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Kontroverse

Studie: Kinderlose Frauen im Job benachteiligt

28.05.2009 | 09:25 Uhr

London. Kinderlose Frauen werden bei Beförderungen übergangen, weil Chefs sie für `kalt, komisch und emotional fehlerhaft" halten. Diese Beobachtung der englischen Wissenschaftlerin Dr. Caroline Gatrell sorgt im Königreich für hitzige Kontroversen und einen neuen Grabenkrieg in der Bürowelt.

Kinder und Job zu vereinbaren, das ist ein Balanceakt, nebenbei  Karriere zu machen ein noch größeres Problem. Doch offenbar kämpfen  nicht nur Mütter im Büro mit Schwierigkeiten - auch Kinderlosigkeit  bremst laut Gatrell Frauenkarrieren aus. Vorgesetzte `verteufeln"  Kolleginnen ohne Nachwuchs, stellen sie ungern ein und befördern sie  seltener, weil sie das `Gefühl" haben, ihnen fehle es an  "grundlegender Menschlichkeit". "Frauen, die offen und explizit lieber eine Karriere verfolgen als  Mutter zu werden, werden im Job verschmäht und leiden an enorm  unfairer Behandlung", erklärt die Forscherin von der Lancaster  University Management School.

Info
Die Studie

Caroline Gatralls Studie ist vor allem für ihre Beobachtungen zu kinderlosen Frauen aufgegriffen worden.

 Tatsächlich aber  konzentriert sie sich auf  die Situation von Müttern im Job: "Trotz  vieler Gleichstellungsgesetze müssen sie immer noch kämpfen: Sie  trauen sich nicht, ihrem Chef zu sagen, dass sie schwanger sind, da  diese Nachricht meist als unangenehm aufgefasst wird. Sie nehmen  sich für wichtige Untersuchungen nicht frei - weil sie zu spüren  bekommen, wie sehr das den Betrieb stört. Mache wissen genau, wie  sie nach der Babypause behandelt werden - entweder kündigen sie  daher gleich den Job oder tilgen während der Arbeitszeit jeden  Anschein ihres Mutterseins."

"Oft ist dies der Grund, warum ihnen  keine Führungsverantwortung für andere übertragen wird." Kinderlose Frauen sehen sich offenbar gleich an mehreren Fronten  diskriminiert: "Im gebärfähigen Alter übergeht man sie für  Leitungspositionen, weil sie zumindest theoretisch ein Baby bekommen  könnten", so Gatrall. Bekommen sie keines, gelten sie schnell als  "herzlose Freaks". In der Zwischenzeit aber müssten sie oft gar  härter und mehr arbeiten als Männer, um die Fehlzeiten jener Mütter  auszugleichen, die wegen kranker Kinder Zuhause blieben.

"Die Untersuchungsergebnisse legen nahe, dass berufstätige Frauen  einfach immer verlieren, egal, für welche Option sie sich  entscheiden", resümiert die Wissenschaftlerin. Sie hat sechs Jahre lang Frauen in der Arbeitswelt erforscht und  Tausende Internetforen durchforstet, in denen sie sich im Schutz der  Anonymität über Büroprobleme austauschen.

Das Kapitel über  Kinderlose sollte eigentlich nur "ein bisschen Balance" in ihre  Studie bringen, die sie Müttern gewidmet hat - Gatrell wollte  zeigen, das auch ihr Berufsleben "nicht immer ein Rosengarten" sei.  Doch die wenigen, nicht repräsentativen Eindrücke haben für eine  heftige Neuauflage feministischer Debatten gesorgt.

"Es scheint, als  ob den Alltagsbeobachtungen vieler Frauen plötzlich eine akademische  Stimme gegeben worden wäre", sagt Gatrell, die selber Mutter ist. Chefinnen haben sich seitdem in Gastbeiträgen zu Wort gemeldet und  kinderlose Mitarbeiterinnen als ewig verkaterte, faule und  übersensible Zicken beschrieben: "Mütter kommen wenigstens nicht zur  Arbeit, um den Vorgesetzten schöne Augen zu machen, sondern weil sie  froh sind, mal aus dem Haus zu kommen." In der BBC konterte hingegen  eine Mittelständlerin mit dem Eingeständnis, nur noch Kinderlose zu  beschäftigen, weil sie zuverlässiger seien. Etwaige  Diskriminierungsklagen umgeht sie, indem sie sich ihr Personal ohne  Stellenausschreibung sucht.

