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Online-Scheidung

Scheidungsantrag per Mausklick

27.11.2009 | 07:42 Uhr
Scheidungsantrag per Mausklick

Bochum. Die Trennung per Mausklick wird immer beliebter: Fachjuristen schätzen, dass jährlich 5000 bis 10.000 Paare die neue Möglichkeit nutzen, ihren Scheidungsantrag im Internet zu stellen. Tendenz steigend.

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HINTERGRUND

SCHEIDUNG IN VIER SCHRITTEN

Die online-Scheidung erfolgt in vier Schritten:

1. Im Internet wird das Scheidungsantragsformular ausgefüllt. Die Kanzlei erstellt den Antrag, der Mandant sendet die Heiratsurkunde und eine Prozessvollmacht zu.

2. Nachdem die Gerichtskosten gezahlt sind, reicht der Anwalt den Scheidungsantrag beim Amtsgericht ein.

3. Das Paar erhält vom Amtsgericht einen Fragebogen zum Versorgungsausgleich und reicht ihn ausgefüllt zurück.

4. Das Amtsgericht setzt den Scheidungstermin an, zu dem beide Eheleute persönlich erscheinen müssen. Er dauert in der Regel 15 Minuten.

Zuständig ist in der Regel das Amtsgericht vom Wohnort der Mandanten. Bei einer Internet-Scheidung stammen die Paare jedoch aus dem gesamten Bundesgebiet oder dem Ausland: Die Bochumer Kanzlei Schmidt beschäftigt daher bundesweit 20 Anwälte als regelmäßige Terminvertreter.

Als Familienanwalt hat Theo Schmidt schon alles erlebt. Paare, die nach über 40 Jahren den Bund der Ehe beenden wollten, einen Mann, der sich direkt am Tag nach der Hochzeit von seiner frisch Angetrauten trennte, und immer wieder solche, die es mit der Scheidung besonders eilig haben, weil die Ehefrau von ihrem Geliebten oder alternativ die Freundin des Ehemannes schwanger geworden ist. „Das kommt häufig vor”, sagt der Bochumer. Seit einigen Jahren jedoch erfährt der 47-Jährige immer weniger von den Hintergründen für die gewünschte Trennung. Seine Klienten sitzen nicht mehr persönlich vor seinem Schreibtisch und berichten - mal erleichtert, mal deprimiert - von gescheiterten Beziehungen und geplatzten Träumen, sondern tauchen nur noch als Name in seinem Computer auf. „Anwalt-scheidung-online.de” heißt das Internet-Portal für Trennungswillige, das Schmidt als einer der ersten Anwälte bundesweit im Jahr 2003 einrichtete. Und das immer mehr Paare aus ganz Deutschland aber auch dem Ausland in seine virtuelle Kanzlei lockt. Rund 50 Online-Scheidungen bearbeitet Schmidt pro Monat. Täglich erreichen ihn inzwischen ein Dutzend Anfragen. Wobei die meisten online-Scheidungsanträge sonntagsabends gestellt werden.

Peter Weber (Name geändert) weiß nicht mehr, welcher Wochentag es bei ihm war, als er zum Stichwort „Scheidung” im Internet surfte und zum ersten Mal etwas über das Angebot von Theo Schmidt erfuhr. Aber er weiß noch genau, was er damals dachte: „Das sah seriös aus und hörte sich wirklich gut an”, so der Verwaltungsangestellte aus dem Ruhrgebiet. „Für mich war entscheidend, mich für diese Formalitäten nicht bewegen zu müssen, nicht irgendwo hinfahren, mir einen Parkplatz suchen und womöglich noch in irgendeinem Wartezimmer sitzen zu müssen.” Denn letztlich, so der 46-Jährige, sei die Scheidung nach zehn Jahren Ehe eine reine Formsache gewesen: „Wir waren uns einig, und es gab keinen Krach. Außerdem hatten wir kein Eigentum und keine Kinder.” Auch bei seiner Ex-Frau stieß er mit der Idee von einer online-Scheidung auf offene Ohren. „Am Anfang war zwar ich ein bisschen skeptisch”, gibt die 40-Jährige zu. „Sich sozusagen zwischendurch scheiden zu lassen, hört sich ganz furchtbar an.” Sehr schnell jedoch habe sie die Internet-Variante überzeugt: „Man macht doch heute fast alles online - warum das nicht auch”, überlegte sie sich. Und noch etwas kam hinzu: „Von anderen Scheidungen weiß man, was da plötzlich aufs Tapet kommt und man sich über Sachen streitet, die vorher kein Thema waren. Von daher haben wir wirklich unsere Nerven geschont.”

