtke, Rainer K.: „Vom artgerechten Umgang mit Frauen – Warum Männer mehr wissen, aber weniger begreifen“ Pharmed Media. 138 Seiten, 12,95 €. ISBN: 978-3-00-028405-2

 

Sebastian James Brunt

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