Keine Zeit für nix: Beziehung als Hauptberuf
08.04.2009 | 21:31 Uhr 2009-04-08T21:31:00+0200
Essen. Sophie ist hauptberuflich Freundin, Jens’ Freundin, und das ist ein zeitraubendes Geschäft. Klar, sie hat auch einen normalen Job, aber das ist auch der einzige Jens-lose Bereich ihres Lebens. Treffen mit Freunden? Fehlanzeige.
So, liebe Leser, wo wir uns nun in den letzten Wochen ein wenig kennengelernt haben, wie wäre es denn mit einer kleinen Serie? Der Oberbegriff, so stelle ich mir vor, lautet „Beziehungstypen – wie wir nie werden wollen“. Beiträge dann je nach Anlass in loser Folge immer mal wieder.
Jophie und Sens
Der aktuelle Anlass heißt Sophie, ihr in erster Linie ist dieser Text gewidmet. Wenn sie ihn liest, ist das gar nicht schlimm. Es steht alles drin, was ich ihr am Telefon nie sagen konnte – sobald ich tief Luft geholt hatte, kam nämlich meist diese Anklopf-Funktion dazwischen. Und wenn es klopft, dann könnte ja der Jens versuchen, sie zu erreichen und dann muss sie auch bald die Leitung frei machen.
Jens und Sophie, Sophie und Jens, Jophie und Sens. Es gibt sie nur noch doppelt. Warum? Diese zwei Namen, sind sie Synonyme der Leidenschaft? Chiffren für wilden Sex und erderschütternde Orgasmus-Kaskaden? Oder bedeutet jede noch so kurzfristige Trennung voneinander die gewaltsame Unterbrechung eines Dialogs verwandter Seelen, dessen Tiefe wir Normalsterblichen kaum erahnen mögen?
Leidenschaft? Keine Spur!
Von wegen. Wenn man mit Sophie spricht, in der kurzen Spanne, bevor Jens an der Tür schellt oder in der Leitung klopft, worum geht es dann? Sein Geburtstagsgeschenk. Die Urlaubsplanung. Die unmöglichen Pullover, die sie weggeschmissen hat, als sie neulich seinen Schrank ausmistete. Von Leidenschaft keine Spur, von Abenteuer kein Hauch. Es ist ein bisschen, wie wenn man mit seinen Eltern redet. Ach ja, und sie gucken auch Fußball zusammen.
Es gibt Leute, die verlieren jeden Sinn für zwischenmenschliches Miteinander, sobald sie liiert sind. In der Phase Schmetterlings-flattriger, Bauch-kribbliger Verliebtheit ist das ja verständlich und aller freundschaftlichen Rücksichtnahme wert. Wenn sich die traute Zweisamkeit aber erst in eingefahrenen Bahnen bewegt, dann, all ihr Sophien und Jense, hört das allmählich auf, eine Entschuldigung darzustellen.
Von Montag bis Freitag ausgebucht
Ich übertreibe, ich bin eifersüchtig, missgünstig gar? Von wegen! Da Jens uns beim Telefonieren ja regelmäßig dazwischenkommt, und ein gelegentliches Treffen die Freundschaft frisch hält, versuchten Sophie und ich, uns zu verabreden. Freunde hatten mich gewarnt, ich wollte nicht hören.
Montag? „Geht nicht, da kommt Jens vorbei.“ Dienstag? „Ja, aber nur, wenn du zu mir kommst, er will nämlich um 20 Uhr anrufen.“ Mittwoch? „Hm, schwierig. Da kochen wir immer zusammen. Das mussten wir letzte Woche schon ausfallen lassen.“ Donnerstag? „Ja, vielleicht, weiß ich aber noch nicht. Hängt davon ab, ob sein Fußballtraining stattfindet. Wenn ja, dann hätte ich Zeit.“ Freitag? „Ja, aber nur bis halb neun. Wir wollen früh ins Bett, er hat am Samstag ein Spiel.“ Samstag? „Da hat er ein Spiel, ich muss ihn unterstützen.“ Sonntag? „Da wollten wir was zusammen machen. Wir haben fast nie mal einen ganzen Tag für uns. Du, aber ich muss aufhören: Jens hat gesagt, er meldet sich vielleicht heute noch mal.“
Leben in der Luftblase
Am Freitag rief sie dann übrigens gegen 18 Uhr an: Da Jens kurzfristig Überstunden machen musste, hatte sich unerwartet ein Zeitfenster aufgetan. Meine Selbstachtung ließ eine Verabredung unter diesen Umständen leider nicht zu, genauso, wie unsere gemeinsamen Freunde inzwischen resigniert haben. Manchmal beschwert sie sich ernsthaft, dass wir uns nie bei ihr melden.
Gut, abgehakt. Es gibt noch andere Menschen. Aber: Wie fühlt man sich eigentlich, wenn man Sophie ist? Wie lebt es sich in dieser Jens-getränkten Luftblase? Reicht ihr das wirklich, immer nur zu hören, wie’s bei Jens im Job läuft oder ihm zuzuschmachten, wenn er an Samstagnachmittagen keuchend Lederbälle kreuz und quer über verregnete Bolzplätze verfolgt? Wenn das so weitergeht, dann kann er doch irgendwann anfangen, sich mit seinem Spiegelbild zu unterhalten, Wellensittiche fühlen sich ja auch sehr wohl damit. Denn sehr viel mehr als eine Projektionsfläche wird auf kurz oder lang wohl nicht übrig bleiben von jemandem, der nur noch als Anhängsel existiert.

