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Beziehung

Ein Schloss für die ewige Liebe

18.02.2009 | 09:35 Uhr
Ein Schloss für die ewige Liebe

Köln. An der Kölner Hohenzollernbrücke kann man einen neuen Brauch beobachten. Dort setzen Paare ihrer Liebe ein Zeichen – mit kleinen Vorhängeschlössern. Paradox, findet eine Volkskundlerin. Die Idee ist vom Tiber an den Rhein geschwappt.

Am Grund des Rheins liegen viele winzige Schlüssel. Über 300 sind es mittlerweile, und die Strömung hat sie wohl längst mit sich fortgetragen. Weg von der Hohenzollernbrücke, der Stelle, wo sie versenkt wurden. Als Liebespfand.

Salvatore & Frosch, Zuckerschnut & Liebelein

Seit September vergangenen Jahres beobachtet man dort, an eben jener Kölner Brücke, die das linksrheinische Zentrum mit dem rechtsrheinischen Stadtteil Deutz verbindet, ein in Deutschland neues Phänomen: Liebesschlösser. Kleine Vorhängeschlösser sind es, angebracht am Gitterzaun, der Fußgängerüberweg von Eisenbahngleisen trennt. Sie hängen dort, auf der ganzen Länge der Brücke verteilt in Grüppchen und vereinzelt. Wer sie aufgehängt hat, ist eingraviert oder mit Filzstift draufgeschrieben: Salvatore & Frosch. Zuckerschnut & Liebelein. Harrybär und Teufelchen.

Dagmar Hänel (39) ist Leiterin der Abteilung Volkskunde beim Rheinischen Amt für Landeskunde und beobachtet im Auftrag des Landschaftsverband Rheinland die rasante Vermehrung der Liebesschlösser seit Herbst 2008. Foto: WAZ, Matthias Graben

Als Zeichen ihrer Liebe haben sie alle ein Schloss im Eisengitter verhakt, es zuschnappen lassen und den Schlüssel in den Rhein geworfen. „Dabei ist das Ritual ja total paradox”, sagt Dagmar Hänel (39), Volkskundlerin. Im Auftrag des Landschaftsverband Rheinland beobachtet sie die rasante Vermehrung der Liebesschlösser seit dem letzten Herbst. „Eine Liebe für immer”, die Betonung lässt keine Missverständnisse zu. Gerade die erste große, sagt Hänel, „hält ja oft kaum länger als ein Jahr.” Da fehle oft noch das Bewusstsein für die Realität. Und die zeigt nunmal: Wir haben in unserem Leben verschiedene Partner. Viele sind das bei manchen und serielle Monogamie nennen das Beziehungspsychologen: aufeinanderfolgende Partnerschaften, mit gegenseitiger Treue als Basis. „Beziehungen gehen heute immer schneller auseinander”, sagt Hänel. 2007 betrug die durchschnittliche Ehedauer bei Scheidung knapp 14 Jahre. Den Erhebungen des Statistischen Bundesamts zum Trotz: Der Traum von der ewigen Liebe bleibt. Hänel:„Das Gefühl wird zelebriert wie nie zuvor. Wenn Inhalte wegfallen, wird die äußere Form immer wichtiger.”

„Weil wir eben Kölner sind”

Info
Vom Tiber zum Rhein

Vorbild der Kölner Liebesschlösser könnten die an der

Ponte Milvio in Rom sein. Eine Laterne der Tiberbrücke ist von oben bis unten mit Schlössern bedeckt, zu sehen im Videoclip „Ti scattero una foto” von Schmusesänger Tiziano Ferro. Auch in Florenz gibt es die Brückenschlösser. Dort sind es ehemalige Soldaten, die nach Ende des Militärdienstes ihre Spindschlösser zur Schau stellen

Über die Brücke spazieren an diesem sonnigen Wintertag viele Paare. Wie zwei Enddreißiger, beide tragen große Sonnenbrillen. Sie bleibt vor einer Ansammlung von Schlössern stehen. Lacht. So etwas in die Öffentlichkeit tragen? Die beiden sind frisch zusammen. „Ne”, sagt er. „Ich bin gerade erst getrennt. Ich weiß, wie vergänglich so was ist.” An die Liebe glaubt er wohl trotzdem noch. Zwei andere haben gerade ein Schloss aufgehängt. Anfang dreißig sind sie vielleicht. Sie schiebt einen Kinderwagen mit Zwillingen. Zeigen wollen sie das metallene Symbol ihrer Verbindung nicht. „Das ist etwas für uns.” Warum an diesem Ort?: „Weil wir eben Kölner sind.” Der Dom thront in unmittelbarer Nähe; linkes Ufer, Altstadt.

„Eine Brücke ist ein transitorischer Ort. Ein Übergang. Eine Verbindung von zwei Teilen”, erklärt die Volkskundlerin. Außerdem stehe so eine Eisenbahnbrücke auch symbolisch für Nähe und Ferne, Mobilität. Vielleicht Fernbeziehungen – Miles & Ebru, Sanne & Carlos, Lona & Brett – Europe and Africa. Die Geschichten, die dahinter stehen, bleiben geheim. Bis sich jemand meldet, der davon erzählen möchte, hält der LVR die Liebesschlösser weiter im Auge. Ein Bahn-Sprecher bestätigte auf WAZ-Anfrage: So lange die Schlösser den Betriebsablauf nicht stören, dürfen sie hängen bleiben. Auf dass die Liebe nicht rostet.

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Kommentare
04.03.2009
14:52
Ein Schloss für die ewige Liebe
von Tido125 | #5

In Rom gibt´s das auch an einem Zaun vor einer Kirche, an dem Platz wo auch der Trevi-Brunnen ist.
Im Reiseführer stand leider nichts über diesen Brauch...

14.02.2009
15:57
Ein Schloss für die ewige Liebe
von RunningSP | #4

Nur leider werden die vorhänge Schlösser regelmäßig von der Deutschen Bahn AG wieder entfernt. Da diese das aussehen für die Bahn AG wie Graffitis haben.

14.02.2009
15:48
Ein Schloss für die ewige Liebe
von smartin | #3

...ein Vorhängeschloss wird immer mit zwei Schlüsseln verkauft, wer hat nun den 2. Schlüssel ?

14.02.2009
15:06
Ein Schloss für die ewige Liebe
von Lustiger Vogel | #2

Sorry !!
Hab wohl was falsch verstanden.
Vorhängeschloß kaufen.
Schloß gravieren oder mit Filzstift beschriften.
Schloß im Eisengitter verhaken.
Seine Frau in den Rhein versenken und mit dem Schlüssel glücklich nach Hause gehen.
Komisches Ritual.
Geht das auch mit Schwiegermütter?

14.02.2009
12:07
Ein Schloss für die ewige Liebe
von Marion Fedrigo | #1

Mann, mùsst doch nicht alles nachmachen.

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