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Buchrezension

Vierfache Mutter kämpft gegen „Mütterpolizei“

27.10.2010 | 06:49 Uhr
Vierfache Mutter kämpft gegen „Mütterpolizei“
Berufstätige Mütter sind anderen Frauen manchmal ein Dorn im Auge. Foto: imago
Ein Lied für Mama

Essen.Viele Frauen sind nicht nur Mütter und Ehefrauen, sondern auch die brutalsten Beamten der Mütterpolizei. Sie wollen allgemeingültig entscheiden, wie sich eine gute Mutter zu verhalten hat. Ayelet Waldman hält mit dem Buch „Böse Mütter“ dagegen.

Dass sie ihren Mann mehr liebt als ihre Kinder, hatte Ayelet Waldman einst in der „New York Times“ gestanden – und damit nahezu unvorstellbare Hasstiraden auf sich gezogen. In Blogs wurde sie beschimpft, als verrückt, bösartig und gefährlich. Einige wollten ihr gleich die Kinder wegnehmen und zerrten sie sogar in die berühmte Oprah-Winfrey-Show, um sie dort ins Kreuzverhör zu nehmen.

Video
Katja und Karl-Heinz Seegers haben acht Kinder. Unser Video porträtiert die Großfamilie.
Das Buch ist im Klett-Cotta-Verlag erschienen. ISBN: 978-3-608-94616-1. Preis: 17,95 Euro.

Über die Erlebnisse mit ihren vier Kindern und die von ihr so titulierte „Mütterpolizei“ hat Ayelet Waldman ein Buch geschrieben. „Böse Mütter“ heißt das biographische Werk, das viele Geschichten enthält, manchmal einfach aus dem Leben gerissen, ohne erkennbaren roten Faden. Stark sind allerdings die Passagen, in denen sich Waldman mit dem Ideal der perfekten Mutter auseinandersetzt und die Übermütter aufs Korn nimmt, die sich für ihr Kind selbst verleugneten und ihre Leidenschaft von ihren Männern schon längst auf den Nachwuchs übertragen hätten. Waldman, die durch den Kampf in den Niederungen der Blogs und Mütter-Foren gestählt ist, hätte sich zutrauen sollen, aus dem Buch eine komplette Streitschrift und die Mütter wieder zu dem zu machen, was sie sind: ganz normale Frauen mit Stärken und Schwächen – und eigenen Bedürfnissen.

Als Mutter ohne Job gelangweilt

Ayelet Waldman selbst sieht sich auch nach vier Geburten und einem aufregenden Job als Strafverteidigerin immer noch als Ehefrau und als Teil eines Teams. Mit ihrem Mann Michael Chabon teilt sie in Kalifornien Hausarbeit und Kindererziehung, wozu er vom ersten Tag der Beziehung an bereit war. Dennoch gab Waldman ihren Beruf nach der Geburt des ersten Kindes auf, weil sie ihrem Mann neidete, dass er den ganzen Tag die Zeit mit seiner Tochter verbringen konnte. Doch ohne Beruf langweilte sie sich: „Der Spielplatz wurde zur Hölle aus Schaukeln, Schaukeln, Schaukeln, vergessenen Safttüten und bockelharten Sand-Schnodder-Krusten auf der Oberlippe.“ Sie begann, wie ihr Mann, zu schreiben.

Wenn Waldman im Internet surft, fällt ihr immer wieder auf, dass „wir Frauen die brutalsten Beamten der Mütterpolizei sind“. Was sie dabei besonders ärgert: „Eine streng unwissenschaftliche Umfrage in Familie und Freundeskreis ergab, dass niemand Schwierigkeiten hatte, einen guten Vater zu definieren.“ Der sei einfach da und zeichne sich schon allein durch Anwesenheit aus – „beim Abendessen, bei Schulkonzerten und Sportwettbewerben“. Den Anforderungskatalog einer Mutter zu erfüllen, sei dagegen unmöglich. Und hanebüchen ist die Auffassung einer Befragten: „Eine gute Mutter nimmt sich nur soviel Zeit für sich selbst, dass es dem Selbstwertgefühl der Kinder nicht schadet.“ Die Mütterpolizei würde überzeugt nicken – und sich noch nicht einmal wundern, dass es gar keine Väterkriege gibt, dass Männer Fehler machen dürfen und sich dabei nicht gleich als Vater in Frage stellen.