Der Bochumer Anwalt Theo Schmidt ist Experte für Online-Scheidungen. Foto: Bodo Goeke

Und auch den Geldbeutel: Denn weil Theo Schmidt für seine Online-Mandanten beim Gericht grundsätzlich einen 30-prozentigen Abschlag vom Streitwert beantragt, sinken auch entsprechend die Anwalts- und Gerichtskosten. Zum Vergleich: Für eine Ehe mit einem Streitwert von 10 000 Euro (ausgehend vom dreifachen Nettoeinkommen) fallen laut Gebührenordnung 1470 Euro Anwaltskosten an. Wird der Streitwert auf 7000 Euro heruntergestuft, sinken die Anwaltskosten auf 1100 Euro. „Letztendlich wird der Streitwert vom Richter festgestellt. Ich kann nur beantragen, ihn tiefer zu setzen. Aber in den meisten Fällen sind die Richter damit einverstanden, weil es ja auch weniger Aufwand als bei anderen Scheidungen gibt”, sagt Schmidt. Gleichwohl weiß er, dass er unter den „normalen” Scheidungsanwälten mit dieser Methode (die zudem Abzüge bei Kreditverbindlichkeiten und Kindern vorsieht) nicht beliebt ist. „Das ist ein ganz heikler Bereich”, sagt der Bochumer. „Die Kollegen schimpfen, dass ich die Preise kaputt mache.”

Doch nicht jedes Paar eignet sich auch für eine online-Scheidung: „Man sieht sehr schnell, ob etwas passt”, so Schmidt. „Wenn einer das Sorgerecht für die Kinder alleine haben will und der andere dagegen ist, oder wenn es Gewalt in der Ehe gab, dann muss persönlich ein Anwalt aufgesucht werden. Dann ist eine ausführliche Beratung erforderlich.” Ebenso, wenn die Unterhaltsfrage oder auch das Vermögen nicht geklärt sind. Und mitunter kommt es auch vor, dass die einfachen Voraussetzungen - wie etwa ein Jahr Trennungszeit - für einen Scheidungsantrag nicht erfüllt sind. „Es gibt Fälle, da schmunzeln wir auch”, sagt der Anwalt. Etwa wie neulich, als ein Mann die Scheidung beantragte - aber aus den Unterlagen hervorging, dass er sich erst am Vortag von seiner Frau getrennt hatte.

Zwar gibt es unter den 140 000 deutschen Anwälten immer mehr, die sich auf die Online-Variante spezialisieren, dennoch ist Schmidt angesichts der Scheidungszahlen optimistisch, dass die Internet-Arbeit auch künftig ein lukratives Geschäft ist. Und nicht nur das. „An sich verdienen Anwälte ja mit dem Streit. Je mehr Unstimmigkeiten es gibt, umso mehr Geld kann man aus solch einer Sache herausholen”, gibt er zu. Letztendlich sei dies irgendwann für die Betroffenen jedoch „so belastend, dass es auch für einen Anwalt nicht schön ist, mit anzusehen”. Von den geschiedenen Paaren aus dem Internet erhalte er jedoch durchweg positive Rückmeldungen. Schmidt: „Wenn die Betroffenen zufrieden sind und man aus einer traurigen Sache das Beste gemacht hat, ist es am Schluss auch für mich als Anwalt befriedigender.”

Auch bei Peter und Ute Weber nahm die Scheidung ein „gutes” Ende: Wenige Monate nach dem Antrag per Mausklick wurde ihre Ehe jetzt vor einem Amtsgericht beendet. Ohne Streit.

Mehr zum Thema: "Nervenschonend - aber zu unpersönlich?"

Katja Sponholz

Kommentare
09.07.2010
17:32
Scheidungsantrag per Mausklick
von Bernd Steinbach | #9

Ein telefonisches Orientierungsgespräch vorab empfiehlt sich in jedem Fall, um sicher zu sein, dass der Weg der Scheidung Online der Richtige ist.

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Scheidungsantrag per Mausklick
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2009-11-27 07:42
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