16:06
Ich bin eine Sophie gewesen...und habe mich befreit...
Und eines Tages aufzuwachen und festzustellen, dass man niemanden mehr hat, weil man sich ausschließlich in diese Beziehung hat fallen lassen...tut trotzdem weh.
Und ich habe es weder böse gemeint, noch wollte ich Freundschaften aufgeben.
Es ist mir einfach entglitten...
Aber die Quittung bekommt man noch früh genug...dafür dann doppelt dicke!
Grüße an alle, denen es genauso geht.
10:33
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11:21
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11:56
Die Autorin schreibt ja ganz nett, macht aber auch gar keinen Versuch ihren Frust, worüber auch immer (solo? Zuhause nur die Katze,die sie empfängt? Zeitmangel hat sie zumindest nicht.) großartig zu verwischen.
Es ist jedenfalls nicht zwingend, dass es nur die zerbrechende Freundschaft ist die sie belastet.
Eine frustrierte Autorin? Wieviel muß ich da als Leser vom Wahrheitsgehalt ihrer Darstellung abziehen ? Es ist eine Anklage an Sophie, eine Abrechnung. Der Leser wird nie erfahren wie das Plädoyer der Verteidigung ausgesehen hätte.
Möglicherweise waren Sophie & die Autorin früher wirklich gute Freundinnen. Eine Freundschaft mit gegensetztlichen Polen, die sich anzogen. Aber wenn man sich einmal aus den Augen verloren hat, es dann einfach nicht mehr passt, dann läßt sich so etwas nicht über Jahre künstlich weiterbeatmen.
Man will der guten, alten Zeit wegen den anderen auch nicht unbedingt vor den Kopf stossen. Solche Freundschaften kenne ich auch. Da nimmt jedes Treffen einen ähnlichen Verlauf. Auch die Dialoge ähneln sich. Alte Geschichten und was gibts Neues?
Und HIER ist der Punkt, da hat man nicht immer Bock drauf den anderen auf den neusten Stand zu holen. Weil es zu anstrengend ist immer wieder bei Adam & Eva anzufangen oder weil eh nur zynische! (->Autorin?!!) Kommentare kommen oder weil sie selbst keine Beziehung führt/Kinder hat und gar nicht weiß wovon sie redet.
Fazit: Solche Treffen müssen nicht immer toll sein, belebend, neue Impulse setzen....im Gegenteil man geht nach Hause und schiebt für die nächste Verabredung seinen Freund vor.
Liebe Autorin, es ist hart, aber Sophie hat halt keine Lust mehr dich zu sehen, kann es dir in dieser Härte aber nicht sagen. Vielleicht verschaffte dir das Nachtreten noch etwas Linderung.
10:12
Naja - jedem Toepfchen sein Deckelchen. Jeder Mann, der so eine Frau nicht möchte wäre doch schon laufen gegangen - und umgekehrt genauso. Da ist es auch egal, ob der Mann sie anfangs mit übertriebener Eifersucht unter Druck gesetzt hat oder sie sich freiwillig derart unterordnet. Anscheinend haben beide ja wenigstens theoretisch jeden Tag die Wahl (das gilt nicht für alle Paare).
Anscheinend braucht sie diese Art der Sicherheit und wäre es nicht der Mann - dann wäre es wohl etwas anderes - oder sie wäre permanent unglücklich.
Die eigentliche Sperre ist im Kopf von Sophie, denn sonst würde sie ja einfach das Handy mitnehmen wenn Jens mal anrufen möchte.
Ich glaub da was zu ändern ist kaum möglich, die Urspünge liegen womöglich bis in Säuglingsalter zurückreichend (Unsicherheit der Bindung zur Mutter/Vater?) und wenn sie so zufrieden ist - wird sie kaum was dagegen tun.
Solche Menschen versuchen zu bekehren bringt nichts, die muss man nehmen wie sie sind. Wenn dadurch die Freundschaft kaputt geht ist das halt so, vielleicht merkt Sophie dann, dass es ausserhalb ihrer inneren Mauern noch eine Welt gibt.
09:09
Die Kommentare hier zeigen mir sehr deutlich, dass die meisten Leser und Leserinnen ÜBERHAUPT nicht verstanden haben, worum es geht! Es menschelt mal wieder so vor sich hin.... traurig, traurig, traurig!
19:49
Hörigkeit, Abhängigkeit, Beziehungssucht :
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/SUCHT/Hoerigkeit.shtml
17:09
Die Autorin ist einfach eingeschnappt, dass sie snicht mehr an erster Stelle steht.
Sie wurde durch Jens ersetzt.
Jetzt teilt Sophie alles mit Jens -nicht mehr mit der Autorin.
Die Autorin is sauer, weil sie jetzt allein shoppen gehen muss.
Tja, shit happens...
16:04
Sauerlandzorro, wie alt bist du? 12? :-)
15:27
@ 18/19
ich schütte mich auch gerade aus vor lachen. Bin doch kein leichenschänder ! na ja wer drauf steht.
und schleim hier nicht so rum .... anja ist bestimmt noch keine 40.. so jetzt ab zum seniorentanz !