Welche Konflikte Gatrell so arglos angebohrt hat, zeigen auch  britische Internetforen, in denen sich Frauen aus der ganzen Welt zu  Wort melden. Einige berichten, eher von Kolleginnen mit Kindern als  männlichen Chefs schlecht behandelt zu werden: "Büro-Mütter haben  mich vor versammelter Mannschaft über meine Kinderlosigkeit  ausgefragt", sagt eine. "Für das Maß an ungläubigen Nachfragen,  Hochnäsig- und Respektlosigkeit von Müttern finde ich kaum Worte."

Andere berichten, für Kolleginnen einspringen zu müssen, die früh  nach Hause gehen, "um Karnevalskostüme für die Kleinen zu basteln"  oder zu spät zur Arbeit kommen, weil "die Nanny, das Au-Pair-Mädchen  oder die Putzfrau unpünktlich war".

Eine Chefin und Mutter hat einer  Bewerberin wegen deren Kinderlosigkeit die "Fähigkeit zum  Multi-Tasking" abgesprochen. Mütter allerdings bejubeln Gatrells Beitrag: "Juchee", freut sich  eine, "endlich merken die Chefs mal, was sie an uns haben." Die  aufgebrachte Gegenwehr der Kinderlosen entlarve diese wahlweise als  "wütende, merkwürdige Monster" oder als  "Schwarm gefühlskalter  Fische".

Unzählige Angestellte kritisieren in den Foren jedoch vor allem  dies: "Ich bin es satt, wegen Eurer Schulferien immer im Sommer und  über Weihnachten arbeiten zu müssen. Das ist übrigens nicht  kaltherzig, sondern selbstlos von uns."

Um Geringschätzung zu  vermeiden, geben einige gar an, aus medizinischen Gründen kinderlos  zu sein. Feministinnen plädieren derweil für völlig neue Begriffe:  "Wie sind 'kinderfrei', nicht kinderlos." Aufgrund der Resonanz will Gatrall das Thema nun weiter erforschen -  neue Kapitel in diesem Disput sind also vorprogrammiert.

Jasmin Fischer

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Kommentare
28.08.2009
20:30
Studie: Kinderlose Frauen im Job benachteiligt
von franzjos | #20

Nach meinen Beobachtungen ist das Schlimmste überhaupt: Frauen unter Frauen.
Frauen und Männer funktioniert einwandfrei, wobei bei Frauen unter Männern die Frauen oft bevorzugt werden

05.06.2009
12:21
Studie: Kinderlose Frauen im Job benachteiligt
von PersönlichkeitStattGeld | #19

@ Frank L.
Gegenvorschlag: Sie dürfen sich den Opferstatus angeln.
Dafür bekommen Sie dann für gleiche Arbeit weniger Geld, werden in gleichem Maße zurückgestellt, schlechter gestellt, dann auch mal sexuell misshandelt etc.

Wünsche viel Spaß im Leben mit Opferstatus.

*kopfschüttel* Wie blöd kann man (oder Mann?) eigentlich sein? Naja, gibt ja zum Glück genug vernünftige Männer.

05.06.2009
11:19
Studie: Kinderlose Frauen im Job benachteiligt
von Vera | #18

@Frank L. Was hat Benachteiligung mit Opferstatus zu tun ? Ein Opfer würde einfach die Klappe halten und weiterhin die Benachteiligung sang- und klanglos über sich ergehen lassen ... jemand, der kein Opfer ist, wird Mißstände anprangern und darum kämpfen, sich aus diesen zu befreien ... wenn Sie sich als Mann benachteiligt fühlen, dann sollten sie vlt. ebenfalls für gleiche Rechte kämpfen ?

03.06.2009
11:23
Studie: Kinderlose Frauen im Job benachteiligt
von Frank L. | #17

Klar, Frauen werden immer und überall benachteiligt, schon wenn sie auf die Welt kommen, ob kinderlos oder Mütter oder arbeitend oder arbeitslos. Immer sind es arme, bedauernswerte Opfer. Das zahlt sich aus; so ein beständiger Opferstatus ist unendlich viel wert. Dass Frauen sechs Jahre länger leben, nicht zum Bund müssen, keine Todesjobs ausüben, von vorne bis hinten gefördert und geschont werden, muss man ja nicht so rausstellen, es könnte den Opferstatus gefährden und den Sinn des Feminismus in Frage stellen.
Erheiternd sind manche Kommentare hier. Obwohl der Artikel dann doch den Eindruck erweckt, dass vor allem Frauen andere Frauen mobben, wird von Männlein geschrieben, die sich immer behaupten müssen, und von Revierkämpfen in der Wildnis ... Einfach nur putzig!