Beim Thema Erziehung mischen sich auch Fremde ein

In modernen Familien sind Mutter und Vater gleichermaßen für die Erziehung der Kinder verantwortlich. Foto: imago

Ob eine Mutter noch Sex haben darf, wie sie das Kind auf die Welt bringen soll oder ob sie mit Flaschennahrung ihrem Säugling schadet – gute Ratschläge von außen kommen zuhauf, in der Regel ungefragt und manchmal sogar von Fremden in der Bäckerei. Ayelet Waldman stellt die einzig richtige Frage: „Können wir uns nicht einfach alle mal in Ruhe lassen?“ Und wagt sich an eine Erklärung, warum beim Thema Erziehung viele ihren „inneren Zankteufel“ loslassen: „Vielleicht, weil es einfach um so viel geht. Wenn andere Eltern etwas anders machen, bedeutet das, dass wir womöglich etwas falsch machen.“ Also verkauften etliche Mütter ihre Entscheidungen als die besten und vergäßen, dass unterschiedliche Leute unterschiedliche Vorlieben haben.

Und so nimmt sich Waldman in dem amüsanten Kapitel „Die Mütter in mir“ eine besonders nervende und besserwisserische Gruppe vor, die Kindergarten-Mamis. Diese strichen auch schon einmal alle Väter von der Mailingliste, „weil es ja genüge, wenn die Mütter über Ausflüge und Stundenplanänderungen Bescheid wüssten“. Pizzatage, stundenlanges Obst schnibbeln fürs Kindergarten-Frühstück oder das Waschen der Klamotten aus der Verkleidungsecke sähen sie als Privileg, nicht als lästige Pflichtaufgabe. Und wer finde, dass im Kindergarten vorrangig die Kinder – und nicht die Eltern – beschäftigt werden sollten, bekomme spontan den Stempel „Schlechte Mutter“.

Waldman nimmt es gelassen, besonders bei den Kindern zwei, drei und vier. Mit jedem sei sie entspannter geworden – sowohl bei Kindergarten-Diensten als auch bei der Dokumentation der ersten Lebensjahre in Fotos und Videos. Mit jedem Kind gab es anschließend weniger zu gucken. War Ayelet Waldman, so sagt sie selber, bei der Erstgeborenen noch unsicher und teilweise streng, musste sie bei den anderen Kindern schon „richtig schauspielern“, wollte sie einmal streng sein. Das zweite Kind habe sie mit Zuneigung überschüttet und es sogar zwei Jahre und neun Monate gestillt. Zu dem Zeitpunkt konnte der kleine Junge sogar schon sagen: „Milch alle, andere Seite bitte.“

Corinna Weiß

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Kommentare
31.10.2010
22:57
Vierfache Mutter kämpft gegen „Mütterpolizei“
von feierabend | #10

Und am allerschlimmsten sind die Mütter, die alle anderen, ihre gesamte Umwelt erziehen, nur nicht ihre eigenen Kinder neben diejenigen, die nur weil sie meinen ihre eigenen Kinder gut zu erziehen dasselbe stets von ihrer Umwelt verlangen.

31.10.2010
20:06
Vierfache Mutter kämpft gegen „Mütterpolizei“
von Kessie | #9

@8
doch macht aber Spaß!

31.10.2010
11:56
Vierfache Mutter kämpft gegen „Mütterpolizei“
von Single-Frau | #8

Man sollte sich halt gar nicht erst vermehren, ist eh zu nichts gut.

28.10.2010
22:05
Vierfache Mutter kämpft gegen „Mütterpolizei“
von Kessie | #7

Mütter sind auch nur Menschen! Und haben das Recht auf eine Auszeit. Solange die Kinder vom Vater betreut sind, oder anderweitig gut versorgt, spricht da auch nichts gegen.

28.10.2010
21:01
Vierfache Mutter kämpft gegen „Mütterpolizei“
von feierabend | #6

Noch schlimmer sind allerdings die Mütter, die sich für übermütter halten, ohne sie zu sein!
alles andere kann gar nicht mehr so schlimm, nervend, mühselig, zeitraubend und einfach nur extrem peinlich sein.

28.10.2010
15:49
Vierfache Mutter kämpft gegen „Mütterpolizei“
von wimmel | #5

Geschätzte 70 % der Jungmütter spinnen und halten sich für den Nabel der Welt, die meißten haben keine Kinder sondern Prinzen und Prinzessinnen.

27.10.2010
15:36
Vierfache Mutter kämpft gegen „Mütterpolizei“
von leistungsbetrug.blog.de | #4

Ja, es sind Trottel

27.10.2010
13:36
Vierfache Mutter kämpft gegen „Mütterpolizei“
von Ruhrdyke | #3

...was sind scemi-trottel?

27.10.2010
09:21
Vierfache Mutter kämpft gegen „Mütterpolizei“
von scemi-trottel.blog.de/ | #2

Ich war mit so einer verheiratet.
meine armen Töchter.....

Scemi-Trottel gibt es überall

27.10.2010
07:08
Vierfache Mutter kämpft gegen „Mütterpolizei“
von bookeaterin | #1

Solche Mütter kenn ich auch lol - ich hab das Gefühl die kannte unseren Kindergarten

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