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Erkrankung

Liebe vergisst nicht - trotz Demenz

09.10.2009 | 16:34 Uhr
Liebe vergisst nicht - trotz Demenz

Witten. Die Diagnose Demenz ist mit vielen Ängsten verbunden. Rund 300.000 Menschen leiden in Nordrhein-Westfalen daran. Manfred Diezemann ist einer von ihnen. Seine Frau Elisabeth berichtet am Rande des ersten Fachtages Demenz in Witten, wie sich ihr Leben seit der Diagnose verändert hat.

Liebevoll streichelt Elisabeth Diezemann über die Wange ihres Mannes. Dann fährt ihre Hand über das graue Haar des 72-Jährigen, das akkurat zu einem Seitenscheitel gekämmt ist. Manfred Diezemann ist dement – seit 2003. „Eigentlich schon eher, aber seitdem ist es offiziell”, sagt Elisabeth Diezemann. Seit der Diagnose hat sich ihr Leben geändert. Doch trotz des Alltages hardert die 73-Jährige nicht mit ihrem Schicksal.

"Damit kann man sich nicht abfinden"

„Er ist nicht mehr der Mann, den ich mal geheiratet habe”, sagt Elisabeth Diezemann während sie mit ihm über den Flur im Wittener Rathaus läuft. Denn hier wird der erste Fachtag Demenz ausgerichtet, bei dem sich Betroffene informieren und untereinander austauschen können.

Fest hält sie ihren Mann an der Hand. „Er war geistig immer tätig, aber mit einem Mal klappte es nicht mehr”, sagt sie. Damals änderte sich ihr Leben. „Das war ganz schwierig.” Von Tag zu Tag sei es schlimmer geworden. „Damit kann man sich nicht abfinden.” Trotzdem hat sie ihr Schicksal angenommen und pflegt nun ihren Mann.

Hilfe von der Tagespflege

„Solange ich es alleine kann, möchte ich ihn nicht ins Pflegeheim geben”, sagt die ehemalige Filialleiterin eines Lebensmittelgeschäftes. Erst wenn sie krank würde, müsste er weg. „Das hoffe ich aber nicht. Dafür habe ich den Knochen doch viel zu lieb”, sagt sie mit fester Stimme und blickt zu ihm 'rüber. Seit 45 Jahren seien sie zusammen. „Ich habe noch nie einen anderen Mann gehabt und ich möchte keinen anderen.”

Von einer Tagespflege bekommt sie Hilfe: Zwischen acht und 16 Uhr wird ihr Mann betreut. „Alles andere mache ich alleine.” Probleme gebe es nur „wenn er aufsässig wird”, sagt sie, und fährt ihrem Mann, der sich inzwischen neben sie auf einen Stuhl gesetzt hat, über den Handrücken.

„Mein Mann weiß, dass er krank ist”, sagt die 73-Jährige und spricht ihn daraufhin direkt an: „Ne, du weißt, dass du krank bist.” Er nickt. Es ist das einzige Mal, dass er sich am Gespräch beteiligt.

Dankbarkeit über das Zusammensein

Manfred Diezemann trägt eine Kette um den Hals. Daran hängen ein Foto von ihm und ein kleiner silberner Anhänger. Darin steht sein Name, die Telefonnummer, Adresse, sein Arzt und seine Krankheit. Auch in seiner Kleidung sei überall sein Name notiert: in den Hosen, den Hemden, sogar in der Unterwäsche. „Für den Notfall”, sagt seine Frau. „Bisher findet er aber immer wieder nach Hause.”

Im Haus bleibt seit der Erkrankung sehr viel liegen. Bisher war ihr Mann dafür zuständig – schließlich war der als gelernter Maschinenbautechniker handwerklich begabt. „Die ganzen Jahre ist nichts gemacht worden. So sieht es auch aus”, sagt sie. „Aber er kann es nicht mehr. Heute kann er gar nichts mehr.”

Trotzdem hadert die Mutter einer Tochter und Oma zweier Enkel nicht mit ihrem Schicksal. „Der Herrgott wird mir nicht mehr auflegen, als ich tragen kann”, davon ist sie überzeugt. Angst vor der Zukunft habe sie keine. „Ich habe ein Gottvertrauen und hoffe, dass ich das auch behalte.” Immer wieder sehe sie andere Menschen, denen es noch schlechter gehe. „Wir sind ja noch zusammen”, sagt sie, und Tränen steigen ihr in die Augen. Manfred Diezemanns Hand wandert zum Arm seiner Frau. „Ich muss abends nicht alleine ins Bett gehen”, sagt sie mit belegter Stimme „Das ist auch was wert.”

Kathrin Feldhofer

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Kommentare
11.10.2009
03:30
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #6

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

10.10.2009
01:24
Liebe vergisst nicht - trotz Demenz
von Erschüttert | #5

Ich wünsche den Ehepaar auch alles gute und der Frau noch viel Kraft dabei, Mein Nachbar ist auch Dement und es es ist schrecklich zu sehen. Auch er hat eine starke Ehefrau bei sich der ich auch viel viel Kraft wünsche. Eine schlimme Krankheit.

09.10.2009
20:10
Liebe vergisst nicht - trotz Demenz
von AliMomente | #4

„Der Herrgott wird mir nicht mehr auflegen, als ich tragen kann”

Und er wird Sie nicht Enttäuschen.

09.10.2009
18:37
Liebe vergisst nicht - trotz Demenz
von empee | #3

Danke für die Offenheit.
Mein Vater ist Pflegefall und wird Gott sei Dank noch von meiner Mutter versorgt.
Aber, es ist eine grenzwertige Belastung.
Alles Gute und viel Kraft...

09.10.2009
17:10
Liebe vergisst nicht - trotz Demenz
von RikSchind | #2

Ich finde das Schicksal Demenz ist sehr hart. Man verliert nach und nach die Fähigkeit sich zu erinnern und zu denken.
Ich finde das ist eine der schlimmsten Diagnosen die man als Mensch überhaupt kriegen kann. Man weiss im Endeffekt dass man irgentwann nichts mehr alleine tuen oder machen kann, grade weil man sich nicht mehr erinnert wie es funktioniert.

Ich spreche aus eigener Erfahrung. Mein Opa hatte ebenfalls diese schlimme Krankheit und meine Oma hat ihn auch so lange gepflegt, bis sie es auch nicht mehr konnte.
Das ist seine sehr große seelische Belastung für sie gewesen und sie fasse sich deswegen auch ein Herz und brachte ihn ins Pflegeheim.

Nicht mal mehr essen konnte er, als ihn die Krankheit fast vollkommen eingenommen hat.

Alles Gute dem Ehepaar Diezemann.

09.10.2009
15:47
Liebe vergisst nicht - trotz Demenz
von Zoi2005 | #1

Ich wünsche den Eheleuten Diezemann alles Gute für Ihre weitere Zukunft.

Danke für den kleinen Einblick in Ihr Leben.

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