02.06.2009
17:31
Studie: Kinderlose Frauen im Job benachteiligt
von Babapapa | #16

kann es sein, dass lobbyistin jasmin fischer im text einfach nur ihren unerfüllten kinderwunsch versucht hat zu verarbeiten?

ich hoffe mal, dass der waz-konzern für diese zeilen nicht auch nicht geld bezahlt hat. pr-machwerke gibt es doch zu hauf zum kostenlosen gebrauch!

02.06.2009
14:23
Studie: Kinderlose Frauen im Job benachteiligt
von SoIstEsNunMal | #15

Es gibt immer Gründe, warum Frauen benachteiligt werden. Das hat nichts damit zu tun ob mit oder Kinder, sondern weil es Frauen sind.

01.06.2009
14:07
Studie: Kinderlose Frauen im Job benachteiligt
von Vera | #14

Was für ein ******. Ich muss mich, als alleinerziehende Mutter mit einem Teilzeit-Job immer an den Leistungen der Kolleginnen messen lassen, die Vollzeit tätig sind. D.h. ich muss in Teilzeit dieselbe Leistung erbringen, das selbe Pensum bewältigen. Auch Flexibilität wird von mir erwartet, also mal länger bleiben oder nachmittags noch mal Termine machen. Was ich in der Zeit mit meinem Kind mache, interessiert die Firma nicht, da wird auch keine Rücksicht drauf genommen.
Übrigens sind fast 98% meiner Kolleginnen kinderlos und das ist für sie eher ein Vorteil.

24.05.2009
13:55
Studie: Kinderlose Frauen im Job benachteiligt
von Eviathan | #13

Komisch, sobald die sozial doch angeblich so kompetenten Frauen - ob nun mit angeblich karrierehemmenden Kindern oder nicht - irgendwo aufkreuzen, bricht augenblicklich ein heftiger Mobbing-Grabenkrieg bis aufs Messer aus, vornehmlich zwischen eben diesen Frauen.

Überall, auch im Büro. Und für die Folgen sind natürlich immer andere - vornehmlich die Männer - verantwortlich. Dass man selbst verantwortlich sein könnte - Nein, der Gedanke ist der durchschnittlichen Frau einfach zu abwegig.

Schon mal dran gedacht, dass auf Arbeit jeder eigentlich was anderes zu tun haben sollte (z.B. Arbeiten) und mit Sicherheit keiner Bock auf so was hat?

Ihr nervt.

24.05.2009
06:05
Studie: Kinderlose Frauen im Job benachteiligt
von phaidros52 | #12

Da hat die Jasmin Fischer hoffentlich nur einen Denkfehler begangen und nicht die übliche Feministenmasche angewendet: Im Fettgedruckt steht weil Chefs sie für `kalt, komisch und emotional fehlerhaft halten.
Im Lauftext stellt sich dann heraus, dass es mitnichten die Männer (Chefs) sind, die so urteilen, nein es sind erfolgreiche Frauen:
Chefinnen haben sich seitdem in Gastbeiträgen zu Wort gemeldet und kinderlose Mitarbeiterinnen als ewig verkaterte, faule und übersensible Zicken beschrieben.

Ach ja, und klar ist natürlich auch, dass das Fehlen eines Kindes der EINZIGE Grund dafür ist, dass diese tollen Frauen nicht befördert werden. Nein, es hat nichts damit zu tun, dass sie als Studienfach Seidenmalerei in kleinen toscanischen Tälern gewählt haben.
Merke: 1. Frauen sind immer Opfer, 2. die Männer immer schuld. Sollte sich 2. nicht konstruieren lassen, tritt automatisch 1. in Kraft.
Ph.

23.05.2009
21:21
Studie: Kinderlose Frauen im Job benachteiligt
von MitKind | #11

Kinderlose Frauen im Job benachteiligt......mit Kind erst recht. Hauptsache voll krass im Jammertal benachteiligt. Feministinnen plädieren derweil für völlig neue Begriffe: Wir sind kinderfrei, nicht kinderlos. ...................
Wohl er planlos, und natürlich sind wieder die bösen männlichen Netzwerke dran schuld.
Nett fand ich auch die wissenschaftliche Auswertung von Büro-schwätz-Foren. Was kann da wohl rauskommen?

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